Musik Quo vadis Elbphilharmonie?

Hamburg - Der Besucherandrang ist schon jetzt riesig. Die sonntäglichen Baustellenführungen sind mehrere Wochen im Voraus ausgebucht, kürzlich fragte ein Leser in einer Programmzeitschrift, ob er schon Karten bestellen könne.

Quo vadis Elbphilharmonie? (Foto)
Quo vadis Elbphilharmonie? Bild: dpa

Nein, kann er leider nicht.

Denn noch ist völlig offen, wann die Elbphilharmonie eröffnet wird. Seit einem halben Jahr ruhen nun schon die Arbeiten auf Hamburgs berühmtester Baustelle, weil die Stadt Hamburg und der Baukonzern Hochtief heillos zerstritten sind. Vor sechs Wochen stellte die Stadt Hochtief ein Ultimatum. Sollte das Dach über dem großen Konzertsaal nicht bis zum 31. Mai abgesenkt worden sein, werde die Stadt von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch machen.

Nach außen beteuern beide Parteien seit Monaten, weiter zusammenarbeiten zu wollen. «Wir sprechen auf verschiedenen Ebenen mit der Stadt über Lösungen für das Projekt. Wir melden uns, wenn es einen neuen Sachstand gibt», teilte Hochtief-Sprecher Bernd Pütter auf Anfrage mit. Und auch in der Hamburger Kulturbehörde heißt es weiterhin: «Seit Monaten gibt es auf allen Ebenen zahlreiche Gespräche mit dem Ziel, eine Lösung mit Hochtief für eine Wiederaufnahme der Bautätigkeit zu finden. Grundlage sind die zwischenzeitlich bereits geeinigten Punkte, die die Stadt in ihrem Verhandlungsangebot zusammengefasst hat», sagte Sprecher Enno Isermann vor dem Pfingstwochenende.

Nach dem Plan der Stadt sollen die Komplexe Haustechnik und Weiterbau des Daches aufgesplittet werden. Die Stadt und damit deren Architekt Herzog & de Meuron soll die komplette Planung für die Haustechnik übernehmen, während Hochtief die Verantwortung für das Dach bekomme. Dessen Sicherheit hatte der Konzern massiv angezweifelt. Zudem solle ein dreiköpfiges Schiedsgericht eingerichtet werden, das über Streitpunkte entscheidet und damit die zahlreichen Gerichtsprozesse überflüssig macht. Im Mittelpunkt stehe dabei die Frage, wer die um mehrere Jahre verlängerte Bauzeit zu verantworten hat und wer die Kosten dafür trägt.

Doch kurz vor dem Ablauf des Ultimatums verdichten sich die Gerüchte, dass die verantwortliche Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) die Absicht hat, Hochtief zu kündigen und die Baukoordinierung selbst in die Hand zu nehmen. Auch Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hatte schon Anfang März über diese Option öffentlich nachgedacht: «Der Bau darf nicht noch teurer werden. Wir haben uns fest vorgenommen, uns vor keiner Option zu erschrecken», sagte Scholz dem «Hamburger Abendblatt». «Wir können die Elbphilharmonie ja auch allein zu Ende bauen.» Ohne Hochtief würde es «dann nur eben länger dauern». Damals wollte er den Satz noch nicht als eine Ankündigung missverstanden wissen.

Die Frage ist nur, wird dann alles besser mit der Elbphilharmonie? Sollte ein anderes Bauunternehmen einspringen, was sehr unwahrscheinlich ist, müssten sich die Verantwortlichen erst einmal in die höchst komplexe Materie einarbeiten. Das hätte weitere Verzögerungen zur Folge, die noch mehr Geld kosten. Sollte die städtische Realisierungsgesellschaft (Rege) die Regie allein übernehmen, bleibt die Frage, ob sie den Anforderungen dieses hoch komplizierten Bauwerks gewachsen ist. «Sollte es so kommen, dass die Rege nach einer möglichen Trennung von Hochtief die Funktion des Generalunternehmers übernimmt, droht uns ein Desaster wie beim Flughafen Berlin. Denn die Rege ist offenbar nicht in der Lage, diese Funktion auszufüllen», prophezeit schon jetzt Eva Gümbel, Obfrau der Grünen im Untersuchungsausschuss Elbphilharmonie.

Elbphilharmonie

news.de/dpa

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