Kulturpolitik Jauch und Joop demonstrieren für Plattners Kunst

Jauch und Joop demonstrieren für Plattners Kunst (Foto)
Jauch und Joop demonstrieren für Plattners Kunst Bild: dpa

Potsdam - Es könnte so schön sein: Eine moderne Kunsthalle im Herzen Potsdams. Fußläufig vom Hauptbahnhof, gegenüber dem Landtagsneubau in Gestalt des historischen Stadtschlosses.

Doch die geplante Kunstprojekt des Software-Milliardärs Hasso Plattner hat einen heftigen Streit um den künftigen Standort ausgelöst.

Jetzt melden sich Potsdams Prominente zu Wort und gehen für Plattners Idee auf die Straße. «Es ist mir eine Herzensangelegenheit, auf das hinzuweisen, was Potsdam braucht: Kunst, Kunst, Kunst», so Modedesigner Wolfgang Joop zur Nachrichtenagentur dpa im Vorfeld einer für Montag (19.00) in der brandenburgischen Landeshauptstadt geplanten Demonstration.

Der TV-Moderator Günther Jauch hat dafür sogar seinen Urlaub verschoben. «Hasso Plattner muss erfahren, dass eine überwältigende Mehrheit der Potsdamer sich über sein Engagement unbändig freut», betont der Wahl-Potsdamer. «Ich finde die Aktivitäten einiger weniger, die anscheinend wieder (Schaden)-Freude daran haben, in Potsdam destruktiv tätig zu werden, geradezu beschämend.» Der Moderator - selbst großer Förderer Potsdams - ist wütend. Seite an Seite mit Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), Schauspielerin Nadja Uhl und Regisseur Andreas Dresen will Jauch den großzügigsten Gönner der Stadt umstimmen.

Plattner ist es zu verdanken, dass der Landtag in das wieder aufgebaute Stadtschloss am Alten Markt ziehen wird. 20 Millionen Euro hat er dafür locker gemacht, später schoss er weitere Millionen nach, damit das originalgetreue Kupferdach realisiert werden kann. Im April verkündete der charismatische Unternehmer dann, im Herzen Potsdams eine Kunsthalle errichten zu wollen. Dort will er - mehr ist bislang nicht bekannt - seine private Sammlung mit DDR-Werken zeigen. Einen Eindruck davon vermitteln Objekte, die im Hasso-Plattner-Institut in Potsdam zu sehen sind - beispielsweise von dem 2011 gestorbenen Bernhard Heisig oder von Werner Liebmann sowie Skulpturen von Jan Jastram.

Großem Jubel folgte rasch harsche Kritik. Denn für die Kunsthalle soll ein Hotelkomplex aus DDR-Zeiten am Lustgarten weichen. Diesen will die Stadtspitze schon lange abreißen lassen, doch das Geld fehlt, um den Eigentümer - eine New Yorker Investmentfirma - auszuzahlen. In Plattners Plänen und dessen Finanzkraft witterte OB Jakobs die Chance, die Umgestaltung endlich zu realisieren. Rückenwind gibt es von Anhängern der historischen Mitte Potsdams, zu denen TV-Moderator Jauch zählt.

Sie hatten die Rechnung ohne alteingesessene Potsdamer und linke Kräfte gemacht. Deren Protest fiel teils derart hitzig aus, dass Plattner vergangene Woche überraschend verkündete: Die Kunsthalle entsteht am Stadtrand im Norden. Am Jungfernsee besäße er selbst bereits ein Grundstück, es fehle lediglich die Baugenehmigung. «Ich will die Kunsthalle nicht gegen den Willen eines einzigen Potsdamers errichten», so der Software-Milliardär.

Nun machen die Anhänger des historischen Stadtkerns mobil. Sie haben zum «Aufstand der Vernunft» aufgerufen - und viele Prominente, Politiker sowie Kunstschaffende haben sich angeschlossen. Sie wollen Plattner umstimmen, seine Kunsthalle doch in bester Lage zu errichten. «Wir freuen uns sehr, dass es zu diesem Schulterschluss der Potsdamer gekommen ist», sagt Initiatorin Barbara Kuster von der Bürgerinitiative Mitteschön.

Linken-Politiker Hans-Jürgen Scharfenberg hält die Demonstration für «kein geeignetes Mittel». Aus Sicht seiner Fraktion im Stadtparlament war es ein Fehler, den Standort der Kunsthalle mit dem Abriss des Hotels zu verquicken. «Da haben wir von Anfang an Probleme gesehen.» Die Linken favorisieren darum einen anderen Platz in der Nähe, der nach Ansicht der Stadtspitze aber weniger geeignet ist. «Wir fänden es auch besser, wenn die Kunsthalle in der Innenstadt wäre», so Scharfenberg. «Entscheidend aber ist, dass es sie in Potsdam geben wird.»

Initiative Mitteschön

Hasso-Plattner-Institut

news.de/dpa

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