Musik Dandy mit Stil: Chamber Pop von Lawrence Arabia

Berlin - James Milne hat sein Bandprojekt nach dem britischen Weltkriegs-Haudegen Thomas E. Lawrence alias «Lawrence von Arabien» benannt. Wer von Lawrence Arabia deswegen aber nun draufgängerische oder gar aggressive Musik erwartet, liegt ziemlich daneben.Der Neuseeländer hat sich auf einen Musikstil der 60er und 70er Jahre spezialisiert: den Baroque Pop oder Chamber Pop - sanfte Melodien mit klassisch anmutenden Streicher- und Bläserarrangements in der Größenordnung eines Kammerorchesters (daher die Bezeichnung).

Dandy mit Stil: Chamber Pop von Lawrence Arabia (Foto)
Dandy mit Stil: Chamber Pop von Lawrence Arabia Bild: dpa

Bands wie The Zombies, Left Banke, The Moody Blues oder Procol Harum prägten einst das Genre. In den vergangenen Jahren führten Belle and Sebastian oder The Divine Comedy die Tradition fort.

Zurück zu James Milne. Der junge Mann mit dem smarten Dandy-Look destilliert nun schon zum zweiten Mal Erstaunliches aus dieser wohltönenden Idee. Das Ende Juli erschienene Album «The Sparrow» (Bella Union/Cooperative) verfeinert mit edlen Melodien und einer äußerst gediegenen Produktion sein Chamber-Pop-Konzept vom gefeierten Debüt «Chant Darling» (2009).

Im Opener «Travelling Shoes» erinnern Milnes Vocals noch an die solistischen Softpop/Samba-Exkursionen des großen David Byrne (Talking Heads). Der Walzer «Lick Your Wounds» setzt dann - nicht zum letzten Mal - ganz auf die eindrucksvolle Falsettstimme des Multitalents aus Auckland/NZ.

Sein kleines Ensemble The Prime Ministers liefert dazu prachtvolle Harmonien sowie diese typisch ploppenden Bassläufe, wie man sie von Beach-Boys-Meisterwerken wie «Pet Sounds» kennt. Im zentralen «Early Kneecappings» steigern die Geigen sich in ein veritables Crescendo hinein. Im Instrumental «Dessau Rag» ringen ein Klimperklavier und schräge Bläser um die Vorherrschaft, das abschließende «Legends» belehnt die Spätphase der Beatles.

Das alles könnte durchaus kitschig oder überladen klingen, tut es aber wundersamerweise zu keiner Sekunde der wie im Flug vergehenden 35-minütigen Spielzeit des Albums. Wahrscheinlich kamen Lawrence Arabia die Beschränkungen einer Indie-Produktion zugute (ein großes Orchester war eben nicht drin), oder der Mann hat einfach Geschmack und Stilbewusstsein.

Wie auch immer es dazu kam: «The Sparrow» ist eine der schönsten Überraschungen dieses Pop-Sommers.

Deutschland-Konzerte: 9.9. Köln, 10.9. Berlin.

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news.de/dpa

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