Leute Vom «Superstar» zur Beamtin auf Probe: Elli Erl

Vom «Superstar» zur Beamtin auf Probe: Elli Erl (Foto)
Vom «Superstar» zur Beamtin auf Probe: Elli Erl Bild: dpa

Düsseldorf - Bye-bye wildes Künstlerleben, willkommen im geordneten Dasein. Die Sängerin Elli Erl wurde zum Castingstar mit Millionenpublikum, das war 2004.

Damals gewann sie als erste und bislang einzige Frau die RTL-Show «Deutschland sucht den Superstar» (DSDS).

Heute, mit 33 Jahren, ist die burschikose Musikerin nach Jahren des unsteten Lebens in einer bürgerlichen Existenz angekommen. Erl ist Lehrerin an einer Realschule in Düsseldorf. Und zwar mit Begeisterung.

«Ich hab' alles für mich richtig gemacht», sagt der gereifte Castingstar mit Nachdruck. Die Lehrerin für Sport und Musik trägt eine große schwarze Brille auf der Nase, die Haare sind blond und kurz. Als die junge Frau mit der Riesenstimme, damals noch mit knallroten Haaren, im Alter von 24 Jahren «DSDS» gewann, begann der Rummel mit Musik, Auftritten, Interviews. «Man hat das gar nicht mehr im Griff», sagt sie im Rückblick. «Ich war total überwältigt.»

Aber Elisabeth «Elli» Erl aus Straubing in Niederbayern war damals schon Lehramtsstudentin. Die heutigen «DSDS»-Stars sind jünger, oft zu jung, kritisiert sie. Das erste Staatsexamen hat die energiegeladene Musikerin dann trotz des Glamour-Lebens, trotz Auftritten und Showverpflichtungen noch gemacht. Und dann fünf Jahre nur von der Musik gelebt. Da war sie schon längst nach Köln gezogen, obwohl sie eigentlich ihr Leben in Bayern verbringen wollte.

Dann kam der 30. Geburtstag. Die Eltern in Niederbayern drängelten, ihr Kind solle die Ausbildung fertig machen. «Diesen Arschtritt habe ich ein bisschen gebraucht», gibt die Tochter eines Realschullehrers zu. Und es sei schon sehr schwer, nur von selbst komponierter Musik zu leben.

Jetzt ist Erl Lehrerin, seit Februar «Beamtin auf Probe» - mit einem durchgetakteten Tagesablauf: Der Wecker klingelt um 5.35 Uhr, eine Stunde später geht es in einer Fahrgemeinschaft nach Düsseldorf, um 8 Uhr schlägt der Gong zur ersten Stunde.

Ihren Schülern musste die neue Lehrerin erst einmal beibringen, dass sie nicht «die Elli» sondern «Frau Erl» ist. Sie musste sich da «reingrooven», sagt sie. Und man glaubt sofort, dass der Castingstar sich auch im Klassenzimmer durchsetzen kann. In einer 8. Klasse hat sie gerade Hip-Hop in allen Facetten durchgenommen. Dann sollten Schüler Superstars von heute und gestern vergleichen. Es ging um Michael Jackson und Wolfgang Amadeus Mozart: beide Wunderkinder mit verlorener Jugend, strengen Vätern und frühem Tod.

Aus dem Musikerleben hat Elli Erl sich nicht verabschiedet - das ist nun etwas für die Freizeit. «Ich pack mir die Ferien schön voll», sagt sie und verschränkt ihre Arme mit den bunten Tattoos. Im Sommer fährt sie mit dem Auto zu einer befreundeten Musikerin nach England. Später geht es ins Studio. Natürlich in den Herbstferien.

Elli Erl

news.de/dpa

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