Musik Wise Guys: Frecher A-cappella-Gesang aus Köln

Köln - Sie selbst sprechen von «selbst gemachter Popmusik ohne Instrumente». Aber mit ihrem neuen Album «Zwei Welten» wagen die Wise Guys nun ein Experiment und erfüllen sich zugleich einen lang gehegten Wunsch.

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Wise Guys: Frecher A-cappella-Gesang aus Köln Bild: dpa

«Wenn ich Songs schreibe, entsteht die Musik immer zuerst im Kopf. Manchmal höre ich da ein schönes Klavier oder auch ein amtliches Schlagzeug. Und das wollen wir jetzt auch wieder spielen lassen!», erklärt Daniel, genannt «Dän», Dickopf.

Jetzt ist der erste Teil des neuen Albums «Zwei Welten» erschienen - als reine Gesangs-Version. Im Herbst soll dann separat die zweite Welt mit Instrumenten folgen. Ob dies bedeutet, dass die A-cappella-Formation bald ihr «ohne Kapelle» streichen wird, bleibt offen: «Das ist ein Projekt und wir sind auf die Rückmeldung der Fans gespannt», erklärt Dän Dickopf.

Außer ihm gehören zu den Wise Guys noch Edzard Hüneke, Marc Sahr und Nils Olfert. Der Bassist Ference Husta wird nach 17 Jahren künftig eigene Wege gehen. Die Wise Guys entstanden Anfang der 90er Jahre als Rockband im bürgerlichen Köln-Sülz. Hier bekamen sie auch ihren Namen. Ein paar Lehrer hielten sie für Besserwisser - englisch Wise Guys. Als die Schlaumeier merkten, dass ihre ersten, rein vokal aufgeführten Lieder gut ankamen, setzten sie ganz bewusst auf diesen Stil.

Mittlerweile wiederholen sie Jahr für Jahr im Kölner Tanzbrunnen ihren offiziellen Zuschauer-Weltrekord bei einem reinen Vokalkonzert: 12 500 Zuhörer. Aber auch ihr wochenlanges Verweilen in den Top-Ten-Albumcharts und zwei Goldene Schallplatten sind Zeichen des Erfolgs. Ironisch versucht das Plattenmanagement sie aber immer noch als den «bekanntesten Geheimtipp» Deutschlands zu verkaufen.

Mit ihrer neuen Plattenfirma, dem Marktführer Universal Music, wollen die Wise Guys nun noch bekannter und mit dem orchestrierten Pop-Album auch massentauglich werden. Ihren Witz und Intellekt verlieren sie dabei nicht: Im Musikvideo rappen sie im Kölner Vorort Hürth verkleidet als «Aggro Hürth»-Gangster über die Tristesse eines Mittelstands-Jugendlichen, der so gern ein Ghetto-Kid wäre. Oder sie singen von den Problemen, die sie selbst als Männer über vierzig vielleicht am Eingang einer Diskothek erlebt haben, wenn der Türsteher fragt «Willste rein oder holste deine Tochter ab?» Neben einem für den Humor der Band typischen Bahn-Beschwerde-Song und dem obligatorischen Sommerhit fehlt aber auch die nachdenkliche, manchmal traurige Seite der Wise Guys nicht.

Ihrer Vielseitigkeit verdanken die Wise Guys, dass sie eine ungewöhnlich breite Fangemeinde haben. «Ich weiß auch nicht warum, aber wir sind eine Drei-Generationen-Band», sagt Daniel Dickopf. «In den ersten Reihen stehen immer jede Menge Teenies, weiter hinten auf den Stühlen sitzt viel älteres Publikum, oft sind aber auch Kinder dabei.»

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news.de/dpa

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