Film «Bad Sitter»: Jonah Hill als Anti-Held

«Bad Sitter»: Jonah Hill als Anti-Held (Foto)
«Bad Sitter»: Jonah Hill als Anti-Held Bild: dpa

Berlin - Vielleicht ist 2012 das große Jahr für Jonah Hill. Da war die Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller für seine Rolle im Baseball-Drama «Die Kunst zu gewinnen - Moneyball» an der Seite von Brad Pitt.

Und nun ist der junge Produzent, Autor und Darsteller gleich in zwei Filmen zu sehen: Als überforderter Cop neben Channing Tatum in «21 Jump Street» sowie als gänzlich unqualifizierter Babysitter in «Bad Sitter». Einer von US-Regisseur David Gordon Green («Ananas Express») inszenierten Komödie mit weiteren Darstellern wie Sam Rockwell («Moon») oder Ari Graynor («Der Perfekte Ex»).

Noah (Jonah Hill) ist zwar längst erwachsen, er gammelt aber wie ein Teenager bei seiner Mum in den Tag hinein. Das College musste er schmeißen und auch vom Geldverdienen hält er nicht allzu viel: Einen Vorschlag seiner Mutter quittiert Noah mit den Worten: «Babysitten ist kacke, erwachsene Männer machen so was nicht.» Um sich dann doch überreden zu lassen. Ausgerechnet auf die renitenten und komplett verzogenen Kids der Nachbarin soll Noah einen Abend lang Acht geben - den von Angstzuständen geplagten Slater, die wilde Zicke Blithe sowie Adoptivsohn Rodrigo, einen Pyromanen und Möchtegerngangster.

Und dann ist auch noch Noahs vermeintliche Freundin (Ari Graynor) am Telefon, die dringend Kokain bräuchte und ihm dafür eine Runde Sex in Aussicht stellt. Also packt Noah die ihm anvertraute Dreier-Bande ins Auto, um sich auf den Weg gen City zu machen. Ein ebenso wilder wie gefährlicher Trip durchs Nachtleben der Großstadt wartet auf ihn und die Kids: Drogenhändler, furchteinflößende Bodybuilder, Gangster und fiese Cops; ein Koks-Ei, das entzwei geht und 10 000 Dollar, die plötzlich fehlen und nicht so leicht aufzutreiben sind.

Die pointiert liebevolle, und nur hier und da etwas zu überzogene Figurenzeichnung führt dazu, dass einem allmählich nicht nur Noah und die Kinder ans Herz wachsen. Selbst der von Sam Rockwell verkörperte, eigentlich höchst unangenehme Drogendealer hat seine charmanten Seiten. David Gordon Greens zügige Inszenierung sorgt für eine Ereignisdichte, die man kaum erwartet hätte bei nicht einmal 90 Minuten Filmlänge. Dazu gibt es wenige Momente des Innehaltens: Etwa wenn Noah dem unglücklichen Slater in einer überraschend einfühlsamen Szene nahelegt, er solle doch einfach zu seiner Homosexualität stehen.

Wie überhaupt der ganze Abend zu einer Art Therapiesitzung gerät mit gleichsam reinigend-heilendem Effekt: Rodrigo, der Tunichtgut aus El Salvador, entdeckt seine kooperative und mitfühlende Seite, während die kleine Blithe zu ahnen beginnt, dass Glamour nicht alles ist im Leben. Vor allem der Ausstrahlung eines Jonah Hill kann man sich nur schwerlich entziehen. Und man darf gespannt sein auf die nächsten Projekte des 28-Jährigen Amerikaners, der seine darstellerischen Qualitäten sicher noch in dem einen oder anderen Genre mehr unter Beweis stellen wird.

Bad Sitter

news.de/dpa

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