Fernsehen Sprinter - Haltlos durch die Nacht

Berlin - Zwei Szenen, die sich so jeden Tag im Berliner Hauptbahnhof ereignen können: Eine Frau stöckelt auf High Heels in das monströse Glasgebäude, setzt sich in ein Lokal und nippt an einer Tasse Kaffee.

Sprinter - Haltlos durch die Nacht (Foto)
Sprinter - Haltlos durch die Nacht Bild: dpa

Gleichzeitig trennt sich ein Mann im Streit von seiner eifersüchtigen Freundin.

Die beiden Hauptfiguren werden ganz unweigerlich schicksalhaft zusammengeführt. Der ARD-Film «Sprinter - Haltlos durch die Nacht» an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) ist von Spannung, ein wenig Liebe und viel Chaos genährt.

Eva Waltz (Claudia Michelsen) ist die geheimnisumwobene Frau, Henk Madsen (Jens Albinus) der etwas durcheinander geratene Mann mittleren Alters, der im Zug nach Frankfurt neben Eva Waltz Platz nimmt. Sofort beginnt er, hektisch zu telefonieren. «Entschuldigung», sagt Madsen nach dem Gespräch. «Ich war beruflich in Berlin und wollte nur meiner Frau Bescheid sagen...» Eva Waltz denkt sich ihren Teil, hat sie doch ihren Platznachbarn zuvor im Bahnhof im heftigen Wortgefecht mit der anderen Frau beobachtet.

Dann der Schock: Der Zug Richtung Frankfurt ist ein «Sprinter», der keinen Halt in Wolfsburg einlegt, wie Madsen erwartet hat. Also muss er seiner Frau am Telefon beichten, dass er erst am nächsten Morgen nach Hause zurückkehren wird. Und das ausgerechnet am Hochzeitstag! In Frankfurt angekommen, erwischt es ihn noch dicker. Ihm und Eva Waltz werden von Motorradräubern die Taschen gestohlen. Er verliert sein Hochzeitstaggeschenk, sie ein offenbar wertvolles Bild.

Was es damit auf sich hat und in welchen Kreisen Eva (bald duzen sich die zwei) wirklich verkehrt, erfährt der Zuschauer sukzessive. Das Vorhaben, einen Liebesfilm und einen Thriller in ein rundes Stück zu packen, ist Autorin und Regisseurin Petra K. Wagner nur zum Teil geglückt. Die Spirale beginnt sich zu drehen, wird aber dramaturgisch durch Leerlauf unterbrochen, und zum Schluss, wenn die Spannung auf dem Siedepunkt sein sollte, bleibt die dicke Überraschung aus. Es mangelt an Raffinesse und an Effekten.

Ungewöhnlich die Besetzung: Mit dem 47-jährigen Jens Albinus ist in die männliche Hauptrolle ein Pfarrerssohn von der dänischen Insel Fünen geschlüpft. Albinus hat bereits in Lars-von-Trier-Produktionen mitgewirkt und ist im Fernsehen durch die Krimireihe «Der Adler» (ZDF) bekannt. Auch im ARD-Film «Sprinter» spielt er deutlich vernehmbar aufgrund seines Akzents einen gebürtigen Dänen. Claudia Michelsen ist hierzulande bekannter - von ihr lagert seit 2008 in den RTL-Archiven noch eine komplette Serie, die bislang nicht ausgestrahlt wurde. Der Titel «Die 25. Stunde».

news.de/dpa

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