Film Robert Pattinson stellt in Cannes «Cosmopolis» vor

Cannes - Michael Haneke. Dieser Name ist beim Filmfestival Cannes am häufigsten zu hören, wenn es um den Favoriten für die Goldene Palme geht.

Robert Pattinson stellt in Cannes «Cosmopolis» vor (Foto)
Robert Pattinson stellt in Cannes «Cosmopolis» vor Bild: dpa

Wenn es nach den Kritikern ginge, bekäme der Österreicher am Sonntagabend wohl den begehrten Hauptpreis für sein berührendes Drama «Liebe». Am Freitag konnten sich aber erst einmal zwei andere Männer feiern lassen: Regisseur David Cronenberg stellte seine Don DeLillo-Verfilmung «Cosmopolis» vor - und brachte Hauptdarsteller Robert Pattinson mit, der für jede Menge Kreischalarm bei den weiblichen Fans sorgte.

Mit «Cosmopolis» versucht der 26-jährige Pattinson einmal mehr von seinem Mädchenschwarm-Image von «Twilight» wegzukommen und sich als ernstzunehmender Schauspieler zu präsentieren. Er spielt den Milliardär Eric Parker, der in einer Stretch-Limousine durch New York fährt, an der Börse zockt, Geld verliert, Frauen zum schnellen Sex trifft und von Kapitalismusgegnern angegriffen wird. «Manchmal hat es sich angefühlt, als würden wir eine Dokumentation drehen», erinnerte sich Cronenberg: Tagsüber filmten sie Protestszenen, abends sahen sie Berichte über die aktuelle Occupy-Bewegung. «Das war sehr bizarr und seltsam.»

Hatte DeLillos im Jahr 2003 erschienener Roman wegen seiner Kritik an Börsenspekulationen und Millionenverlusten allerdings fast etwas Prophetisches, scheint der Film angesichts aktueller Ereignisse nun nichts wirklich Neues zu zeigen. Und doch kreiert der Kanadier Cronenberg («Eine dunkle Begierde») in der Limousine eine abgeschottete, etwas klaustrophobisch wirkende Welt rund um den gefühlskalten Neureichen, die durchaus ihren Sog entwickelt.

Deutlich wirkungsvoller war dagegen Michael Hanekes «Liebe» - der Favorit auf die Goldene Palme. Das Drama beschäftigt und bewegt zahlreiche Kinogänger noch lange nach seiner Premiere vor rund einer Woche, erzählt es doch in ruhigen Bildern die Geschichte eines alten Ehepaares, das mit einer schweren Krankheit der Frau und ihrem langsamen Verfall klarkommen muss. Haneke inszeniert das unsentimental, schafft so aber eine enorme Emotionalität und Wucht.

Als weiterer Favorit kann sich der Rumäne Cristian Mungiu Hoffnungen auf die Goldene Palme machen. Auch in seinem Drama «Beyond the Hills» geht es um Liebe, hier allerdings um die zweier junger Frauen, von denen die eine nicht ohne die andere leben kann. Doch als sie ihre Freundin aus einem Kloster holen will, kommt es in dem streng orthodoxen Umfeld zur Katastrophe.

Bemerkenswert ist zudem die hohe Anzahl an Schauspielern, die mit ihrem starken Spiel überzeugen und in Erinnerung bleiben konnten. Neben den Frauen aus «Beyond the Hills» sind das zum Beispiel die Französin Marion Cotillard, die in «Rust & Bone» nach einem schweren Unfall zurück ins Leben finden muss, und Nicole Kidman als sexy-aufgedonnerte Verlobte eines verurteilten Mörders in «The Paperboy». Bei den Männern könnten Jean-Louis Trintignant - der Ehemann aus «Liebe» - oder der Däne Mads Mikkelsen als zu unrecht beschuldigter Kinderschänder aus «The Hunt» das Rennen auf den Darstellerpreis machen.

Völlig unvorhersehbar sind dagegen die Chancen für «Holy Motors» des Franzosen Leos Carax. Dieser Film über einen Mann, der im Laufe eines Tages in verschiedene Rollen schlüpft, gilt nicht nur wegen seines ungemein wandlungsfähigen Hauptdarstellers Denis Lavant als Geheimtipp für die Goldene Palme. Verrückt, durchgeknallt, aber mit nicht minder einprägsamen Bildern - so könnte «Holy Motors» am Ende in Cannes triumphieren.

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news.de/dpa

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