Film Im Dauerlauf quer durch Europa - «I want to run»

Berlin - Warum tut sich jemand das an: In 64 Tagen knapp 4500 Kilometer von Süditalien bis zum Nordkap in Norwegen zu laufen? Im Schnitt müssen täglich 70 Kilometer zurückgelegt werden, auf Straßen mit Autos und Lastwagen, anfeuerndes Publikum gibt es so gut wie nicht, übernachtet wird in Turnhallen.

Im Dauerlauf quer durch Europa - «I want to run» (Foto)
Im Dauerlauf quer durch Europa - «I want to run» Bild: dpa

Regisseur Achim Michael Hasenberg versucht in seiner Dokumentation «I want to run - das härteste Rennen der Welt», diese Frage zu beantworten und hat acht Teilnehmer des Trans-Europalaufs 2009 begleitet - ein Film für Laufenthusiasten.

Joachim Hauser läuft gegen seine Multiple Sklerose an, zwei schwedische Offiziere sind auf Befehl dabei und haben die Auflage, sich nicht zu trennen. Achim Heukemes ist Profi-Sportler und hat schon andere Extremläufe hinter sich. Robert Wimmer gewann den Europalauf 2003 und will seinen Titel verteidigen. Elke Streicher spricht von einer Herausforderung und einem Abenteuer. Der Franzose Stéphane Pélissier will etwas Unmögliches schaffen, die Japanerin Hiroko Okiyama den Lauf dieses Mal unbedingt beenden.

Deutlich wird, welche große Rolle Psyche und Willen bei einer derartigen Extrem-Erfahrung spielen. Immer wieder sprechen die Läufer von «mentaler Härte», dass sie «alles mit dem Kopf gemacht» haben und sich immer wieder einredeten «ich bin stark, ich bin stark». «Deshalb können Läuferinnen oder auch ein 60-Jähriger, mit zweifelsohne geringerer körperlicher Leistung als beispielsweise ein 26-jähriger Mann, durchaus ernsthafte Gegner sein. (...) Bei welcher anderen Sportart gibt es so etwas?», fragt Hasenberg im Presseheft.

Der Film will seinen Protagonisten nahekommen und mehr als eine Sportreportage sein. Doch wirklich nachvollziehen lassen sich die Motive nur bei den wenigsten. Manche Aussage der Läufer wirken wie Phrasen. Vielleicht laufen viele einfach, um zu laufen. Kameramann Christoph Sebastian Rose nennt es im Presseheft dann auch eine Obsession. Als Zuschauer staunt man über Leidensbereitschaft und Hingabe. Nach einiger Zeit wirken die Bilder von Läufern auf Straßen allerdings monoton, dem Film fehlt ein Spannungsbogen, vieles bleibt oberflächlich. Auch weniger oder zurückhaltendere Musik wäre vielleicht besser gewesen.

Nicht nur die unendlichen Kilometer, auch Wetter, Anstiege und Autos machen den Läufern zu schaffen. Achim Heukemes bringt es auf bodenständige Weise immer wieder auf den Punkt, beispielsweise als die Sportler in Nordnorwegen bei vier Grad, Wind und Regen unterwegs sind: «Das ist die Hölle.» Einer der Schweden läuft fast das gesamte Rennen mit einer Entzündung im Bein. Die Japanerin muss kurz vor dem Ziel aufgegeben und sagt weinend nur noch: «I want to run.» Am Ende kommen von 67 Startern 39 Männer und sechs Frauen am Nordkap an. Erster wird mit sehr großem Vorsprung Rainer Koch in unglaublichen 378 Stunden, 12 Minuten und 44 Sekunden.

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Trans-Europalauf

news.de/dpa

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