Ausstellungen Gut getarnt: Elvis als Soldat in Deutschland

Gut getarnt: Elvis als Soldat in Deutschland (Foto)
Gut getarnt: Elvis als Soldat in Deutschland Bild: dpa

Burglengenfeld - Lässig schreitet der King of Rock'n'Roll die Gangway hinunter, den Seesack locker geschultert. Am 1. Oktober 1958 kommt Elvis Presley als Soldat nach Deutschland und versetzt vor allem die musikbegeisterten Teenager in Ekstase.

Eine Ausstellung im oberpfälzischen Burglengenfeld zeigt nun die Stationen von Elvis' Militärzeit in Deutschland. Schnell wird beim Rundgang klar, dass sich in den 17 Monaten wahre Legenden um den wohl berühmtesten Soldaten der US-Armee gebildet haben.

«Überall wollen die Menschen Elvis in dieser Zeit gesehen haben und viele erzählen die unglaublichsten Geschichten», berichtet die Leiterin des Oberpfälzer Volkskundemuseums, Margit Berwing-Wittl. Sie erzählt von den Mädchen Lisa und Marie, die Elvis bei einem Truppenstopp in einem bayerischen Dorf so begeistert haben sollen, dass er seine Tochter später Lisa Marie nennt. «Beweisen lassen sich diese Geschichten natürlich nicht. Aber sie machen den Mythos Elvis deutlich, der noch immer in Deutschland lebt», sagt Berwing-Wittl.

Mehr als 500 Exponate hat sie für die Ausstellung «Elvis Presley - gut getarnt in der Oberpfalz» zusammengestellt, die meisten Stücke kommen aus privaten Sammlungen. Dabei stechen vor allem die skurrilen Erinnerungsstücke ins Auge. So steht etwa eine angebrannte Vinylplatte in einer Vitrine. «Ab dem dritten Song lässt sich die Platte gut abspielen.» Außerdem sind Karten für Konzerte zu sehen, die Monate nach dem Tod von Elvis geplant waren. «Die Fans bewahren sie auf wie eine Reliquie», sagt Berwing-Wittl. Die Sonderausstellung ist noch bis zum 19. August zu sehen - sie umschließt damit den 35. Todestag des King of Rock'n'Roll am 16. August.

Elvis Presley (1935-1977) war von Oktober 1958 bis Februar 1960 in Deutschland stationiert. Mit einem Militärzug wurde er in die US-Garnison nach Friedberg nördlich von Frankfurt gebracht. Er durfte in einem Haus in Bad Nauheim außerhalb der Kaserne wohnen. Dort hatte er nach dem Tod der Mutter seinen Vater, seine Großmutter und zwei Freunde aus den USA untergebracht. Viele Monate verbrachte Elvis bei Manövern auf dem oberpfälzischen US-Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Dort lernte er auch seine spätere Frau Priscilla kennen, die Stieftochter eines Vorgesetzten.

Reporter aus der ganzen Welt waren Ende der 1950er Jahre nach Deutschland gereist, um «Private Presley» zu Gesicht zu bekommen - meist ohne Erfolg, weil der Aufenthaltsort laut Museum Geheimsache war. Einzig der Lokalreporter Sepp Müller-Anderl aus Hirschau entdeckte ihn während des Manövers «Wintershield» im Gasthof «Zum Weißen Lamm». Zahlreiche Fotoaufnahmen zeigen einen gelösten und strahlenden Presley mit Kindern aus dem Ort.

Bei diesen ungewollten Auftritten verschaffte Elvis auch den Näherinnen der US-Armee zusätzliche Arbeit, weil ihm immer wieder die Armeeabzeichen von der Jacke gerissen wurden. «Die Näherinnen waren das tägliche Flicken leid und gaben ihm einen Packen Armeeabzeichen, die er den Fans dann geben konnte», erläutert Berwing-Wittl. Dass es sich dabei um französische Abzeichen - «Toujours Prêt» (Allzeit bereit) - handelte, merkten die ekstatischen Fans erst später.

Konzerte waren Elvis während der Militärzeit untersagt. Nur ein einziges Mal soll er eine Ausnahme gemacht haben - in der Micky-Bar in Grafenwöhr. «Die zweistündige Einlage war ein Dankeschön an das Personal und den Besitzer», sagt die Museumsleiterin. Elvis' Vater und Freunde hatten dort inkognito vier Tage als Gäste wohnen dürfen und wurden mit Schnitzeln und Pfannkuchen verwöhnt. Der reichlich ramponierte Flügel, an dem Elvis gespielt haben soll, ist nun das Prunkstück der Ausstellung.

Wie groß der Hype um Elvis nach wie vor ist, zeigen auch die ersten Einträge in das Gästebuch des Museums. «Ich fühle mich in die eigene Teeniezeit zurückversetzt», heißt es etwa dort. «Die Ausstellung ist sehr bewegend. Elvis ist unter uns - forever.»

Oberpfälzer Volkskundemuseum

news.de/dpa

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