«Spec Ops: The Line» Gamer machen Dubai platt

Shooter können nur Hurra-Patriotismus? Das ist im aktuellen Videospiel Spec Ops: The Line ganz anders. Hier gerät der Spieler ins Grübeln - über seine Ballerei und Krieg an sich. News.de hat mit dem Chef des deutschen Entwicklerstudios gesprochen und verlost Fanpakete zum Videospiel Spec Ops: The Line.

FOTOS: «Spec Ops: The Line» Militärhölle im Wüstensand

Wolkenkratzer aus Stahl, Glas und Beton. Riesige Wasserflächen unter brennender Sonne, exotisches Flair - das ist das perfekte Urlaubsplätzchen. Kein Wunder, dass Dubai immer beliebter wird. Doch die künstlich aus dem Boden gestampfte Stadt im gleichnamigen Emirat ist nicht nur Traumkulisse für Erholungssuchende. Dubai ist derzeit auch unter Videospielern ein gefragter Schauplatz.

Doch statt die Vorzüge der Wüstenstadt in den höchsten Tönen zu loben, hat das Entwicklerstudio Yager Developement aus der Metropole mit dem höchsten Bauwerk der Welt, dem Burj Khalifa, wieder eine echte Wüste gemacht. Im Shooter Spec Ops: The Line ist der Traum aus Glas und Stahl fast gänzlich wieder zerstört und dem Wüstensand überlassen. Mittendrin steckt eine Spezialeinheit der amerikanischen Militärs auf Rettungsmission, angeführt von Martin Walker.

Auf den ersten Blick wirkt Spec Ops: The Line wie einer der üblichen Shooter. Doch das Szenario lässt dem Spieler durchaus die Wahl: direkter Kampf oder strategische Lösung. Die Stärken des Spiels liegen darin, dass der Spieler stellenweise immer wieder über die Moral seines Handelns und über den Sinn von Kriegen an sich grübelt. Dass am Ende trotzdem die Kugeln fliegen und das Ballern als typische Shooter-Element die zentrale Rolle spielt, gehört nun einmal zum Genre. Und in dem lassen sich die massenhaft anrückenden Gegner nun mal nicht mit Engelszungen dazu bewegen, die Waffen zu strecken.

Doch auch wenn das Shooter-Szenario an amerikanische Invasionen im Ausland erinnert - die Nähe zu Aufmärschen in Afghanistan oder im Irak liegen gedanklich nahe -, Spec Ops: The Line stammt zur Abwechslung mal nicht aus einem US-Entwicklerstudio. Yager Developement hat seine Heimat in Deutschlands schöner Bundeshauptstadt Berlin. Bei news.de spricht Yager-Gründer und Geschäftsführer Timo Ullmann, wie die Entwicklung von Spec Ops: The Line beeinflusst wurde und warum Militär-Shooter bei Spielentwicklern ein beliebtes Thema sind:

 

Herr Ullmann, das erste Spiel von Yager Developement - Yager - war eine Art Flugsimulation, im neuen Spiel Spec Ops: The Line steht der militärische Aspekt klar im Vordergrund. Wie viel von der Erfahrung aus dem ersten Spiel steckt im aktuellen Shooter?

Ullmann: Storytelling war auch schon in unserem ersten Titel ein großes Thema. Wir hatten einen relativ großen Cast und sehr viele Sprachaufnahmen. Ich glaube, dass Spec Ops: The Line da auch von unserem Erstlingswerk profitiert hat. Außerdem standen wir schon damals vor der Herausforderung, Action-Gameplay mit einer Geschichte zu verbinden, die eben nicht nur in Zwischensequenzen erzählt wird. Schlussendlich ist die Produktion von Spec Ops: The Line aber in vielerlei Hinsicht sehr viel größer geworden, als das bei Yager der Fall war.

Warum der Wechsel vom Fliegen zum Kriegspielen?

Ullmann: Nach Yager wollten wir in Richtung charakterbasierter Action gehen. Mit einem lebenden Protagonisten vor Augen ist es auch leichter, Emotionen ins Spiel zu bekommen. Das war uns schon immer wichtig. Deswegen auch die Entscheidung bei Spec Ops: The Line, dem Spielcharakter quasi über die Schulter zu schauen. So kann man im Spiel beobachten, wie er sich immer mehr verändert. Wir sehen, wie die Kämpfe, die unser Martin Walker durchlebt, auch ihre Spuren hinterlassen.

Was war die Vorlage für Thema und Schauplatz?

Ullmann: Das Thema ist ja sehr universell und auch hochaktuell. Wir wollten dem Genre der Militär-Shooter eine neue Facette hinzufügen. Inspiriert wurden wir von verschiedenen Medien, unter anderem Conrads Buch Heart of Darkness, aber auch Filmen wie Full Metall Jacket. Darüber hinaus schien uns die Zeit reif, auch dieses populäre Genre mit weiteren interessanten Elementen anzureichern.

Und wie kommt man von der Spree vor der Tür eigentlich auf ein Wüstenszenario in Dubai?

Ullmann: Als Publisher 2K uns damals fragte, ob wir Lust hätten, ihre Franchise Spec Ops wiederzubeleben, war uns sofort klar, dass wir das Spiel in Dubai ansiedeln wollten. Die Stadt ist auf den ersten Blick ein fantastisches Utopia, das mitten in der Wüste errichtet wurde. Daneben ist es auch so anders als die üblichen Schauplätze, die man von anderen Spielen her kennt. Dazu kommen unsere fiktiven Sandstürme, die für Kontraste sorgen, welche spielerisch und optisch ansprechend sind. Wir kombinieren sandzerstörte, unwirkliche Areale mit geradezu opulenten und luxuriösen Umgebungen. Das ist ein Traum für Game-Designer.

