Fernsehen Klaus Bednarz über Pullover und Politik

Klaus Bednarz über Pullover und Politik (Foto)
Klaus Bednarz über Pullover und Politik Bild: dpa

Köln - Er war der «Monitor»-Mann und für viele auch das Gesicht des WDR-«Rotfunks»: Fernsehjournalist Klaus Bednarz. Am 6. Juni wird er 70 Jahre alt.

Die meiste Zeit des Jahres lebt er mittlerweile in einem Dorf bei Schwerin.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa spricht er über sein Leben in der mecklenburgischen Einsamkeit, die Krise der heutigen Polit-Magazine und - natürlich - über seine Pullover.

Was machen Sie denn so tief im Osten?

Klaus Bednarz: «Ich hab hier 'ne Ferienhütte. Die meiste Zeit des Jahres bin ich hier oben. Eine traumhafte Gegend.»

Auch im Winter?

Bednarz: «Klar. Ab minus 20 Grad blühe ich auf.»

Das sind Sie vermutlich aus Russland gewohnt.

Bednarz: «Die niedrigste Temperatur die ich je erlebt habe, war minus 56.»

Haben die Russen Ihnen Tricks gegen die Kälte beigebracht?

Bednarz: «Wodka ist kontraproduktiv. Und wenn Sie bei minus 40 Grad länger draußen gewesen sind, dann um Himmels willen kein warmes Getränk trinken! Damit verbrennt man sich die Lungenbläschen. In Sibirien lutscht man in solchen Fällen erst mal ein Stück gefrorenen Fisch.»

Was machen Sie denn jetzt so die ganze Zeit in Mecklenburg?

Bednarz: «Neben der Schönheit der Landschaft gibt es hier unglaublich viel an Kultur zu entdecken. Uralte Kirchen, wunderschön restaurierte Hansestädte und ein höchst lebendiges Theater in Schwerin.»

Und die Neonazis - sind Sie denen auch schon begegnet?

Bednarz: «Es war sogar gleich eine der ersten Begegnungen. Da bin ich eine Kneipe rein, und an der Theke saßen lauter Glatzköpfe.»

Und, was haben Sie gemacht?

Bednarz: «Ich bin sofort raus. Da bin ich nicht der Held, der die Konfrontation allein gegen sechs Glatzen sucht.»

Bleiben Sie also vorsichtshalber immer inkognito?

Bednarz: «Nein, ich versuche mich schon in die Dorfgemeinschaft einzubringen. Ich mache Benefiz-Veranstaltungen, ich verstecke mich nicht.»

Werden Sie im Osten denn überhaupt erkannt?

Bednarz: «Ja, die Leute sprechen mich zum Teil auf "Monitor"-Beiträge an, die wir vor 25 Jahren gemacht haben. Das Publikum hier im Osten ist überhaupt sehr, sehr aufmerksam.»

Aufmerksamer als im Westen?

Bednarz: «Ja, das hat wohl auch mit Sensibilität zu tun. Im Osten mussten die Menschen zu DDR-Zeiten zwischen den Zeilen lesen. Das ist irgendwo drin.»

Aber «Monitor» hat doch hauptsächlich West-Themen behandelt.

Bednarz: «Zum Teil waren es doch ähnliche Dinge, zum Beispiel Umweltprobleme, radioaktiver Müll. Das war in der DDR tabu, aber der Großteil der Bevölkerung wusste, dass sie existierten.»

Heute haben die politischen Magazine in der ARD ja nicht mehr diese Relevanz.

Bednarz: «Leider. Der stiefmütterliche Umgang der ARD mit den politischen Magazinen ist ärgerlich. Sie sind schon vor einiger Zeit von 45 auf etwas mehr als 30 Minuten verkürzt worden. Und sie sind auch zu oft Verschiebemasse im Programm gewesen.»

Vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, dass die heutigen Moderatoren so glatt sind. Klaus Bednarz vom WDR-«Rotfunk» und der schwarze Wolf Feller vom Bayerischen Rundfunk - darüber konnte man sich wenigstens aufregen.

Bednarz: «Gegen diese Klassifizierung habe ich mich immer ganz entschieden gewehrt. Wir haben uns - wenn es sein musste - mit allen angelegt, egal ob Links oder Rechts.»

Das habe ich etwas anders in Erinnerung.

Bednarz: «Es ist doch so: Als zeitkritischer Journalist legt man sich vor allem mit denen an, die die Macht im Land haben. Und wir hatten zu der Zeit nun mal gerade 16 Jahre Kohl.»

Heutigen Moderatoren fehlt diese gewisse Knorrigkeit.

Bednarz: «Ich denke, in vielen Fällen ist heute eben Stromlinienförmigkeit gefragt. In der schreibenden Presse gibt es ja auch nicht mehr so herausragende Leute wie früher. Ich nenne jetzt mal Joachim Fest und Sebastian Haffner.»

Um ein Haffner zu werden, muss man einen Krieg erlebt haben.

Bednarz: «Ja, das kann sein. Aber dann ist es natürlich auch so, dass unbequeme Leute häufig zur Strecke gebracht werden. Denken Sie an den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, das war nun wirklich ein knorriger Typ, der ein gutes Programm gemacht hat. Aber weil er der CDU unbequem war, hat man ihn rausgedrängt. Das ist ein Problem nicht aller, aber doch mancher öffentlich-rechtlicher Sender: dass dort in den Gremien nach wie vor eine Dominanz der politischen Kaste existiert.»

Jetzt noch zu einem ganz wichtigen Themenfeld: Ihr Pullover. Haben Sie den damals bewusst zum Markenzeichen aufgebaut?

Bednarz: «Überhaupt nicht. Da muss ich wirklich mal mit einem Missverständnis aufräumen: Es war keine politische Entscheidung, ich habe mich in diesen Pullis einfach am wohlsten gefühlt.»

Tragen Sie privat auch immer Pullis?

Bednarz: «Ja, oder eine legere Lederjacke. Selbst bei meiner eigenen Hochzeit - lassen Sie mich rechnen - 1970 hatte ich eine Lederjacke an und ein kariertes Hemd. Und als ich als Austauschwissenschaftler 1966/67 in Moskau war und eine Einladung von der deutschen Botschaft bekam, auf der stand, dass man im dunklen Anzug erscheinen müsste, bin ich da nicht hingegangen.»

Also ist es doch politisch motiviert. Sie wollen damit zeigen, dass Sie nicht zum Establishment gehören. Bednarz, der Alt-68er.

Bednarz: «Naja, dass ich ein 68er bin, hab ich mit anderen Sachen wohl klarer gemacht.»

Lassen Sie uns noch eine Frage ein für allemal klären: Welche Farbe hatten die Pullis?

Bednarz: «Sie waren blau, aber es war nicht immer dasselbe Blau.»

Sie wollten Abwechslung?

Bednarz: «Ehrlich gesagt: Ich bin ein bisschen farbenblind.»

Interview: Christoph Driessen, dpa

news.de/dpa

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