Fernsehen Roman Lob will beim ESC unter die ersten Zehn

Baku - Roter Teppich für Roman Lob: «Unser Star für Baku» hat die ersten Proben beim Eurovision Song Contest (ESC) in der sonnigen aserbaidschanischen Hauptstadt hinter sich.

Roman Lob will beim ESC unter die ersten Zehn (Foto)
Roman Lob will beim ESC unter die ersten Zehn Bild: dpa

Der gelernte Industriemechaniker ist begeistert vom Glamour der Stadt am Kaspischen Meer, die Besucher gern als eine Mischung aus Paris und Dubai loben. Die Proteste der Opposition gegen die autoritäre Führung in Baku sind für ihn wie für alle anderen ESC-Teilnehmer aber weit weg. Der 21-jährige Sänger aus Neustadt (Wied) in Rheinland-Pfalz lief bei der ESC-Eröffnungszeremonie am Samstag im Euroclub über einen roten Teppich vorbei an jubelnden Fans. Wie sich Roman Lob beim Finale am 26. Mai unter den 26 Anwärtern schlägt, wird sich zeigen. Er selbst nennt als Ziel die ersten Zehn. Da sehen ihn auch die Experten.

Doch die Konkurrenz in diesem Jahr etwa aus Russland, Schweden und Norwegen gilt als extrem stark - traditionell mit einem musikalischen Mix aus härterem und weicherem Rock, Balladen, Discosound und Folklore-Pop. Allein ums Singen und um die Stimme ging es aber bei dieser Musikolympiade noch nie. Grand Prix ist vor allem auch Showtime.

Bei der Eröffnungsparty rissen vor dem ersten Halbfinale an diesem Dienstag (22. Mai) auch die österreichische Combo Trackshittaz mit der Gaudinummer «Woki mit deim Popo» das Publikum mit. Bei einem stimmgewaltigen Auftritt überzeugte Rona Nishliu mit ihrer Ballade «Suus» für Albanien. In der von Deutschen gebauten neuen überdachten Arena Crystal Hall direkt am Meeresufer haben inzwischen alle 42 Kandidaten ihre ersten Proben gemeistert.

Auch Engelbert Humperdinck, der international mit Abstand bekannteste ESC-Teilnehmer, studierte seine Ballade «Love Will Set You Free» auf der Riesenbühne ein. Mit seinen 76 Jahren ist Humperdinck nicht der einzige Grand-Prix-Star im Seniorenalter.

+Für deutlich mehr Aufsehen sorgen sechs russische Omas aus dem Wolga-Dorf Buranowo. Die Buranowskije Babuschki zwischen 43 bis 76 Jahren sagen zwar, dass ihnen der Sieg nicht wichtig sei. Dabei sein ist für sie alles. Aber die schrille Ethno-Pop-Nummer «Party for Everybody» wird von vielen hoch gehandelt. Auf dem Roten Teppich zeigten sich die Omis trotz sommerlicher Temperaturen mit dicken leuchtenden Trachtenkostümen und Kopftüchern der Region Udmurtien.

Die politische Prominenz verzichtete auf einen Bühnenauftritt bei der Eröffnungszeremonie. Wegen der internationalen Aufmerksamkeit zum ESC hatten die Opposition sowie westliche Politiker der autoritären Führung schwere Menschenrechtsverstöße vorgeworfen. Der Deutsche Ingo Petz von der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) sagte in Baku, dass aserbaidschanische Journalisten weiter Gewalt ausgesetzt seien und in einem Klima der Angst und Selbstzensur arbeiten müssen.

«Es ist richtig, dass diejenigen, die sich für Meinungsfreiheit und Demokratie in Aserbaidschan einsetzen, den ESC als Bühne nutzen, um auf Missstände hinweisen», sagte Petz. Abseits der Partystimmung beim ESC besuchten zuletzt mehrere deutsche Politiker Baku. Das öl- und gasreiche Aserbaidschan leiste sich zwar eine glänzende Innenstadt mit Fußgängertunnels aus Marmor, doch komme von dem Reichtum bei den Menschen kaum etwas an, sagte der Bundestagsabgeordnete Heinrich Frank (CDU).

«Dabei gehören diese Rohstoffe allen im Land als körperschaftliches Eigentum», betonte der Politiker. Frank hatte vor seiner Abreise am Samstag auch einige Regierungskritiker in einem Außenbezirk Bakus besucht, die dort aus Protest gegen die Inhaftierung von Oppositionellen seit Tagen im Hungerstreik sind. Der Westen hatte vor dem ESC immer die Freilassung der politischen Gefangenen gefordert. Zwölf von ihnen sitzen aber weiter. Der ESC und die Zeit danach würden zeigen, sagte Frank, ob es die autokratische Führung ernst meint mit ihrer Orientierung nach Westen.

Eurovision in Baku

ESC-Seite, international

Informationen des Auswärtigen Amtes über Aserbaidschan

news.de/dpa

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