Kunst Stephan Balkenhol warnt vor Kuratoren-Kunst

Stephan Balkenhol warnt vor Kuratoren-Kunst (Foto)
Stephan Balkenhol warnt vor Kuratoren-Kunst Bild: dpa

Karlsruhe/Kassel - Der Karlsruher Bildhauer und Kunstprofessor Stephan Balkenhol hat Ausstellungskuratoren davor gewarnt, ihre Macht auszuspielen.

«Wenn sie anfangen zu definieren, was richtige Kunst ist, und dann vielleicht noch den Künstlern reinreden, dann ist die Freiheit der Kunst bedroht», sagte Balkenhol der Nachrichtenagentur dpa. Er spielte damit auf seinen Streit mit der documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev an, die seine Männer-Skulptur auf einem Turm einer katholischen Kirche in Kassel verhindern wollte, weil sie die Kunstschau störe.

Die documenta, die am Samstag beginnt, versuche, die gesamte Kunstszene in Kassel zu dominieren. So sei einem Künstler, dessen Atelier in der Nähe eines Ausstellungsortes liegt, deutlich zu verstehen gegeben worden, dass er die Türen geschlossen halten solle, erzählte Balkenhol. Mit diesem Kontrollzwang überschritten die Organisatoren deutlich ihre Befugnisse. «Es kann nicht sein, dass während der documenta alle anderen Künstler aufhören müssen zu arbeiten.»

Die documenta-Chefin demonstriere «einen Machtanspruch, der sehr gefährlich ist», sagte Balkenhol. «Von dort ist es nicht mehr weit bis zu der Bestimmungshoheit, was Kunst ist und was nicht.» Darüber hätten aber nicht die Kuratoren zu entscheiden, sondern die Künstler und die Betrachter.

Fragwürdig ist für den Professor auch der Hang, große Ausstellungen einem Konzept zu unterwerfen, das dann als «die Definition von Kunst» verkauft werde. «Sobald solche Absolutheitsansprüche ins Spiel kommen, wird die Maxime der Kunst verraten.» Zu ihren Anfangszeiten habe die documenta einfach das ganze Spektrum der Nachkriegskunst gezeigt. «Heute sehen wir eher eine Verengung.»

Trotz der Querelen um sein Kunstwerk in einer Begleitausstellung der katholischen Kirchengemeinde werde er die documenta besuchen. «Ich bin ein großer Fan - wenn auch manchmal ein enttäuschter.» Zudem habe die Auseinandersetzung für ihn ein gutes Ende gefunden, weil die Öffentlichkeit und die Kirche sich hinter ihn gestellt hätten. «Man wird versöhnlicher, wenn man Glück hat», sagte Balkenhol. Er würde sich über einen gemeinsamen Rundgang über die documenta mit Christov-Bakargiev freuen.

Nicht zuletzt sei er überrascht, wie seine einfache Skulptur, die nichts Provokatives oder Marktschreierisches habe, so einen Wirbel hervorrufen könne. «Sie wird inzwischen als Symbol für die Freiheit betrachtet», sagte Balkenhol. «Das macht mir Mut, dass sie eine solche Wirkkraft entfaltet hat.»

Balkenhol-Ausstellung

news.de/dpa

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