Durchgehört Damon Albarn wird majestätisch

Während ganz England die aktuelle Queen feiert, hat sich Damon Albarn mit dem Konzeptalbum Dr Dee dem vorherigen elisabethanischen Zeitalter gewidmet. Ladyhawke wird zur Rockerbraut, Of Monsters And Men legen ein tolles Debüt vor.

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zurück Weiter Helene Fischer (Foto) Zur Fotostrecke Foto: Emi/Christian Mai / Sophia Lukasch

Ganz England feiert die Queen. Zum 60. Thronjubiläum von Elizabeth II. flippt London heute noch einmal aus. Auch Damon Albarn möchte da nicht nachstehen. Er feiert, mit einem Konzeptalbum, Queen Elizabeth ebenfalls – allerdings Elizabeth I. Genauer gesagt: John Dee, den Mathematiker, Universalgelehrten und Berater der Königin im 16. Jahrhundert.

Auf Dr Dee spürt der Ex-Blur-Frontmann dessen Leben und Wirken nach, mit ein paar alten Wegbegleitern, dem BBC Philharmonic Orchestra und einem 16-köpfigen Chor. Das Ergebnis hat mit Popmusik reichlich wenig zu tun, sondern bietet Instrumentals, A-Cappella-Stücke, Choralgesänge und vieles, was eher an Klassik oder Kirchenmusik denken lässt. Mitunter klingt Dr Dee tatsächlich, als könne diese Musik 400 Jahre alt sein.

Das vielleicht Erstaunlichste an Dr Dee ist dabei, dass man Albarn darin trotzdem wiederfindet. The Marvellous Dream singt er zur akustischen Gitarre, Cathedrals ist eine rührende Ballade, die auch auf ein spätes Blur-Album gepasst hätte, und Watching The Fire That Waltzed Away entwickelt einen faszinierenden Drive. In diesen Momenten sind dann durchaus Spurenelemente von Blur und den Gorillaz erkennbar. Oder besser umgekehrt: Diese Songs zeigen, mit welch großem Mut und Horizont Damon Albarn auch mit seinen Pop-Vehikeln arbeitet.

Künstler: Damon Albarn
Album: Dr Dee
Plattenfirma: Emi
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Anxiety hat Ladyhawke ihr zweites Album genannt. Übersetzt: Stress. Da wundert man sich, sollte es der Neuseeländerin nach einem erfolgreichen und gefeierten Debüt im Jahr 2008 doch eigentlich glänzend gehen. Aber Phillipa Brown, so ihr bürgerlicher Name, hatte zuletzt wohl keine berauschende Zeit. Die Tour war anstrengend, der Erfolgsdruck immens, die Arbeit an Anxiety zog sich über 18 Monate hin und die neuen Texte handeln von Eifersucht, dem Verlassenwerden oder Verlustängsten.

Nicht zuletzt könnte ihr Stress aber auch daher rühren, dass sich Ladyhawke ein stückweit missverstanden gefühlt hat. Sie wurde mit La Roux, Little Boots oder Ellie Goulding in die Synthie-Ecke gestellt, dabei hatte sie mit diesem Genre lange Zeit wenig am Hut. Das erste Instrument, das sie spielte, war ein Schlagzeug, und danach kam die Gitarre. Ladyhawke sieht sich als Rockerbraut, nicht als Disco-Queen. Sie will Joan Jett sein, nicht Lady Gaga.

Anxiety macht das sehr eindrucksvoll klar. Ladyhawke spielt diesmal fast alle Instrumente selbst, das Album bleibt gut tanzbar, ist aber dennoch weit davon entfernt, bloß ein bisschen Glitzern für die Indie-Disco zu liefern. Der Höhepunkt ist Blue Eyes mit seiner funky Strophe und dem Nanana-Refrain. Als Stressbewältigung hat dieses Album für Ladyhawke definitiv glänzend funktioniert: «Seit ich diese Platte aufgenommen habe, fühle ich mich wie ein neuer Mensch. Als ob irgendwer mir diese Last von den Schultern genommen hätte.»

Künstler: Ladyhawke
Album: Anxiety
Plattenfirma: Universal
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Auf Platz 6 in den US-Charts ist My Head Is An Animal vor wenigen Wochen eingestiegen, das Debütalbum von Of Monsters And Men. Nicht schlecht für eine Band, die bis vor zwei Jahren selbst in ihrer isländischen Heimat kaum bekannt war. Der Schlüssel zum Erfolg war die Single Little Talks. Mit ihrem schwungvollen Beginn, dem zauberhaften Wechselgesang von Nanna Bryndís Hilmarsdóttir und Ragnar «Raggi» Pórhallsson sowie ganz viel Bläser-Power sticht das Lied auch auf dem Debütalbum heraus.

Aber auch abseits davon hat das Sextett aus Reykjavik reichlich zu bieten. My Head Is An Animal kann ungestüm, theatralisch, mitreißend und bewegend sein. Mountain Sound ist kräftig, Six Weeks wird hymnisch, Slow And Steady badet in Melancholie und Love, Love Love ist eine untröstliche Liebeskummeranalyse, die kein bisschen Hoffnung enthält und trotzdem tröstlich und wunderschön klingt. «Die Texte sind nicht sehr aufbauend und fröhlich», erklärt Pórhallsson diese Diskrepanz, «aber unsere Musik soll Spaß machen, man soll mitsingen können und sich an ihr erfreuen können». Wer Arcade Fire liebt oder die Stars, der dürfte in Of Monsters And Men die perfekte Symbiose seiner Lieblingsbands gefunden haben.

Künstler: Of Monsters And Men
Album: My Head Is An Animal
Plattenfirma: Universal
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

rut/news.de

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