Fernsehen «Dies ist kein Film» von Jafar Panahi bei Arte

Berlin - Wie ergeht es einem Menschen, der vor Gericht steht, nur weil er seine Meinung gesagt hat? Das Videotagebuch «Dies ist kein Film» des iranischen Regisseurs Jafar Panahi gibt darauf eine eindringliche Antwort.

«Dies ist kein Film» von Jafar Panahi bei Arte (Foto)
«Dies ist kein Film» von Jafar Panahi bei Arte Bild: dpa

Der Filmemacher dokumentiert darin «einen emotional aufwühlenden Tag in seinem monatelangen Warten auf den endgültigen Urteilsspruch», wie der Kultursender Arte in der Programmankündigung zum Film schreibt. An diesem Mittwoch (23.10 Uhr) ist das ungewöhnliche Werk bei Arte zu sehen.

Mittlerweile ist der 51-jährige Panahi in seinem Land zu einer sechsjährigen Haftstraße verurteilt worden; auch ein Berufungsgericht bestätigte die Strafe. Sein Vergehen: Er soll gegen die nationale Sicherheit verstoßen und Propagandafilme gegen die Islamische Republik gedreht haben. Panahis Anwälte konnten jedoch seinen Gang ins Gefängnis bisher verhindern.

Beobachter in Teheran glauben, dass die Justiz sowieso wenig Interesse daran habe, Panahi wirklich hinter Gitter zu bringen, weil der Fall inzwischen eine so große internationale Aufmerksamkeit genießt. Dennoch ist das Urteil - das Panahi außerdem den Kontakt zur Presse verbietet und ihm für 20 Jahre untersagt, seinen Beruf auszuüben und zu reisen - weiterhin gültig. Panahis Co-Regisseur Mojtaba Mirtahmasb muss wegen regimekritischer Äußerungen nach Arte-Informationen eine Haftstrafe von sechs Monaten verbüßen.

Den 75-Minuten-Beitrag «Dies ist kein Film» ließ er, gespeichert auf einem USB-Stick, in einem Kuchen ins Ausland schmuggeln. Das Werk wurde dann erstmals im Mai 2011 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes gezeigt. Er ließ damals erklären, er habe bewusst keinen politischen Film gedreht.

Grünen-Chefin Claudia Roth sagte damals, die iranische Justiz sei «der verlängerte Arm einer korrupten Unterdrückungsmaschinerie». Panahis Verurteilung verfolge allein das Ziel, die iranischen Kulturschaffenden verstummen zu lassen.

Die Dokumentation beobachtet Panahi in seinem Zuhause im Iran. Er spricht darin über einige seiner Filme, über das Filmen im Allgemeinen und die iranische Zensur, unter der er beruflich und emotional leidet.

Panahi ist einer der international bekanntesten unabhängigen iranischen Filmregisseure. Er hat auch einige Spielfilme gedreht. Sein Debüt, «Der weiße Ballon» (1995), wurde in Cannes mit der «Caméra d'Or» ausgezeichnet, «Der Kreis» (2000) mit dem Goldenen Löwen bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig und «Offside» (2006) auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären.

Arte zu «Dies ist kein Film»

news.de/dpa

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