Fernsehen Livland

Livland (Foto)
Livland Bild: dpa

Berlin - Livland - ein Name mit unterschiedlichen Bedeutungen. Für Geschichtsbewusste ist Livland die historische Bezeichnung für die heutigen Staaten Estland und Lettland, geprägt von deutschbaltischem Adel, heute wird mit Livland häufig nur noch die lettische Region Vidzeme nordöstlich von Riga bezeichnet, für viele Esten und Letten bedeutet Livland aber vor allem eines: Heimat.

Der Filmemacher Volker Koepp hat sich für seine Dokumentation «Livland» das historische Gebiet vorgenommen, um einen aktuellen Blick auf die baltischen Länder Estland und Lettland zu werfen. Wie leben die «Livländer», welche Hoffnungen und Sorgen haben sie, wie verbinden Sie Vergangenheit und Moderne? Die ARD zeigt den 90-minütigen Film am Dienstag (5.6.) um 22.45 Uhr.

Letten und Esten sind seit 2004 EU-Bürger, ihre Länder gelten als Vorzeigestaaten im Reigen der ehemaligen Sowjetrepubliken. Der Weg zu Demokratie, die Öffnung zu den sogenannten westlichen Werten, war im Baltikum weit weniger steinig als anderswo. Doch Armut und Arbeitslosigkeit haben ihre Spuren hinterlassen.

Bei seiner Reise traf Koepp etliche Menschen, die froh sind über die neuen Freiheiten, aber auch besorgt wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage; er traf junge Leute, die bei aller Modernität und allem Fortschritt ihrer Länder weiterhin ihre Traditionen achten, ihre Bräuche pflegen und alte Mythen hochhalten.

Der Film lebt von den Begegnungen mit diesen jungen Europäern, die - anders als etliche Altersgenossen - ihrer Heimat die Treue halten und nicht für Job und Geld ins Ausland gehen. «Ich würde das nicht machen. Hier ist meine Heimat, meine Muttersprache», sagt Ilva, die genauso wie ihre Freundin Guna im lettischen Cesis lebt und mit mehreren Jobs ihren Lebensunterhalt verdient - so wie viele ihrer Landsleute. Studentin Liina aus dem estnischen Tartu zeigt sich in ihrer Tracht - nicht ohne Stolz: «Für mich ist das sehr wichtig. Unsere Großeltern haben die sehr viel getragen (...) Das ist wichtig, um an unsere Kultur zu erinnern».

Doch der Film lebt natürlich auch von den Bildern, von der wunderschönen Landschaft der beiden Länder, die so stark von der Ostsee geprägt sind. Man sieht herrliche Sonnenuntergänge über dem Wasser, weiße Landschaften aus Schnee und Eis, dunkle Wälder, weite Ebenen, hübsche Kleinstädte, wunderbare historische Gebäude.

Mit «Livland» hat der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilmer Koepp seinen Reisefilmzyklus fortgesetzt, der ihn nach «Pommerland», ins «Schattenland» (Masuren), zu den westpreußischen «Söhnen», zur «Kurischen Nehrung» und «Holunderblüte» sowie nach «Memelland» führte. Eine ruhige, manchmal gemächliche, eine schöne und interessante Reise durchs Baltikum, immer den Wind der Ostsee im Rücken.

«Livland»

news.de/dpa

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