«Diablo III» Hier friert die Hölle nie zu

Wilde Schlachten um die Vorherrschaft zwischen Gut und Böse. In der Spielebranche ist das Thema ein alter Hut. Trotzdem bleibt Diablo III mit diesem Konzept ein erfolgreiches Spiel - obwohl deutlich mehr drin gewesen wäre. News.de verlost das Spiel.

«Diablo III»: Unterwegs im Fegefeuer
zurück Weiter Mehr als zehn Millionen Spieler: Diablo III gehört zu den erfolgreichsten Spielen des Jahres 2012. (Foto) Zur Fotostrecke Foto: Blizzard Entertainment

Ein Engel fällt vom Himmel - und es entbrennt ein wilder Kampf zwischen den Kräften des Guten und des Bösen. Das klingt nach Kitsch, wenig einfallsreichem Kitsch. Doch in der Videospielbranche ist und bleibt es das ein Erfolgskonzept. Blizzard Entertainment hat mit dem Videospiel Diablo III eine Punktlandung hingelegt. Beim Internetversandhändler Amazon steht das Spiel seit geraumer Zeit in den Top 10 der Verkaufscharts. Mehr als zehn Millionen Spiele wurden verkauft, zusätzlich zu jenen, die Spieler für ein Jahresabonnement des MMORPG-Klassikers World of Warcraft kostenlos bekamen.

Doch es ist nicht die Story, die Fans der Diablo-Reihe und Neulinge im Genre der Action-Rollenspiele mit Schwerpunkt auf Hack & Slay fasziniert. Blizzard Entertainment hat um die Spielereihe in den vergangenen Jahrzehnten einen regelrechten Kult etabliert. Düstere Dämonen, heroische Kämpfe, und spielerische Herausforderungen, weil die Computergegner sich heftig zur Wehr setzen. Andererseits ist es das solide Spielvergnügen, bei dem eine Session allein, unter Freunden oder gar im weltweiten Online-Modus keine Zeit lässt wahrzunehmen, wie die Zeit vergeht.

Kein Wunder also, dass allein am Erstverkaufstag Ende Mai mehr als 3,5 Millionen Exemplare des Spiels verkauft wurden. Inzwischen ist die Zahl der Spieler auf mehr als 6 Millionen gestiegen. Und das, obwohl Diablo III keine echten Neuheiten zu bieten hat. Ein Zustand, den Spieler selten goutieren. Und noch weniger die Gamer-Magazine, die zum Teil dennoch Wertungen um die 90 Prozent abgegeben haben. Allerdings nicht ohne deutliche Kritik: Es mangele an Innovationen, versprochene neue Features blieben aus.

Spielerfolg gegen harte Währung

Eine der wenigen Ausnahme ist des Echtgeld-Auktionshaus, über das Spieler virtuelle Gegenstände für ihre Charaktere erwerben und verkaufen können. Das Prinzip ist unter europäischen Spielern durchaus umstritten. Harte Währung gegen Erfolg im Spiel - unter asiatischen Spielern ist diese Vorgehensweise längst üblich. Hierzulande jedoch kratzt es bisweilen an der Ehre jener, die Erfolg über Leistung definieren.

Zumindest aber bleibt den Spielern die Wahl. Und genau das ist einer der Gründe, warum Diablo III sich auf dem Markt behaupten kann. Die vier Schwierigkeitsstufen stellen eine enorme Herausforderung dar. Profis wie Einsteiger müssen die leichtes Variante gleichermaßen spielen. Erst wenn Höllenfürstin Diablo zum ersten Mal besiegt wurde, werden viele weitere Funktionen des Spiels freigeschaltet: Hochwertige Rüstungsgegenstände lassen sich erst erstellen und finden, wenn die erste Herausforderung gemeistert ist, die Widerstandskraft der Gegner wird auf Gruppenteilnehmer und Fähigkeiten abgestimmt.

Hinzu kommt: Die Geländekarten, auf denen gezockt wird, sehen sich zwar ähnlich, doch der Spieler weiß nie so genau, wo das Ziel einer einzelnen Aufgabe zu finden ist oder wo plötzlich ein Schatzgoblin auftaucht, dessen schwerer Rucksack sich nur nach einer Parade heftiger Prügelattacken, Schläge und Effekte leert.

Rückzug und neuer Angriff

Zur Abwechslung ist es im Genre der Hack & Slay-Spiele ganz nett, keinen sauberen Durchmarsch vom Anfang zum Ende des Spiels hinzulegen. Mehr als einmal sehen sich selbst Profi-Spieler mit ihrem virtuellen Ableben konfrontiert. Es ist erfrischend, nicht ständig mit Waschlappengegnern und Einzelkämpfern konfrontiert zu sein. Dämonen, Untote, Skelette und anderes Figurentheater tauchen in der Regel in Gruppen, wenn nicht gar in Horden auf, kennen kein Pardon beim Einsatz von Schadenseffekten und selbst weglaufen wird in Diablo III keinesfalls als erfolgreiche Spielstrategie etabliert. An diversen Gegner kommt nur vorbei, wer sich clever immer wieder zurückzieht, Kraft tankt und den nächsten Angriff startet.

