Film «Our Idiot Brother»:Fluch des Gutmenschentums

«Our Idiot Brother»:Fluch des Gutmenschentums (Foto)
«Our Idiot Brother»:Fluch des Gutmenschentums Bild: dpa

München - Brüder sind lästig - zumindest aus Sicht von Schwestern. Sie reißen blöde Witze, baggern die Freundinnen an und sind oft entsetzlich peinlich.

Auch Liz, Miranda und Natalie sind mit so einem Bruder gestraft.

Ned ist zu allem Überfluss auch noch über alle Maßen gutmütig und naiv und stolpert von einem Missgeschick zum nächsten. Ein Loser-Typ in den Dreißigern, dem nichts gelingt. Als er eines Tages nicht mehr weiter weiß, steht er bei seinen Schwestern vor der Tür und bittet um Hilfe. Zum Dank bringt er das Leben der drei Frauen gewaltig durcheinander. «Our Idiot Brother» ist ein amüsanter Film von Jesse Peretz mit Paul Rudd, Emily Mortimer, Elizabeth Banks und Zooey Deschanel, der Situationskomik mit nachdenklichen Momenten vereint.

Ned landet wegen Drogenhandels im Knast. Als er freikommt, liebt seine Frau einen anderen und schmeißt ihn von ihrem gemeinsamen Biobauernhof. Nicht mal seinen heiß geliebten Hund Willie Nelson darf er mitnehmen. Tief traurig flüchtet Ned zu seinen Schwestern, die ihre eigenen Probleme haben. Bei Liz (Mortimer) kriselt es in der Ehe mit dem Filmemacher Dylan (Steve Coogan), Miranda (Banks) kämpft um ihre Stellung bei der Zeitschrift «Vanity Fair» und Natalie (Deschanel) betrügt ihre Lebensgefährtin - mit einem Mann. Entsetzt versucht Ned, Ordnung in dieses Chaos zu bringen. Doch dadurch macht er alles noch schlimmer.

Jesse Peretz inszeniert die Geschichte sehr unterhaltsam, auch wenn er nicht ohne einige Klischees auskommt. Und auch Deschanel ist bei weitem nicht so sprühend witzig, wie in ihrer Fernsehserie «New Girl». Doch die insgesamt gelungene Balance zwischen Komik und Ernst macht diese Schwächen wieder wett. Sehenswert ist insbesondere Paul Rudd - diesmal nicht der smarte Liebhaber wie in «Woher weißt du, dass es Liebe ist?», sondern der eigensinnige, versponnene Ned mit Rauschebart und Strubbelhaar. Eine gelungene Besetzung, denn Rudd verleiht der Rolle Witz und Charme und sorgt dafür, dass Ned trotz seiner Trotteligkeit niemals lächerlich wirkt.

Das Credo des Hippies und unerschütterlichen Gutmenschen: «Ich glaube nun mal daran, wenn man das Gute in den Menschen sieht, wenn man ihnen nur die besten Absichten unterstellt, dann wird man auch nicht von ihnen enttäuscht.» Doch leider klappt das nicht so ganz, vor allem nicht, wenn man einem Polizisten auf dem Wochenmarkt Haschisch verkauft. Oder wenn man der Schwester ganz beiläufig von der Affäre ihres Mannes erzählt. Wenigstens ist Ned jedoch zu so etwas wie Selbsterkenntnis fähig: «Ich versuche, mein Bestes zu geben, aber irgendwie versaue ich es immer.»

Our Idiot Brother

news.de/dpa

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig