Zum Tourauftakt Madonna zeigt Berlin den Stinkefinger

Pop statt Fanmeile: Während Millionen Fans das EM-Halbfinale gucken, gibt Madonna vor 13.000 Fans in Berlin ihr erstes Konzert in Deutschland. Der 53-jährige Superstar überzeugt mit grandioser Performance, wirkt manchmal aber auch wie die eigene Karikatur.

Da bebte die Mehrzweckhalle: Mit einer Show der Superlative hat Madonna in Berlin ihr erstes von drei Deutschland-Konzerten gegeben. Die Pop-Queen stellte am Donnerstagabend in der O2-World vor über 13.000 Fans ihr neues Album MDNA vor. Ein Großteil des Publikums war von der energiegeladenen und teils überdrehten Performance der 53-Jährigen begeistert - wenngleich manch einer auch ganz gerne das EM-Halbfinalspiel Deutschland gegen Italien gesehen hätte.

Das lief nämlich parallel zum ausverkauften Auftritt des US-Superstars. Von der schmachvollen Niederlage der deutschen Elf erfuhren viele erst nach dem Musikspektakel. Fernseher zur Live-Übertragung waren in der Halle, außer in den VIP-Logen, nicht aufgestellt. Viele informierten sich während des Konzerts per SMS über die Zwischenstände in Warschau.

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Konzert, das ist eigentlich der falsche Begriff. Mit den opulenten Bühnenbildern, Lichteffekten, Film-Einspielungen und ganzen Brigaden von Tänzern gleicht Madonnas Show längst mehr einem Musical. Der gewaltige Sound fegte wie ein Tornado durch die Arena: Hörschaden nicht ausgeschlossen. Dazu Madonna mal im hautengen Lederkostüm, mal im weißen Girlie-Kostüm - durchtrainiert und stets in sexy Pose: Wird diese Frau, eine vierfache Mutter, eigentlich irgendwann mal älter?

«I love you too», rief sie ihren jubelnden Fans zwischendurch zu. Skandale wie in Istanbul blieben aus. Dort hatte Madonna neulich ihren Busen entblößt, wohl als Affront in einem Land, in dem der Islam mit seinem Frauenbild wieder stärker in die Gesellschaft vordringt. In Berlin musste da ein kleiner Stinkefinger reichen. Vor allem will Madonna aber Party machen als gäbe es kein morgen. Und deshalb dominieren bei MDNA wieder die Spezial-Effekte und elektronischen Klänge - wie schon bei Hard Candy (2008) und Confessions On A Dancefloor (2005).

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Die Begeisterung über das nunmehr zwölfte Studioalbum der Amerikanerin hielt sich deshalb bisher in Grenzen. Richtig Stimmung kam auch in der O2-World eher dann auf, wenn Madonna alte, melodische Hits wie Express Yourself oder Into The Groove anstimmte. Das technoiden Disco-Gestampfe scheinen sich selbst eingefleischte Fans mittlerweile überhört zu haben.

Andere brachte die Terminüberschneidung mit dem EM-Halbfinale in Bedrängnis: Beim Verkaufsportal Ebay waren Madonna-Karten für nur einen Euro zu haben - sonst kostete der Eintritt bis zu 200 Euro. Während des Auftritts ging Madonna auf das Fußballspiel nicht ein, dabei ist die Pop-Queen, die schon mehr als 300 Millionen Tonträger verkauft hat, immerhin Tochter eines italienischen Einwanderers.

Am Samstag tritt Madonna ein zweites Mal in der O2-World auf, am 10. Juli singt sie in Köln. Vermutlich wird es wieder sehr laut werden, es sei denn, jemand zieht bei der Show der Superlative mal versehentlich den Stecker. Aber Madonna unplugged? Unvorstellbar!

rut/boi/news.de/dpa

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