Film Marcus Vetter sieht «Cinema Jenin» als ein Wunder

Marcus Vetter sieht «Cinema Jenin» als ein Wunder (Foto)
Marcus Vetter sieht «Cinema Jenin» als ein Wunder Bild: dpa

Tel Aviv - Das vor fast zwei Jahren eröffnete Kino «Cinema Jenin» im Westjordanland ist für den Mitbegründer Marcus Vetter immer noch «wie ein Wunder».

Dennoch zieht der deutsche Regisseur eine gemischte Bilanz des bisher Erreichten.

«Ich hatte gehofft, es geht schneller», sagte Vetter im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Sein neuer Dokumentarfilm über das schwierige Projekt kommt am 28. Juni in die deutschen Kinos.

Vetter hat «Cinema Jenin» gemeinsam mit Ismail Chatib aufgebaut, dem wichtigsten Protagonisten seines ersten Dokumentarfilms «Das Herz von Jenin». Chatib hatte die Organe seines 2005 von israelischen Soldaten getöteten elfjährigen Sohns in einem Akt der Größe an israelische Kinder gespendet. «Ismail ist ein toller Mensch», sagte Vetter. «Es gibt so viele wunderbare Menschen in Dschenin.» Er sei sich sicher gewesen, dass viele einen ähnlichen Weg der Versöhnung gehen würden wie Chatib.

Die Wiedereröffnung des während des ersten Palästinenseraufstands (Intifada) 1987 geschlossenen und später verfallenen Kinos in Dschenin sei Ergebnis einer «Schnapsidee» von ihm und Chatib gewesen. Ziel sei es weiterhin, den Menschen in der gewalttätigen Region mit Hilfe der Kultur eine neue Perspektive zu geben. Seit der Eröffnung des Kinos im August 2010 habe man aber mit vielen Problemen zu kämpfen gehabt.

«Als das Geld kam, fingen die Probleme an», sagte Vetter. Es habe Eifersüchteleien zwischen den verschiedenen palästinensischen Mitarbeitern und Versuche der Vetternwirtschaft gegeben. Insgesamt sei fast eine Million Euro in das Projekt geflossen, einer der wichtigsten Spender ist das deutsche Auswärtige Amt. Inzwischen seien auch alle Schulden abgetragen, man brauche aber noch Unterstützung für die laufenden Kosten.

Vetter will das Projekt weiter unterstützen, aber nicht mehr von vor Ort. «Ich bin Filmemacher, ich habe das Kino aufgebaut, jetzt muss Dschenin selbst bestimmen, was das für ein Kino wird», sagte er. Das Lichtspielhaus sei mit modernster Technik ausgestattet, um möglichst vielen Zuschauern auch internationale Filme näher zu bringen. Ungeachtet aller Schwierigkeiten sei er optimistisch: «Es ist der richtige Weg.»

Gespräch: Sara Lemel, dpa

news.de/dpa

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