Musik Speziell wie immer: The Flaming Lips treffen Freunde

Berlin - Mit einem deftigen Fluch der Gastsängerin Ke$ha geht es los, aber damit nimmt der Wahnsinn erst seinen Lauf. Das neue Album der Flaming Lips entspricht in jeder Hinsicht dem sehr speziellen Ruf dieser Spacerock-Psychedeliker aus Oklahoma City.

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Speziell wie immer: The Flaming Lips treffen Freunde Bild: dpa

Die berühmt-berüchtigte US-Kultband um Sänger Wayne Coyne lässt sich seit ihrer Gründung vor knapp 30 Jahren in keine Stil-Schublade stecken, man muss immer auf eine neue Skurrilität gefasst sein. Das ist auch auf «The Flaming Lips & Heady Fwends» (Bella Union/Cooperative) wieder so - im Höchstmaß sogar.

Denn diese Zusammenstellung von 13 Aufnahmen der Flaming Lips mit mehr oder weniger bekannten Kollegen aus Folk, Rock, Soul, Elektro und Avantgarde dürfte erneut selbst aufgeschlossene Hörer gleichermaßen faszinieren und verstören.

Da gibt es Lieder von geradezu übernatürlicher Schönheit wie das Duett «Ashes In The Air» (mit Bon Iver), das sphärische «Helping The Retarded To Know God» (mit Edward Sharpe And The Magnetic Zeros) oder das zarte «Children Of The Moon» (mit Tame Impala). Diese herausragenden Progrock-Songs erinnern an die Pop-nahen Großtaten der Flaming Lips, vor allem «The Soft Bulletin» (1999) und «Yoshimi Battles the Pink Robots» (2002).

Dass die Band aus riesigen Pink-Floyd-Fans besteht, die vor drei Jahren gar den Klassiker «The Dark Side Of The Moon» in Gänze nachspielten, verwundert natürlich nicht. Man hört das in mehreren Arrangements sehr deutlich - das epische «Is David Bowie Dying?» (allein diese Songtitel!) orientiert sich beispielsweise unüberhörbar an David Gilmours grandiosem Gitarrensound.

Doch bevor man es sich zum wabernden Wohlklang solch akustischer Lavalampen allzu gemütlich machen kann, lassen Coyne und Co. Krach und Chaos in ihre Songkonstruktionen eindringen. Selbst einen Erz-Melodiker wie Jim James von My Morning Jacket zwingen The Flaming Lips in eine heftige Gitarren-Schrägelei. Und den großen Nick Cave lassen sie in «You, Man? Human???» zu dramatischen Glockentönen und monotonen Grooves allerlei Düsteres deklamieren.

So geht es weiter, zwischen zugänglichen Melodien und kryptischem Gefrickel, das bisweilen als reine Kopfgeburt rüberkommt. Aber wen wundert's bei einer Band, die einst ein 4-CD-Album aufnahm, dessen Gesamteindruck sich nur durch gleichzeitiges Abspielen über vier verschiedene Player ergab («Zaireeka» von 1997). Besonders der Beitrag «Do It» von Yoko Ono/Plastic Ono Band und die ziemlich abgedrehte Zeitlupen-Coverversion «The First Time Ever I Saw Your Face» mit Soul-Diva Erykah Badu sind echte Herausforderungen.

Bei ihren legendären Konzerten beschießen The Flaming Lips ihr Publikum mit Konfetti, und Frontmann Coyne lässt sich in einem riesigen Ballon von den Fans auf Händen tragen. Bei Interviews vermitteln sie - nach langjährigen Drogenproblemen einiger Bandmitglieder - inzwischen den Eindruck von freundlich-spinnerten, aber eben auch hochkreativen Freigeistern.

Kein Zweifel, das wunderbar bizarre, teils anstrengende Kooperations-Album mit den prominenten Freunden passt in die knallbunte Diskografie der Flaming Lips bestens rein.

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news.de/dpa

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