Musik Sex, Drugs & Rock'n'Roll: Ron Wood wird 65

London - Wer hätte geglaubt, dass Keith Richards das Rentenalter erleben würde? Nicht weniger bemerkenswert ist, dass jetzt auch sein Rolling-Stones-Kollege Ron Wood nach nunmehr acht Entziehungskuren putzmunter seinen 65.

Sex, Drugs & Rock'n'Roll: Ron Wood wird 65 (Foto)
Sex, Drugs & Rock'n'Roll: Ron Wood wird 65 Bild: dpa

Geburtstag feiert.

«Ich fühl' mich noch nicht danach, zu gehen», sagte er dem «Guardian» dazu lapidar. Der magere Stones-Gitarrist mit dem Furchengesicht ist der personifizierte «Sex, Drugs & Rock'n'Roll»-Lebensstil - und derzeit so kreativ wie selten. Als anerkannter Maler, preisgekrönter Radio-Moderator mit eigener TV-Musiksendung und bisher verkannter Sänger auf seiner jüngsten Solo-Platte «I Feel Like Playing».

Er ist so umtriebig, dass sein Management auf Nachfrage «keinerlei Ahnung» hatte, wie Wood am 1. Juni feiert. Wahrscheinlich mit seiner aktuellen Freundin Ana Araujo (30). Das brasilianische Model scheint Woods Leben zu stabilisieren - ähnlich wie einst seine Ex-Frau Jo, von der er zwei seiner drei Kinder hat, in den 24 Ehejahren. Jo hatte er 2008 schlagzeilenträchtig für die damals 20-jährige Russin Jekatarina Iwanowa sitzengelassen, mit der er noch mal abdriftete. Die Liaison endete im Dezember 2009, als der Rockstar «Katia» betrunken auf offener Straße würgte und beschimpfte.

Alkohol spielt seit jeher eine Riesenrolle im Leben des vielseitigsten Künstlers der Rolling Stones. Geboren als Sohn einer armen Roma-Familie am Stadtrand von London, bekam Ronald David Wood von Vater Archie nicht nur sein musikalisches Talent in die Wiege gelegt, fast jeder aus der Familie trank. Als 14-Jähriger begann «Ronnie» zu saufen - Brandy und Whisky. Auch andere Drogen waren stets das «Normale» für ihn. «Marihuana, Kokain, Heroin - glücklicherweise habe ich mir aber keine Spritze gegeben. Das hat mich wohl gerettet», sagte er einmal dem «Independent». Im «Guardian» schätzte der Kettenraucher und Weinkenner amüsiert, dass er wohl 20 Millionen Pfund (25 Mio. Euro) für Alkohol und Drogen verprasst habe.

Gitarren waren seine Rettungsanker. Mit 17 begann er seine Karriere bei den Birds - damals die britische Top-Band des Rhythm and Blues. Ende der 60er prägte seine Bassgitarre den Sound der legendären Jeff Beck Group. Und ehe Wood 1975 als Nachfolger von Leadgitarrist Mick Taylor zu seiner Traumband Rolling Stones stieß, schrieb er noch Rockgeschichte an der Seite von Rod Stewart bei The Faces. Er spielte mit Eric Clapton, war befreundet mit Bob Marley und Jimi Hendrix - und Janis Joplin jagte ihm auf einer Party hinterher. Als einziges Versäumnis nennt Wood heute: «Ich habe nie mit Elvis gespielt.»

Stones-Mitglied ist er seit 37 Jahren, die ersten 17 als «hired hand», also Angestellter mit Monatslohn statt Gewinnbeteiligung. Die Leadgitarre blieb ihm verwehrt, auch, weil «Flaschenkind Ronnie» zu unberechenbar war. Dafür stammt der Song «It's Only Rock'n'Roll» mit aus seiner Feder. Etliche Lieder profitierten von Woods Gefühl an der Rhythmusgitarre. Und als talentierter Schlichter befriedete er mehrfach die Dauerstreithähne Mick Jagger und Keith Richards.

Zu Woods Fans zählen der amerikanische Ex-Präsident Bill Clinton und Hollywood-Star Jack Nicholson. Die beiden lieben auch seine Zeichnungen und Ölbilder - von Pferden bis hin zu Menschenporträts. Für Woods Werke werden auf dem Kunstmarkt inzwischen Preise von mehr als einer Million Dollar erzielt und Wood meint, dass er damit heute mehr Geld macht als mit den derzeit pausierenden Stones. Jüngst hat er Kunst für das iPhone und das iPad für sich entdeckt.

Zu seinem 65. Geburtstag scheint der Mann mit dem Römerzinken und der braunen federartigen Vokuhila-Frisur mit sich im Reinen. Nach seinem (hoffentlich) letzten Exzess «kidnappten» ihn Snooker-Star Ronnie O'Sullivan und Künstler-Kollege Damien Hirst. Mit seinen Kindern hat er sich versöhnt. Sie hatten mit ihm gebrochen, als er seine zweite Frau Jo für «Katia» verließ. Auch Jo nennt ihn heute wieder «meinen besten Freund». Die neue Nüchternheit tut Wood gut: «Ich bin viel verrückter und viel kreativer, wenn ich nüchtern bin».

news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig