Fernsehen Sergiu Celibidache - das Wesen der Musik

Berlin - Es soll ja Leute geben, die sich nicht für Fußball interessieren - und wenn die zurzeit fernsehen wollen, haben sie es schwer: Wiederholungen über Wiederholungen sowie Zweitklassiges präsentieren die Sender wenig überzeugend als Gegenprogramm zu den EM-Spielen.

Sergiu Celibidache - das Wesen der Musik (Foto)
Sergiu Celibidache - das Wesen der Musik Bild: dpa

In diesen Sporttagen schlägt die Stunde kleiner feiner Anstalten wie Arte, die immer wieder interessante, wenn auch recht spezielle Dokumentationen aus dem Hut zaubern. An diesem Mittwoch, parallel zur zweiten Halbzeit des EM-Halbfinales Portugal - Spanien, zeigt der deutsch-französische Kultursender den Film «Sergiu Celibidache - das Wesen der Musik» (21.45 Uhr).

Der rumänisch-stämmige Dirigent, der als Wahl-Deutscher auch einen deutschen Pass hatte, gehörte zu den größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Er starb 1996 im Alter von 84 Jahren; am Donnerstag wäre sein 100. Geburtstag.

Obwohl Berlin Celibidaches ursprüngliche musikalische Heimat und Ausbildungsstätte war, überwarf er sich mit den Philharmonikern in der Hauptstadt - nicht zuletzt, weil Herbert von Karajan und nicht er ordentlicher Chefdirigent wurde - und wurde nach Gastspielen in zahlreichen Ländern Chef in Stuttgart und München. Bei den Münchner Philharmonikern hatte er den Posten des Generalmusikdirektors von 1979 bis zu seinem Tod inne.

Doch das sind nur die groben Randdaten des Lebens eines Menschen, der ein begnadeter Musiker mit vielen, auch widersprüchlichen Facetten war, wie die Dokumentation des Filmemachers Norbert Busè zeigt. «Impulsiv und intellektuell, überschäumend und akribisch, gnadenlos und gütig», so beschreibt Arte den Maestro im Pressetext.

So begibt sich Busè auf die Spurensuche nach dem Wesen Celibidaches. Er filmt in Rumänien, Deutschland und Frankreich und trifft dessen Schwester und dessen Sohn Serge, der selbst ein Filmporträt über den Vater geschaffen hat, das in Ausschnitten in dieser Doku als Fernsehpremiere gezeigt wird. Außerdem lässt Busè Weggefährten von Celibidache zu Wort kommen, darunter Daniel Barenboim.

«Es ist das Porträt eines Dirigenten, der wie kaum ein anderer Analyse und Leidenschaft, Rücksichtslosigkeit und Anteilnahme vereinte - ein Maestro furioso», bewirbt Arte die Dokumentation. Zumindest wird in dem 55-minütigen Film deutlich, dass Celibidache ein außergewöhnlicher Musiker und Mensch war, ein positiv besessener, der stets nach der Vervollkommnung seiner Kunst strebte.

Arte-Infos zur Doku

news.de/dpa

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