«Fifty Shades of Grey» Sado-Maso-Roman bricht alle Tabus

Besuch im Sadomaso-Studio
Latex, Peitsche und Schläge

Es geht um Fesselspiele, Dominanz und Gertenhiebe: Der Erotik-Roman Fifty Shades of Grey ist in den USA ein Megabestseller geworden. Millionen Frauen verschlingen lustvoll die Geschichte vom harten Sex. Jetzt erscheint der SM-Roman mit dem Titel Geheimes Verlangen in Deutschland.

Der Erfolg hat viele Zahlen: Auf dem ersten Platz der US-Bestsellerliste von Publishers Weekly steht der erste, auf dem zweiten Rang der zweite und auf dem dritten der dritte Teil der Roman-Trilogie. Platz vier: Der Sammelband der drei Bücher.

Zehn Millionen Exemplare wurden allein vom ersten Buch verkauft - und es geht weiter. Die Rede ist von Fifty Shades of Grey, einem Buch, das es vom Internet-Forumseintrag zum Weltbestseller brachte und das selbst Harry Potter in den Schatten stellte. Das Besondere: Die Bücher bieten Erotik - harte Erotik. In Deutschland bringt Goldmann das erste Buch der Reihe am kommenden Montag, 9. Juli 2012, unter dem spröden Titel Geheimes Verlangen auf den Markt.

Die ersten Geschichten von E. L. James (49) über «Bondage, Dominance, Sadism, Masochism» (Fesselung, Dominanz, Sadismus, Masochismus) erschienen in einem Internetforum. Als die Texte für deren Leser zu heiß wurden, stellte die Schottin - das E. L. steht für ihren richtigen Namen Erika Leonard - sie auf ihre eigene Website. Ein findiger Verleger veröffentlichte die Story schließlich als digitales E-Book für Lesegeräte wie den Kindle. Das war im Mai 2011. Nicht einmal ein Jahr später hatte es sämtliche Bestseller von den vorderen Plätzen geworfen.

Das Gegenteil von Blümchensex

Es geht um die junge Anastasia, 21 Jahre alt und noch Jungfrau. Sie trifft den gut aussehenden Milliardär Christian Grey und verfällt ihm sofort. Was dann folgt, ist das genaue Gegenteil von Blümchensex. Anastasia und Christian probieren so ziemlich alles aus. Oder besser gesagt: Er probiert es an ihr aus. Fesseln, erniedrigen, schlagen, besitzen.

Von der Trilogie wurden allein in den USA und Kanada 15 Millionen Bücher verkauft. In Großbritannien wurden mit den drei Bänden in der vergangenen Woche laut BBC fast zwei Millionen Pfund umgesetzt - mehr als mit den 50 folgenden Romanen der Bestsellerliste zusammen. Dan Browns Das verlorene Symbol, Joanne K. Rowlings Harry Potter - immer wieder wurden deren Rekorde von einem Buch durchbrochen, das es anfangs nur als Geschichtchen in einem nicht ganz ernst genommenen Forum gab. Und die Filmrechte sind auch längst verkauft.

Ein Teil des Erfolgs: E-Books und Lesegeräte. «Frauen können erotische Literatur nun überall auf ihre Kindles, Nooks und iPads laden, ohne dass der muskulöse Schönling mit dem zerrissenen Hemd auf dem Buchdeckel sie verrät», schrieb die Kolumnistin Maureen Dowd in der New York Times. Niemand brauche mehr im Buchladen heimlich zu fragen oder in der U-Bahn den Deckel schamvoll mit einer Zeitung abzudecken. Und in der Tat: Gerade bei den elektronischen Büchern werden Rekorde gemeldet. So war Fifty Shades laut Amazon das erste E-Book, von dem in Großbritannien mehr als eine Million gekauft wurden.

Hausfrauenporno oder emanzipierte Lust?

