Kunst Unterwasseroper wird in der Elbe uraufgeführt

Unterwasseroper wird in der Elbe uraufgeführt (Foto)
Unterwasseroper wird in der Elbe uraufgeführt Bild: dpa

Dresden - Wie klingt eine Stimme unter Wasser? «Wie Walgesang oder der Gesang von Sirenen», sagt die Mezzosopranistin Claudia Herr. Als die frühere Leistungssportlerin im Schwimmen eines Tages in Berlin in ein Jugendstilbad ging, fand sie schnell den Bezug zu ihrer Profession.

«Das Bad erinnerte mich an die Oper», erzählt die 40-Jährige. Und so war die Idee einer Unterwasseroper rasch in trockenen Tüchern. Zu Beginn ihrer sängerischen Unterwasserkarriere hatte Herr mit einem Schlagwerker probiert, jetzt ist ihr Traum ein ganzes Orchester. «Dafür müssten die Instrumente aber erst erfunden werden.»

Bei ihrem neuesten Projekt agiert die Künstlerin zumindest schon in Quartett-Besetzung. Am 10. August hat das submarine Musiktheater «Aguaria_Palaoa - Das Alter der Welt II» in der Elbe in Dresden seine Uraufführung. Auch für Claudia Herr ist das eine besondere Premiere. Denn noch nie hat sie in einem Fließgewässer gearbeitet, sprich gesungen. Zu ihrem Gesang und dem gleichfalls im Wasser postierten Schlagwerk kommen noch die natürlichen Geräusche der Elbe hinzu. «Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat uns gesagt, dass Kieselgeräusche zu hören sind», sagt Kay Pyta, Intendant des Kunstfestivals ORNÖ, in dessen Programm die Unterwasseroper aufgeführt wird.

Auch ein historischer Dampfer schaufelt sich bei der Premiere durch die Kulisse. Begleitet wird Herr in der Rolle der Jungen Frau von Profi-Tauchern und Monoflossen-Schwimmern. Cello, Tuba und Trompete bleiben am Ufer, auch der Chor der Robben muss nicht abtauchen. Dafür befindet sich Claudia Herr zeitweilig komplett unter Wasser. Via Kamera und Unterwassermikrofon wird der Wassergesang ans Ufer übertragen. Ein Schlagwerker trommelt direkt in den Fluten. Damit keiner der Protagonisten abtreibt, werden sie an Sicherungsseilen auf Kurs gehalten. Immerhin fließt die Elbe an dieser Stelle mit zehn Stundenkilometern vorbei.

Die Spielfläche ist etwa vier Fußballfelder groß. Claudia Herr will die Bühne voll ausnutzen. Sie singt direkt in ihr Atemgerät. «Wasser verändert den Klang, das ist eine ganz andere Welt», erklärt die einstige Rückenschwimmerin fasziniert. «Für mich ist das die ideale Symbiose.» Die Wasseroper selbst erzählt von der Suche nach dem Lebenselixier, dem Wasser des ewigen Lebens. Neben der Jungen Frau und der Alten Frau spielt auch ein Schwertwal namens Schwermut mit. Herr spricht vom Jugendwahn, der heute schon 40-Jährige in die Krise stürzt. «Das ist so lächerlich wenn man an das Alter der Erde denkt.» Das Archaische ist in der Oper durch den Robben-Chor vertreten. Als Vorlage dienten Weddellrobben - die Überlebenskünstler der Antarktis.

Intendant Pyta sieht das Stück um Natur und Naturgewalten auch in Beziehung zur Jahrhundertflut an der Elbe vor zehn Jahren. Damals verließ der Fluss sein angestammtes Bett und sorgte in Sachsen für schwere Verwüstungen und menschliches Leid. «Die Elbe hat die Landschaft geformt und sie auch 2002 verändert.» Pyta hofft nun, dass weder Hoch- noch Niedrigwasser die Aufführung gefährden. Das Publikum soll auch bei einem Flussfeuerwerk auf seine Kosten kommen. Den Theaterspruch «Hals- und Beinbruch» hat Pyta für seine Akteure abgewandelt. «Wir sagen einfach: Und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.»

news.de/dpa

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