Kunst Museum der Moderne in Berlin

Berlin - Natürlich sind zehn Millionen für ein öffentliches Bauprojekt eigentlich «peanuts». Aber in Berlin bringen sie ein Großprojekt ins Rollen, von dem die Kunstszene seit Jahren träumte.

Museum der Moderne in Berlin (Foto)
Museum der Moderne in Berlin Bild: dpa

Endlich soll die Bundeshauptstadt ein «Museum des 20. Jahrhunderts» bekommen und so mit Metropolen wie New York, Paris und London mithalten können. Auslöser ist ein vertracktes Geschenk. Das Sammler-Ehepaar Pietzsch hatte dem Land Berlin Ende 2010 seine weltberühmte Sammlung moderner Kunst vermacht - vorausgesetzt, die Werke würden öffentlich gezeigt. «Wir wollen nicht, dass ein Miró zehn Jahre lange im Keller steht», sagte der damals 80-jährige Heiner Pietzsch.

Jetzt soll die Gemäldegalerie am Kulturforum Potsdamer Platz freigeräumt und für die Sammlung umgebaut werden. Dass die Haushälter des Bundestags am Dienstag völlig überraschend zehn Millionen Euro für das Projekt lockermachten, dürfte vor allem auf Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) zurückgehen.

Er ist als erfahrener Strippenzieher bekannt. Von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Dachgesellschaft der Staatlichen Museen in Berlin, wurde er ausdrücklich für sein Engagement gelobt. «50 Millionen Euro wären bei der Haushaltslage nicht drin gewesen», sagte ein Verfahrensbeteiligter am Mittwoch. «Aber die zehn Millionen setzen ein Zeichen, die Sache lässt sich dann nicht mehr zurückdrehen.»

Denn diese «peanuts» setzen eine Rochade in Gang, die bei den Museumsoberen schon lange in der Schublade liegt. Für das «Museum des 20. Jahrhunderts» werden die derzeit in der Gemäldegalerie gezeigten Alten Meister ins Bode Museum verfrachtet. Dort sollen Dürer, Raffael, Rembrandt & Co die Skulpturensammlung aufwerten, die bisher eher ein Aschenbrödeldasein auf der weltberühmten Museumsinsel fristet. Langfristig ist ein Erweiterungsbau fürs Bode Museum geplant - mit geschätzten 120 Millionen Euro Baukosten (noch) Zukunftsmusik.

Am Potsdamer Platz wird es dafür moderne Kunst vom Feinsten geben. Die Sammlung Pietzsch gilt als eine der weltweit wichtigsten Privatsammlungen des Surrealismus. Mit Werken von Max Ernst, René Magritte, Joan Miró, Salvador Dalí, Frida Kahlo, Mark Rothko und anderen Ikonen der Moderne wurde sie schon vor Jahren auf 120 Millionen Euro geschätzt - angesichts der explodierenden Preise auf dem Kunstmarkt dürfte der Wert inzwischen noch weit höher liegen.

Doch auf den 7000 Quadratmetern Ausstellungsfläche der Gemäldegalerie findet nicht nur die Sammlung Pietzsch Platz. Auch die Sammlung Marx, derzeit im Museum Hamburger Bahnhof, gehört mit ihren fünf großen Künstlerpersönlichkeiten Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Robert Rauschenberg, Cy Twombly und Andy Warhol ins Konzept. Zudem soll es eine Zusammenarbeit mit der in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Neuen Nationalgalerie geben.

«Die Entscheidung des Bundestags ist der entscheidende Durchbruch für eine zukunftsweisende Neuordnung der Berliner Kunstsammlungen», jubelte denn auch Preußenstiftungs-Präsident Hermann Parzinger. Und auch Stifter Pietzsch dürfte sich freuen. Bei der Bekanntgabe des Schenkungsvertrags hatte er gesagt: «Wenn Berlin durch die Schenkung endlich das bekommt, was es schon so lange braucht, könnte ich recht zufrieden in die Kiste steigen.»

Gemäldegalerie

Bode Museum

news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig