Kunst Kunst zur Entspannung bei der documenta

Kassel - Zeitgenössische Kunst kann schwierig und anstrengend sein - muss sie aber nicht. Die am Samstag beginnende Weltkunstausstellung documenta (13) in Kassel lädt Besucher auch ein zum Entspannen und Verweilen - mit der Kunst und als Teil der Kunst.Zum Beispiel im «Sanatorium» des mexikanischen Künstlers Pedro Reyes.

Kunst zur Entspannung bei der documenta (Foto)
Kunst zur Entspannung bei der documenta Bild: dpa

Eine utopische, provisorische Klinik, die Menschen von stadt-typischen Krankheiten wie Stress, Einsamkeit und Angst heilen will. Um das Projekt zu erleben, müssen sich Besucher als Patienten einweisen lassen. Es gibt einen Kompatibilitätstest für Paare, eine Gruppentherapie oder eine Flaschenpost für geheime Wünsche. In einem Anti-Gewalt-Raum kann man eine große Stoffpuppe bearbeiten, anschließend gibt es Placebos.

Und es gibt den «Goodoo»-Raum. «Das ist positives Voodoo. Man denkt an den Menschen, den man liebt», erklärt ein «Therapeut». Die «Patienten» können hier kleine Stoffpuppen mit kleinen Gegenständen wie weißen Tauben, Glühbirnen oder bestimmten Würfeln versehen - und mitnehmen. Und die Therapie funktioniert: Zum einen durch den ruhigen Park inmitten der Großstadt, zum anderen durch den Gang durch das Sanatorium entschleunigt der Besucher.

Mitten in der Karlsaue findet man zwischen alten Bäumen auch Hängematten. Sie gehören zum Werk «The Importance of Telepathy» («Die Bedeutung der Telepathie») der Künstler Apichatpong Weerasethakul und Chai Siri aus Thailand. Die Hängematten laden zum Schaukeln ein und lenken dabei den Blick auf die riesige weiße «Geist»-Skulptur, die mitten im Grünen steht und ebenfalls zum Werk gehört. Die Verbindung zum «Geist» ist allerdings wenig erholsam. «Der Geist folgte uns von Thailand nach Kassel. Wir erinnern damit an die Opfer der politischen Gewalt in Thailand», erklärt Weerasethakul.

Der «Doing nothing garden» («Nichtstun-Garten») des chinesischen Künstlers Song Dong auf der großen Karlswiese ist eigentlich nicht viel mehr als ein Haufen aus Schutt und organischen Abfällen - weil er allerdings mit Gras und Blumen bewachsen ist, ist die flache, rote Mauer drumherum ideal zum Rasten. Dieses «Denkmal für die Zivilisation» beweise, dass sogar das Nichtstun schöpferische Wirkung entfalten kann, hieß es in der Beschreibung des Werks.

Beruhigend wirkt auch die schwappende Welle «Ohne Titel (Wave)» des italienischen Künstlers Massimo Bartolini unweit des «Doing nothing garden» auf der Karlswiese. In einem rechteckigen Becken wird Wasser so in Schwingung versetzt, dass eine Welle ruhig und synchron von der Mitte an die Seiten und zurück schwappt. Die Welle habe eine «meditative Qualität», symbolisiere ewige Verwandlung und stehe für den endlosen Kreislauf des Lebens, beschreibt die documenta das Werk. In einem anderen Pavillon werden sogar Hypnosesitzungen unter vier Augen angeboten.

Nicht zuletzt ist ja auch Spazierengehen Entspannung - und wer in diesem Sommer viel Kunst der documenta (13) in Kassel sehen will, sollte gut zu Fuß sein. Denn noch nie war die weltweit wichtigste Ausstellung für zeitgenössische Kunst so weitläufig.

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news.de/dpa

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