«Diablo III»: Auf den Spuren der Höllenfürstin
Video: YouTube

Wer jedoch nicht nur auf Leistung setzt, sondern auch auf Story, dem fehlt spätestens nach der Schwierigkeitsstufe «Hölle» dann doch die Abwechslung. Zwar tauchen hier und da neue Quests und Kampfebenen auf, doch insgesamt bleibt Diablo III so geradlinig, dass mancher Spieler keine Lust darauf hat, sich die Dialoge und Kommentare der zentralen Charaktere wieder und wieder anzuhören.

Wer sich davon nicht stören lässt und tatsächlich auf Schwierigkeitsstufe «Inferno» in den Reigen des Gemetzels einsteigt, der braucht dagegen starke Nerven: Langeweile? Die kommt bei diesen hammerharten Anforderungen nicht auf. Brachiale Gegner sorgen für ernsthafte Verzweiflung - die bei vielen Spielern im Auktionshaus des Spiels endet, um endlich eine Rüstung zu erwerben, die dem Avatar den Hals rettet.

Schwacher Sound und starke Grafik

Vielleicht ist das auch ein Grund, warum Diablo III zwar im Auge bleibt, aber leider nicht im Ohr. In Sachen Sound haben sich die Entwickler nicht mit Ruhm bekleckert. Die Dialoge sind zwar gut vertont, einen musikalischen Ohrwurm sucht der audiophile Spieler aber vergebens, selbst das geringste bisschen Melodie will nicht im Gehörgang bleiben. Betrüblich.

Da fallen grafische Feinheiten schon eher auf. Die düsteren Szenarien in Kellern, Höhlen und brennenden Ruinen fangen die Stimmung perfekt ein. Oft ist dabei auf dem Bildschirm nicht viel mehr zu sehen, als eine kleine Fläche rund um den Avatar. Überraschungsangriffe von virtuellen Gegnern bleiben so überraschend. Visuelle Abwechslung bieten die kargen Wüstenlandschaften. Die Show stehlen allerdings die Höhenlagen - sei es von Lagern hinab auf Städte, aus dem Wolkentempel auf die Erde oder von Brücken in die Tiefe von Höllenkratern. In solchen Momenten vergisst ein Spieler schonmal die gemetzelhungrigen Gegner.

Fazit: Von den Überraschungen und kreativen Einfällen, für die die Entwickler bei Blizzard Entertainment eigentlich bekannt sind, ist in Diablo III tatsächlich wenig wahrzunehmen. Es scheint, als wären die Spielmacher in eine konservative Phase geraten, in der sie lieber gewohnt gut, aber nicht - finanziell riskant - innovativer Vorreiter sein wollen.

Im Schlaf ist das Action-Rollenspiel trotzdem nicht zu meistern. Vor allem in Gruppenspielen offenbart sich die Angriffskraft der Gegner. Dumpfes Niedermetzeln führt zwar - irgendwann - auch zum Erfolg. Wer sich aber mit seinen Mitspielern abstimmt und gezielt strategisch relevant Spielfiguren aufs Korn nimmt, der kann sich zu häufiges Ableben ersparen.

Die kontroverseste Debatte um Diablo III wird jedoch der Online-Zwang des Spiels bleiben. Dafür haben nicht zuletzt Verbraucherschützer gesorgt, die massiv Kritik daran übten, dass die Notwendigkeit einer Internetverbindung auf der Verpackung des Spiels nur unzureichend gekennzeichnet sei. Der eigentliche Ärger ist und bleibt aber die Tatsache, dass Blizzard - wie auch viele Branchenkonkurrenten - den Spielern nicht die Wahl lässt, ob sie die ständige Netzverbindung aufrecht erhalten wollen. Denn leider sorgen Verbindungsstörungen bisweilen dafür, dass die Spielercharaktere unvorhergesehen einfach auf andere Positionen springen. Viel ärgerlicher ist aber, dass sich per dauerhafter Verbindung durchaus Spielverhalten und Spieldauer aufzeichnen lassen.

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Titel: Diablo III
Genre: Action-Rollenspiel
Publisher: Blizzard Entertainment
Entwickler: Blizzard Entertainment
Preis: zirka 50 Euro
Sprache: Deutsch
USK: freigegeben ab 16 Jahre
Altersempfehlung der Redaktion: ab 16 Jahre
Plattform: PC/Mac
Veröffentlichungsdatum: bereits erschienen
Weiterspielen: Diablo II (PC/Mac)

loc/news.de

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