Musik Maximo Park: Liebe, Leid und die Lage der Nation

Maximo Park: Liebe, Leid und die Lage der Nation (Foto)
Maximo Park: Liebe, Leid und die Lage der Nation Bild: dpa

Berlin - «I ride the local train» - Diese Textzeile aus dem Titelsong «The National Health» hat die Band wörtlich genommen. Ausgerechnet in einer Berliner Straßenbahn spielten Maximo Park vergangene Woche ein kleines Geheimkonzert.

Sänger Paul Smith wirbelte durch den wackeligen Wagen, gab zahlreiche neue Songs zum Besten und würdigte den «ostalgischen» Alexanderplatz. Dass dabei mal das Mikro ausfiel oder eine Gitarrensaite riss, tat der Stimmung bei der ungewohnten Tramfahrt keinen Abbruch.

Vor weitaus größerem Publikum präsentierten die Briten beim Festival «Rock am Ring» am vergangenen Wochenende ihr nunmehr viertes Studioalbum. «The National Health» umfasst 13 Songs, die mitunter ungewohnt elektronisch («Hips And Lips») ausfallen. Brutal und düster kommt «Banlieue» daher, das sich mit der Verrohung und Gewalt in Vororten auseinandersetzt. Der Titelsong «The National Health» wirft einen Blick auf die kränkelnde Heimat der Band, kann aber in heutigen Krisenzeiten auch auf viele andere Nationen ausgelegt werden («England is ill and it's not alone»).

In altbekannter Manier singt Smith wieder von den Höhen und Tiefen der Liebe und von gewöhnlichen Alltagssituationen - mal melancholisch («The Undercurrents»), mal wütend («Write This Down»). Natürlich verarbeite er persönliche Erfahrungen in seinen Songs, sagt der 33-Jährige im Interview der Nachrichtenagentur dpa. Allzu direkt sollten die Texte aber nicht sein: «Es muss Raum für Interpretation bleiben.»

Vor «The National Health» hatte das Quintett eine längere Pause eingelegt. Es sei Zeit gewesen, sich neu zu positionieren, hieß es. «Nach drei Alben mussten wir auch mal innehalten. Wenn wir so weitergemacht hätten, wäre es vielleicht zum Burn-out gekommen», sagt Smith. Stattdessen zog die Band die Notbremse, und einige Mitglieder verfolgten ihre Soloprojekte, «sonst hätten wir das vielleicht nie mehr gemacht».

Die Karriere der fünf Musiker aus Nordengland, die sich zuvor mit gewöhnlichen Jobs oder auch mal mit Sozialhilfe über Wasser hielten, begann erst relativ spät: «Vor Maximo Park - bis ich 22 war - wusste ich gar nicht, dass ich singen kann», sagt Smith. Dafür ging es mit Maximo Park umso rasanter voran. Bereits das Debütalbum «A Certain Trigger» kam bei den Kritikern sehr gut an, die darauffolgende Platte kletterte in den britischen Charts auf Platz 2 und in Deutschland auf Platz 14.

Doch trotz des Ruhms seien sie alle auf dem Teppich geblieben, beteuert Smith. Er komme aus der Arbeiterklasse und das werde sich nie ändern. «Klar, verdiene ich jetzt mehr Geld als früher, aber das ändert nicht meine Ansichten.» Und statt mit einem eigenen Auto fahre er lieber Bus oder Bahn - oder eben mit der Berliner Tram.

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news.de/dpa

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