Was reizt die Spieler an solchen Militär- und Shooter-Szenarien, sodass Entwicklerstudios wie Ihres das Thema aufgreifen? Oder haben die Entwickler dabei selbst am meisten Spaß?

Ullmann: Militär-Shooter sind das dominierende Genre bei Action-Games. Das ist eine Herausforderung für jeden Entwickler. Die Produktionswerte, die aufgeboten werden, sind enorm, um den Spielern ein packendes Erlebnis zu liefern. Sicherlich müssen wir Spaß haben an dem, was wir hier machen. Anders könnten wir gar nicht den Enthusiasmus aufbringen, der neben all der Professionalität nötig ist.

VIDEO: Mörderische Mission in Dubai
Video: YouTube

Welches Detail am neuen Spiel ist das wichtigste aus Ihrer Sicht? Und worauf werden die Spieler besonders anspringen?

Ullmann: Mit Spec Ops: The Line bieten wir ein interessantes Erlebnis, bestehend aus einer einzigartigen Story, einem abwechslungsreichen Multiplayer Modus und einem Coop Modus, der im August kostenlos veröffentlicht wird. Aus unserer Sicht sind es die Location Dubai, unsere Geschichte und das Spiel mit dem Sanddetails, welche die Spieler sehr schätzen werden. Aber da es keine allgemeingültige Rezeptur gibt, wie ein Spiel zu funktionieren hat, damit es angenommen wird, fiebern wir den Reaktionen der Spieler sehr entgegen. Da sind wir selber mehr als gespannt.

Militär in einem Shooter – das ist ein Thema, das viele Studios auf dem Plan haben und regelmäßig veröffentlichen. Das deutsche Top-Studio Crytek mit seinem fortgesetzten Shooter Crysis gehört in dieser Hinsicht zu euren schärfsten Konkurrenten. Was macht Spec Ops: The Line anders?

Ullmann: Im Genre der Militär-Shooter setzen wir uns ganz klar mit unserer Geschichte und unseren Charakteren ab. Spec Ops: The Line ist kein hurra-patriotischer Shooter nach Schema F, sondern vielschichtige Unterhaltung, die auch etwas Neues wagt. Ich mag Crysis sehr. Sicher produzieren Yager und Crytek Spiele im Action-Bereich. Aber Spec Ops: The Line konkurriert eher mit anderen Third-Person-Shootern und der stärkste Konkurrent für unser Spiel ist in meinen Augen derzeit eh der Sommer.

Apropos starke Konkurrenz: Deutsche Studios scheinen es auf dem Videospielmarkt schwer zu haben. Nicht nur bei der Platzierung mit Triple-A-Titeln. Sind deutsche Studios einfach zu verkopft oder liegt es an den Vorurteilen, mit denen die Videospielindustrie hierzulande zu kämpfen hat?

Es gibt schon auch ein paar lokale Besonderheiten, wie zum Beispiel die Vorliebe für den PC in Deutschland im Gegensatz zu Videokonsolen. Deutsche Studios sind aber bestimmt nicht zu verkopft. Ich glaube, dieses Vorurteil stammt aus einer anderen Zeit. Damals mangelte es manchmal auch am Zugang zu internationalen Publishern und der Druck der Internationalisierung war auch noch nicht so gegeben. Auf der anderen Seite ist die Spieleindustrie in den letzten Jahren vielfältiger geworden und daran haben deutsche Studios federführend Anteil gehabt. Egal ob ich mir Videogames, Browsergames oder Social Games anschaue, überall sind deutsche Studios vorne mit dabei. Mit Vorurteilen hat man immer wieder mal zu kämpfen, damit geht die deutsche Videospielindustrie aber offen um und weiß Millionen von Spielern hinter sich.

Was macht eigentlich ein gute Spiel aus: Die Meinung der Fachpresse, die Meinung der Spieler oder handwerkliches Können?

Das ist eine sehr gute Frage, mit vielen interessanten Facetten, die man letztlich doch nur für sich selbst beantworten kann. Sicherlich ist für den wirtschaftlichen Erfolg entscheidend, wenn ein Spiel sich gut verkauft. Für den einzelnen Spieler wird das entscheidende Kriterium sein, wie gut er sich unterhalten fühlt. Für ein Entwicklungsstudio sind beide Aspekte eng verknüpft. Letztendlich kann man über Geschmack nicht streiten. Und je mehr die kulturelle Relevanz unseres Mediums offenbar wird, desto augenscheinlicher wird, wie abwegig Zahlenwertungen für Spiele sind. Unsere Industrie ist geradezu besessen von Zahlenwertungen für Spiele und die Ursache hierfür liegt in dem Wunsch, die Qualität und Erfolg eines Titels objektiv bewerten zu können. Das ist jedoch unmöglich.

Spielen deutsche Spieler denn anders als Gleichgesinnte in anderen Ländern?

Ja, bestimmt gibt es lokale Unterscheide, was die Akzeptanz der einzelnen Genres angeht. Das liegt an den verfügbaren Plattformen, auf denen gespielt wird und an Vorlieben. Ohne verlässliche Stastiken zu haben, glaube ich, dass wir in Deutschland einen höheren Anteil an Aufbaustrategen treffen als zum Beispiel in den USA.

Welches ist aus Ihrer Sicht das beste Spiele aller Zeiten und warum?

So eine Frage kann ich nicht wirklich beantworten, dazu liebe ich einfach zu viele Spiele.

Hier geht's zum Gewinnspiel rund um Spec Ops: The Line.

loc/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig

Spec Ops: The Line: Videospiel zerstört Dubai » Medien » Unterhaltung

URL : http://www.news.de/medien/855331917/spec-ops-the-line-videospiel-zerstoert-dubai/1/