Kunst «Dürer-Labor» zeigt die vielen Facetten des Künstlers

Nürnberg - Statt Gemälden und Skizzen hängen im «Dürer-Labor» vor allem Bildschirme und iPads an den Wänden. Selbst Projektkoordinator Thomas Eser gibt zu: «Es sieht ein bisschen aus wie im Adidas-Shop.» Das Labor bietet im Anschluss an die hochgelobte Ausstellung «Der frühe Dürer» im Germanischen Nationalmuseum (GNM) in Nürnberg einen Einblick in Leben und Werk des Künstlers.

«Dürer-Labor» zeigt die vielen Facetten des Künstlers (Foto)
«Dürer-Labor» zeigt die vielen Facetten des Künstlers Bild: dpa

Albrecht Dürers (1471-1528) Beziehungen zu seiner Nachbarschaft und der aktuelle Umgang der Kunsthistoriker mit seinen Werken werden ebenso aufgezeigt wie die unternehmerischen Fähigkeiten des Nürnbergers oder sein Spiel mit der Selbstinszenierung.

Nach dem stillen Verharren vor den Originalen könne man im Labor «schlendernd nachbereiten», was man zuvor in der Ausstellung gesehen habe, erläutert Eser. Beim Betreten des kleinen Nebenraums, in dem das «Dürer-Labor» untergebracht ist, fallen zuerst die Glasvitrinen mit der Forschungsliteratur zu Dürer ins Auge. 27 Regalmeter füllen die Bände aus der Bibliothek des Museums. Dennoch ist damit zu dem Künstler noch längst nicht alles gesagt, wie die Forschungen des GNM vor der größten Dürer-Ausstellung in Deutschland seit 40 Jahren gezeigt haben.

Im Zentrum des Labors stehe die «Nachbarschaftswand», erklärt GNM-Mitarbeiter Sebastian Gulden, der für das Konzept des Labors mitverantwortlich ist. Ein großer historischer Stadtplan zeigt, wie wichtig Dürers Umfeld für sein Schaffen und seinen Erfolg war. «Die Burgstraße war ein 'Melting Pot' für neue Ideen», sagt Eser. Dürer lernte von seinen Nachbarn nicht nur neue Maltechniken, sondern auch moderne Möglichkeiten, seine Kunst zu vermarkten.

Seine Malerausbildung habe er bei dem zwei Häuser weiter wohnenden Michael Wolgemut absolviert und seine spätere Ehefrau Agnes Frey habe er von Kindesbeinen an gekannt. «Dürer ist auch ein bisschen ein Stubenhocker gewesen», erklärt Projektkoordinator Eser. «Aber er wusste, dass dieser Standort beste Voraussetzungen bot.» Häuser von Personen, die mit Dürer in Bezug standen, sind auf dem Plan markiert, und kleine Monitore liefern weitergehende Informationen.

Auch neue Erkenntnisse zu Dürers Oeuvre werden im Labor präsentiert. So konnten die Forscher des GNM mit Hilfe einer modernen Infrarotkamera ein ursprünglich Dürer zugeschriebenes Gemälde analysieren und seine Autorschaft ausschließen. Die Zeichnung unter dem Bild, die durch die Analyse erstmals sichtbar gemacht werden konnte, weicht mit ihren schnell hingeworfenen Pinselstrichen stark von den akribisch gezeichneten Vorlagen Dürers ab.

Das Labor beleuchtet aber nicht nur den Künstler Dürer, sondern auch seinen Unternehmergeist. Seinen Wohlstand verdankte er weniger seinen Gemälden als vielmehr den Druckgrafiken, von denen er unzählige Exemplare verkaufte. So griff der Erschaffer des Selbstporträts «Mann im Pelzrock» auch gern Sensationsmeldungen auf: Als 1496 im Ober-Elsass ein missgebildetes Ferkel zur Welt kam, fertigte Dürer einen Kupferstich des Tieres an und brachte die Drucke äußerst erfolgreich an den Mann.

Kurze Filme erklären Dürers Spiel mit der Selbstinszenierung: Während er in seinem Spätwerk häufig gemalten Figuren seine Gesichtszüge verlieh, beschränkt sich Dürer in seinem Frühwerk auf Andeutungen. Das Labor thematisiert zudem, dass der Nürnberger bei aller Anerkennung und Begeisterung bereits zu Lebzeiten auch harscher Kritik ausgesetzt war. Kein Meister der Farbe soll er gewesen sein oder nur «Studienratskunst» produziert haben. Das Labor stellt deshalb am Ende die provozierende Frage, ob Albrecht Dürer ein guter Maler war. Dies müsse jeder Besucher allerdings für sich selbst entscheiden, betonen die Ausstellungsmacher.

Dürer-Labor

news.de/dpa

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