Museen «Sixtinische Madonna» im Rampenlicht

Dresden - Spot an für die «schönste Frau der Welt»: Mit einer Sonderausstellung rücken die Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) ihr bekanntestes Gemälde für drei Monate ins Rampenlicht.

«Sixtinische Madonna» im Rampenlicht (Foto)
«Sixtinische Madonna» im Rampenlicht Bild: dpa

«Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500» mit mehr als 250 Exponaten illustriert die Geschichte des Werkes der Gemäldgalerie Alte Meister von der Entstehung in der römischen Renaissance bis zum globalen Mythos in der Gegenwart. SKD-Generaldirektor Hartwig Fischer sprach am Freitag vor der Eröffnung von einem hochspannenden Parcours, der die Wirkung des Bildes in ganz neuem Licht erscheinen lasse. Er zeige zugleich, wie das Bild ab 1754 in der Dresdner Gemäldegalerie in der allgemeinen Wahrnehmung zum Meisterwerk wurde.

«Die Sixtinische Madonna» ist neben Leonardo da Vincis «Mona Lisa» im Pariser Louvre das berühmteste Gemälde der Renaissance und die einzige Altartafel von Raffael (1483-1520) in Deutschland. Die Schau beleuchtet das frühe Oeuvre des Künstlers, Entstehung und Umfeld der Sixtina, den Ankauf für Dresden, die Wahrnehmung des Bildes, seine Verbringung nach Russland am Ende des Zweiten Weltkrieges und die Rückkehr in die DDR. Auf der Grundlage neuer Forschung und mit Leihgaben aus Museen im In- und Ausland zeugen Zeichnungen, Gemälde, Dokumente und Gegenstände von Geheimverhandlungen, glanzvoller Präsentation, Vergessenheit und internationalem Ruhm, künstlerischen Entdeckungen und abgründigem Kitsch.

«Wir zeigen, wie neben der Hochkultur populäres Kunsthandwerk und frühe Massenmedien die Sixtina auch in Bürgerhaushalte trugen, dass sie nicht nur ein Kultbild in sakralem Sinne ist, sondern wie sie zum Mythos wurde» sagte Kurator Andreas Henning. Das 2,69 mal 2,01 Meter messende prominente Gemälde als «Herz der Schau» präsentiert sich erstmals im neuen vergoldeten Rahmen mit neuer Verglasung. Mangels Original wurde ein Tabernakelrahmen aus Oberitalien materialtechnisch kopiert. Wie einst in der Klosterkirche von San Sisto geht der Besucher in dem ähnlich gestalteten Gobelinsaal darauf zu, durch ein Spalier von Kabinetten.

Sie zeigen Raffaels frühes Oeuvre in Rom wie Zeichnungen mit Motivstudien, die mit der Sixtina zu tun haben, erklärte Henning. Das kurz vor ihr entstandene und rechts der Sixtina platzierte Ölgemälde «Donna Velata» als Inspiration für die «schönste Frau der Welt» erlaube den direkten Vergleich. Briefe und andere Dokumente erhellen die Auftraggeberschaft von Papst Julius II. Einen direkten schriftlichen Beleg gibt es nicht. Erstmals öffentlich zu sehen sind Dokumente aus sächsischen und italienischen Archiven zu dem zwei Jahre dauernden schwierigen Ankauf des Bildes für den sächsischen Kurfürsten und polnischen König August III.

Auf dem weiteren Rundgang erfährt der Besucher, dass Raffaels Bild lange im Schatten von Correggios «Heilige Nacht» stand und im 19. Jahrhundert als Reproduktion in deutschen Familienzeitschriften wie «Die Gartenlaube» populär und gar zur politischen Karikatur wurde. Die letzte Sektion ist den Schicksalsjahren des Bildes im 20. Jahrhundert gewidmet - Auslagerung im Zweiten Weltkrieg, Abtransport nach Russland 1945 und Rückkehr 1956. Dokumente widerlegten dort die «Rettungslegende», nach der das schlecht ausgelagerte Gemälde in Moskau restauriert wurde. «In den Papieren steht: Rettungszustand gut», sagte Henning.

Eine Vitrine veranschaulicht dann die Kehrseite der weltweiten Popularität - die Engel der Sixtina auf Werbeartikeln, Souvenirs und Alltagsgegenständen. Die Palette reicht vom Raumspray «good air» bis zu Klopapier. Laut Henning soll die Präsentation auch dazu anregen, ernsthaft über die beiden am unteren Bildrand der «Sixtinischen Madonna» lümmelnden Knaben nachzudenken, die seit 200 Jahren als eigenständiges Bildmotiv genutzt werden. Henning hofft, dass die Schau sie im öffentlichen Bewusstsein wieder mit der Sixtina verbindet. Die im Jubiläumsjahr von der Deutschen Post und dem Vatikan aufgelegten Briefmarken lenken die Aufmerksamkeit bereits auf einen anderen Ausschnitt: die Madonna mit Kind.

Informationen zur Ausstellung

news.de/dpa

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