Film Blick hinter die Kulissen - «Leb wohl, meine Königin!»

Berlin - Protz und Prunk, Lust und Luxus. So sieht das Leben von Königin Marie Antoinette am französischen Hof aus. Doch die Tage der Monarchin sind gezählt.

Blick hinter die Kulissen - «Leb wohl, meine Königin!» (Foto)
Blick hinter die Kulissen - «Leb wohl, meine Königin!» Bild: dpa

In seinem Film «Leb wohl, meine Königin!» erzählt Regisseur Benoit Jacquot («Schule des Begehrens») mit der deutschen Hollywoodschauspielerin Diane Kruger in der Titelrolle von den dramatischen Ereignissen zu Beginn der Französischen Revolution im Juli 1789 - aus der Sicht der Diener im Schloss von Versailles.

Hinter der prachtvollen Fassade ist das Leben für die Bediensteten alles andere als rosig. Ungewaschen springt Marie Antoinettes persönliche Vorleserin Sidonie (Léa Seydoux) morgens in ihre zerschlissenen Kleider, um so schnell wie möglich in die Gemächer der Königin zu kommen. Dort kann sie sich dann aber nicht richtig auf das Vorlesen konzentrieren. Überall juckt es sie. Kein Wunder: In ihrem kargen Schlafkämmerchen krabbelt das Ungeziefer. Und draußen in den Seen des Schlossparks schwimmen tote Ratten.

Der französische Filmemacher Jacquot bietet dem Zuschauer keine Geschichtslektion, sondern pralles, sinnliches Kino. Dabei schreibt er Marie Antoinette ganz ungeahnte Leidenschaften zu. Virginie Ledoyen («8 Frauen») ist in der Rolle der Herzogin Gabrielle de Polignac zu sehen - einer sehr intimen Vertrauten von Marie Antoinette.

«Es gibt viele Menschen, die sehr genaue Vorstellungen von Marie Antoinette haben, wie sie aussah, dass sie verwöhnt war, total daneben», sagte Kruger («Inglourious Basterds», «Barfuß auf Nacktschnecken»), als der Film zum Auftakt der Berlinale 2012 seine Weltpremiere feierte. «Ich habe versucht, sie nicht zu verurteilen.» Der Film, der Fakten und Fiktion vermischt, zeigt Marie Antoinette als Frau, die sich zu Frauen hingezogen fühlt. «Ich persönlich glaube nicht, dass sie lesbisch war. Aber ich weiß es nicht genau», meinte Kruger.

Vorleserin Sidonie, die «ihre» Königin sehr verehrt, ist am Ende bereit, ihr Leben für die skrupellose Herrscherin zu riskieren. Doch das Leben der Königin endete neun Monate nach der Hinrichtung ihres Gatten Ludwig XVI. (Xavier Beauvois) im Oktober 1793 auf dem Schafott.

Marie Antoinettes Schicksal war Stoff von bereits zahllosen Filmen. Zuletzt ließ im Jahr 2006 zum Beispiel US-Regisseurin Sofia Coppola die US-Schauspielerin Kirsten Dunst als verspielte, fast unschuldig wirkende Königin in einer pastelligen Pop-Version der Geschichte auftreten. Jacquots nach dem preisgekrönten Roman von Chantal Thomas entstandene Auseinandersetzung mit der historischen Figur ist ernsthafter, doch der Erzählfluss gerät immer wieder ins Stocken. So gestalten sich die letzten Tage am Hof trotz prächtiger Ausstattung etwas zäh.

Leb wohl, meine Königin

news.de/dpa

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