Film Stummfilm «Die Weber» mit neuer Orchestermusik

Stummfilm «Die Weber» mit neuer Orchestermusik (Foto)
Stummfilm «Die Weber» mit neuer Orchestermusik Bild: dpa

Augsburg - Niedrige Arbeitslöhne, Hunger und Elend: Als «Die Weber» noch weniger Geld bekommen sollen, proben sie den Aufstand. Die Filmversion des Hauptmann-Dramas gibt es jetzt restauriert und mit neuer Orchestermusik.

Am Sonntag ist Uraufführung in Augsburg.

Musik beeinflusst die Stimmung eines Films entscheidend - besondere Bedeutung bekommt sie in Stummfilmen. Jüngstes Beispiel dafür ist die neue Orchestermusik für «Die Weber» von Regisseur Friedrich Zelnik. Komponist und Dirigent Johannes Kalitzke hat für das Werk aus dem Jahr 1927 Zeitgenössisches mit historischen Elementen versetzt - als Auftragsarbeit des Augsburger Theaters. An diesem Sonntag (24. Juni) gibt es die Uraufführung in der dortigen Brechtbühne. Nicht nur die Musik ist neu, auch der Film selbst kommt frisch aus der Restaurierung. Die Wiesbadener Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung hat ihn digital bearbeitet.

Der Film nach dem Stück von Gerhart Hauptmann - seit Generationen Pflichtlektüre im Schulunterricht - erzählt vom schlesischen Weberaufstand im Jahr 1844. Durch mechanische Webstühle und billig importierte Baumwolle sind die Arbeitslöhne gefallen. Es herrscht Arbeitslosigkeit und Armut unter den Webern. Der Fabrikant Dreißiger will die Löhne noch weiter drücken - da kommt es zur Revolte.

Bei der Augsburger Aufführung wird die Spielstätte Kino und Konzertsaal in einem. An seinem Dirigentenpult sieht Kalitze den Streifen auf einem kleinen Monitor vor sich - im Gegensatz zu den Augsburger Philharmonikern. «Die sollen gar nicht auf den Film schauen, sonst verspielen sie sich», sagt er. Die Zuschauer sehen «Die Weber» auf einer großen Leinwand. Die Koproduktion zwischen Theater, Murnau-Stiftung, ZDF und Arte läuft am 28. August auf Arte.

«Der Film wurde schon einmal 1982 restauriert - aber mit den jetzigen digitalen Möglichkeiten konnten wir eine wesentlich bessere Bildqualität erzielen», sagt Anke Wilkening, bei der Murnau-Stiftung für Restaurierungen zuständig. «Die Schärfe ist jetzt sehr gut und auch der Kontrast ist besser.» In Kopien aus dem Ausland entdeckte die Stiftung einige Zwischentitel, die in der bisherigen Fassung fehlten - sie konnten jetzt ergänzt werden. «Im Film erkennt man sie an der neutralen Schriftart», sagt Wilkening. Die Restaurierung habe inklusive der Materialrecherche ein gutes halbes Jahr gedauert.

Kalitzkes Musik macht den Film noch dunkler und beklemmender. «Es ist musikalisch so inszeniert, als ob es sich um einen einzigen großen Alptraum handelt», sagt der Komponist. Die Kämpfe der Weber liefen buchstäblich musikalisch ins Leere. Er habe keine lediglich untermalende Musik schaffen wollen, die zum Weghören anrege. Filmmusik zu komponieren sei eine ganz besondere Herausforderung: Töne und Einstellungen müssten genau aufeinanderpassen. «So ein Film ist auch ein Korsett - man hat nur ganz wenig Flexibilität», sagt der filmbegeisterte Dirigent.

Ursprünglich habe ihn das Augsburger Theater gefragt, ob er aus den «Webern» eine Oper machen könne. «Das konnte ich mir nicht vorstellen», erinnert sich Kalitzke. Dann sei die Idee aufgekommen, als Alternative zur Oper eine Stummfilmmusik zu schreiben.

Es gehe in dem Film um die Empörung der Menschen über den Geist des Kapitalismus, erklärt Theaterintendantin Juliane Votteler. Statt ihnen die Arbeit zu erleichtern, trieben die Maschinen die Weber in den Ruin, da der Erlös beim Besitzer bleibe. «Diese Entwicklung ist durch die Globalisierung weltweit zum System geworden», sagt Votteler. «Der Kreislauf ist derselbe, nur findet er nun in anderen Dimensionen statt.» Der Stoff passt daher gut nach Augsburg mit seiner Vergangenheit als Textilstadt. Im Mittelalter und 19. Jahrhundert war die Fugger-Stadt von europaweiter Bedeutung für Stoffe und Gewebe.

Infos zu der Aufführung

Die Weber

news.de/dpa

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