Fernsehen Der Mann der über Autos sprang

Der Mann der über Autos sprang (Foto)
Der Mann der über Autos sprang Bild: dpa

Berlin - Pilgerreisen sind seit Hape Kerkelings Ausflug unter dem Motto «Ich bin dann mal weg» stark angesagt. Eine Pilgerreise der ganz besonderen Art unternimmt die verschrobene Hauptfigur in Nick Baker Monteys' Spielfilmdebüt «Der Mann der über Autos sprang», das nach der Kinopremiere Mitte 2011 als TV-Erstausstrahlung an diesem Freitag (22.10 Uhr) auf Arte zu sehen ist.

Julian (Robert Stadlober) flieht aus einer geschlossenen Anstalt in Berlin und macht sich auf den Weg nach Bayern, um mit der Kraft des Gehens die Herzerkrankung des Vaters seines besten Freundes zu heilen. Der Freund starb einige Jahre früher bei einem Autounfall, den der damals 19-jährige Julian verschuldet hatte.

Kurz nach seiner Flucht aus der Anstalt gesellt sich die Klinikärztin Ju (Jessica Schwarz) zu dem wie aus der Welt gefallenen Helden in seinem schwarzen Beerdigungsanzug und den hellblonden Wuschelhaaren. Ju leidet an heftigem Burnout, und gibt bisweilen bedeutungsschwangere Sätze von sich: «Mir fehlt mein Herz. Ich habe kein Herz mehr», klagt die Medizinerin, die für ihre eigene Gefühllosigkeit einfach kein Gegenmittel findet. Also versucht sie es mit Wandern - zwischen ihr und dem pilgernden Julian entspinnt sich eine zarte Romanze. Und zu diesem schrägen Duo gesellt sich noch die frustrierte Hausfrau und Mutter Ruth (Anna Schudt), die ihrer Familie abhandengekommen ist.

Wem das zu sehr nach esoterischem Kitsch klingt, hat nicht ganz Unrecht, ist aber trotzdem auf dem Holzweg: Nick Baker Monteys' «Zufuß-Movie» durch die deutsche Provinz kriegt trotz einiger Redundanzen über fast zwei Stunden immer wieder die Kurve, ersäuft nicht in Weinerlichkeit und entwickelt stattdessen seinen ganz eigenen Humor. Dies liegt vor allem an dem großartigen Martin Feifel, der sich als ausgebrannter, ewig fluchender Berliner Kommissar im schrottreifen Dienstwagen auf die Fersen der drei seltsamen Wanderer macht und schöne Kontrapunkte setzt, bevor er dann auf sein eigenes Erweckungserlebnis zusteuert.

Dass der Film bis zum Ende seine Spannung hält, ist aber vor allem das Verdienst von Hauptdarsteller Robert Stadlober («Krabat», «Sonnenallee»), dem die schwierige Gratwanderung zwischen Ernsthaftigkeit und leisem Humor gut gelingt. In keiner Szene gibt er seine Figur der Lächerlichkeit preis, kein falscher Ton kommt von seinen Lippen. Man muss ganz fest von etwas überzeugt sein, dann schafft man auch das schier Unmögliche.

news.de/dpa

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