Musik Comeback aus dem Lehrbuch: Seelenmassage von Spain

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Comeback aus dem Lehrbuch: Seelenmassage von Spain Bild: dpa

Berlin - Mit dem ersten einsamen Basslauf zum Auftakt des neuen Albums ist alles wieder da, was man an der US-Band Spain so liebte. «The Soul Of Spain» berührt und bezaubert.

Ein grandioses Comeback, das für zehn lange Jahre ohne neue Songs von Band-Boss Josh Haden entschädigt.

Seit dem dritten Spain-Album «I Believe» (2001) hatte sich der Sohn des weltberühmten Jazz-Bassisten Charlie Haden sehr rar gemacht. Mit dem Debüt «The Blue Moods Of Spain» (1995) und dem Nachfolger «She Haunts My Dreams» (1999) prägte sein Bandprojekt das Slowcore-Genre. Josh Hadens sparsam instrumentierte Zeitlupen-Songs zwischen Folkrock, Blues und Indie-Pop eroberten ein Feinschmecker-Publikum. Bands wie Low, Tindersticks, Lambchop oder Cowboy Junkies sind teilweise bis heute mit Erfolg auf ähnlichem Kurs unterwegs.

Den Ritterschlag erhielt Haden, als seine prachtvolle Ballade «Spiritual» vom großen alten Johnny Cash für die «American Recordings» gecovert wurde. Spain jedoch waren irgendwann weg vom Fenster. «Für ein paar Jahre ging ich zurück zur Schule, ein paar Jahre lang machte ich keinen Ton Musik», erzählt Josh in einem Interview (hennissey.piranha.tv) zum neuen Album. Ärger mit Plattenlabels und die mühsame Arbeit an einer Solo-Platte verzögerten den Neubeginn des Projekts.

Haden - ein virtuoser Bassist wie sein Vater - hatte zudem Mühe, für den reduzierten Spain-Sound einen so uneitlen wie fähigen Gitarristen zu finden. «Denn obwohl ich die anderen Mitspieler ja hatte, mussten wir einige Gitarristen ausprobieren, die tatsächlich mehr Soli wollten, als für die Musik richtig ist. Letztlich haben wir ihn dann gefunden - und wenn wir ihn nicht gefunden hätten, dann würde ich noch Jahre weitersuchen», erzählt der 44-Jährige.

Zum Glück entdeckte Haden in Daniel Brummel genau den richtigen Mann für die feinfühligen Sechssaiter-Töne. Außerdem bilden Pianist Randy Kirk und Drummer Matt Mayhall die fabelhafte aktuelle Spain-Besetzung. Wie schon früher, sind auch die Haden-Schwestern Petra, Rachel und Tanya - allesamt selbst bekannte Indiepop-Musikerinnen - im Hintergrund von «The Soul Of Spain» aktiv.

Das neue Album (erstmals bei dem vor Stolz fast platzenden ostwestfälischen Label Glitterhouse veröffentlicht) führt nun den traditionell entschleunigten Spain-Sound und behutsam eingebaute neue Elemente in ungeahnte Höhen. Traumhafte Gitarrenfolk-Balladen (etwa das vom Background-Gesang der Haden-Schwestern veredelte «Falling» oder «Walked On The Water»), Pianopop-Schleicher («Sevenfold») und beseelte Blues-Epen («Hang Your Head Down Low») präsentieren die Band noch auf gewohntem Terrain.

In zwei an Neil Young & Crazy Horse erinnernden, rauen Songs ziehen Spain das Tempo überraschend deutlich an. «Because Your Love» und «Miracle Man» wurden von Puristen auch sogleich kritisch kommentiert. «Ein Freund warnte mich: Mach das Spain-Konzept nicht kaputt», sagt Josh Haden. «Doch ich antwortete nur: Vielleicht sind die Songs ein wenig schneller, aber es sind immer noch Spain-Songs.» Wohl wahr. Auch druckvoll spielen können Haden & Co - besseren Gitarrenrock wird man dieses Jahr nur schwerlich hören.

Das ureigenste Feld von Spain sind aber auch weiterhin die schwerelos dahinfließenden, leicht jazzigen, von Josh Haden mit sanfter Samtstimme gesungenen Slowsongs wie der Opener «Only One». Wie die Band hier in knapp sechs wunderschönen Minuten ohne große Soli oder Arrangement-Sperenzchen Spannung und Drama erzeugt, das wirkt so unangestrengt und ist doch so kompliziert. Im anschließenden «Without A Sound» darf Pianist Kirk brillieren, aber gerade soviel, dass es nicht aufdringlich muckerhaft, sondern meisterhaft wirkt.

«The Soul Of Spain» ist ein Comeback aus dem Lehrbuch, es spiegelt Kontinuität und künstlerische Weiterentwicklung. Wer diese elf Songs in Ruhe hört (Obacht: die Platte will am Stück genossen werden und nicht in Schnipseln!), der dürfte dem Seelenfrieden tatsächlich ein Stück näher kommen.

Eines der Alben des Jahres, schon jetzt. Und ein künftiger Klassiker des Genres.

Konzerte: Spain treten am 17. Mai im Berliner Lido auf und sind am 27. Mai Headliner beim Orange Blossom Festival des Glitterhouse-Labels in Beverungen (Nordrhein-Westfalen)

Website

news.de/dpa

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