Musik The Magnetic Fields: Die Wiedergeburt der Synthies

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The Magnetic Fields: Die Wiedergeburt der Synthies Bild: dpa

Berlin - Eigentlich gab es kein offizielles Konzept für das Album der Magnetic Fields, jedoch ist mit «Love At The Bottom Of The Sea» ein außergewöhnliches Feuerwerk des Retro-Pops entstanden.

Vorbei ist die selbstdiktierte No-Synth-Ära, es lebe der schillernd synthetische Sound der 80er und frühen 90er.

Nach einem Konzert in Berlin treten die Magnetic Fields am 15. Mai im Rahmen ihrer «Tour At The Bottom Of The Sea» noch in Hamburg auf Kampnagel auf.

Der Songwriter und Kopf der Band, Stephin Merrit, kennt sich mit Synthie-Klängen aus und hat mit Ihnen Anfang der 90er Jahre viel herumexperimentiert. Nebenher liefen diverse Projekte mit Bands wie Future Bible Heroes und The Gothic Archies, und er schrieb Soundtracks zu den Filmen «Eban» und «Piece of April». 2010 erschien eine Single in Zusammenarbeit mit Peter Gabriel, für die jeder einen Song des anderen interpretierte.

Auf dem aktuellen Album kehrt Merrit mit ein paar neuen Synthesizern im Gepäck zu den Wurzeln der unverfälschten Sounds der frühen 90er zurück. Die Sounds sind geprägt von akustischen Instrumenten und analogen Samplings, die meist als klangfüllendes und rhythmisches Stilelement eingesetzt werden. Entstanden ist so eine Art-Pop-Ästhetik mit eindringlichen Melodiephrasen, lustig sarkastischen Texten und verspielten Klangcollagen.

Der Selfmade-Musiker Merrit ist dabei weit herumgekommen: die meisten seiner Songs nimmt er in L.A. auf, weitere Zutaten wie Horn, Akkordeon, Organ und Backing Vocals werden in San Francisco aufgetrieben, und zu guter Letzt lässt er Cello, Gitarre, Banjo und Klavier in New York einspielen.

Analog zur Panamericana-Idee in Van Dyke Parks «Discover America» wartet Merrit mit den unterschiedlichsten musikalischen Einflüssen und Ideen auf. Der Opener «God Wants Us To Wait» besticht durch ambitionierten Power-Pop-Sound, in «Your Girfriend's Face» lassen sich Wave-Einflüsse wiederfinden, «I'd Go Anywhere With Hugh» vertritt das klassische Songwriting und «My Husband's Pied-A-Terre» fängt mit rezitierendem Gesang an, um schließlich als ausgebremste Industrial Version zu enden. Überraschend klingt das Werk dann auch mit einem gewissen Augenzwinkern aus: mexikanisch adaptierte Mariachi in kitschiger Schlagermanie.

Die meisten Songs sind beiläufig in Gay-Bars, beim Hören der Jukebox-Musik oder einfach am Notebook entstanden. Merrit will nicht mit persönlichen Erfahrungen langweilen sondern bedient sich seiner Beobachtungsgabe und allgemeinen Klischees und vertrauten Themen wie unglückliche Liebe, Abstinenz und Wirklichkeitsflucht. Ein Potpourri aus 15 kurzweiligen Popsongs mit Chartambitionen.

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news.de/dpa

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