Es ist längst vorbei mit heimlich. Noch immer weigern sich viele US-Büchereien zwar, das Buch anzubieten. Aber die, die es haben, haben lange Wartelisten. Publishers Weekly verzeichnete diese Woche zwar zum ersten Mal einen leichten Umsatzrückgang, doch bis dahin war der Verkauf monatelang immer nur gestiegen, gestiegen, gestiegen. Und demnächst gibt es auch Nachthemden und Reizwäsche im Fifty Shades-Style - wie immer der aussehen mag.

Geheimes Verlangen ist bei Amazon schon auf Platz 1 bei den Vorbestellungen, Goldmann startet mit einer Auflage von 500 000 Exemplaren. Ob es auch in Deutschland der große Erfolg wird, ist unklar. Schließlich können deutsche Frauen sich etwas einfacher und offener mit erotischen Geschichten versorgen als Frauen in den prüden USA, wo das Buch auch gerne als «Hausfrauenporno» verspottet wird.

In den USA wird sonst jedes auch nur ansatzweise obszöne Wort im Fernsehen nicht nur mit einem Piepton überblendet. Es werden dann sogar die Lippen gepixelt - taube Menschen könnten ja sonst den Fluch von den Lippen lesen. Jetzt aber wird in Talkshows offen über harten Sex und Fesselspiele diskutiert - bisweilen noch etwas verschämt oder betont sachlich, aber immerhin.

Doch es gibt auch Menschen, die mit dem Buch nichts anfangen können. Auch einer der mächtigsten Männer der Welt ist darunter. Auf die Frage, welcher umstrittene Roman auf den Nachttischen von Millionen Frauen liege, antworte US-Präsident Barack Obama in der Sendung The View: «Ich habe keine Ahnung.» Das Publikum lachte und Obama fügte - bewusst oder unbewusst - genau das Richtige hinzu: «Ich werde Michelle fragen, wenn ich zu Hause bin.»

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boi/news.de/dpa

Leserkommentare (7) Jetzt Artikel kommentieren
  • marius mar
  • Kommentar 7
  • 08.07.2012 05:13
Antwort auf Kommentar 6

was wäre denn mit diesem thema : wenn Anastasia zum beispiel Marius heißen würde? und vielleicht 30 jahre älter? noch

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  • Amanda
  • Kommentar 6
  • 06.07.2012 23:37

Fesseln, erniedrigen, schlagen, besitzen. Das muss ja schick und erregend sein! In den Psychiatrien werden Menschen behandelt, denen Leute mit solchen Neigungen Schlimmes zugefügt haben, oder sie kommen ins Gefängnis, weil sie Schlimmes angerichtet haben. Aber verkaufen kann man das ja mal. Mit dem entsprechenden hype muss sich doch daraus auch noch Geld machen lassen. Leute lauft und kauft, stopft Euch den Kopf voll mit solchem Zeug, weil das hilft Euch, Euer Leben aufregend zu gestalten. Weil Ihr nicht in der Lage seid, Sexualität zu genießen, braucht Ihr dringend Verschärfung. Stöhn Ächz

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  • Der immer seinen Nickname vergisst
  • Kommentar 5
  • 06.07.2012 20:30
Antwort auf Kommentar 1

In der US-Gesellschaft gibts soviele Faktoren, die dem Erfolg ausmachen können : Überreligiosität, immer noch rückständige Sexualmoral des Bürgertums, die stetige finanzielle Glückssuche (=männl. Protagonist ist Millionär) usw. Ob in D je Verklemmtheit vorherrschte ? Doch eher die strenge Moral des Kaisertums, weitergeführt von den Nazis, in Abgrenzung zum franz. "Erbfeind" ! Ob es hier ein Erfolg wird ? Die vier dämlichen Kühe von SATC waren doch jahrelang populär, die Teenager hängen an den Lippen von Vampiren und Fabelwesen.Es ist eine reine Auslegungsfrage : Liberalität oder Dekadenz !

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