Durchgehört Der König singt

Musiktipp
Der König tanzt und «Alles dreht sich»
Video: YouTube

Von news.de-Mitarbeiter Michael Kraft
Die Pause von Fettes Brot nutzt König Boris für seine eigene Party: Mit Der König tanzt legt er ein tolles Album vor, ganz ohne Rap. Auch Rufus Wainwright sucht die Bewegung: Er lässt sich von Mark Ronson das Tanzen beibringen.

Fettes Brot ruht, heißt die Botschaft an alle Fans des HipHop-Trios. König Boris hat allerdings keine Lust auf eine Verschnaufpause. Er macht solo weiter. Der König tanzt heißt sein neues Projekt.

Mit der Hammer-Single Alles dreht sich hat er schon für reichlich Jubel gesorgt, das Album hat mit dem Titelsong oder Der Stoff aus dem die Träume sind noch reichlich weitere Kracher zu bieten. Man muss sich trotzdem kurz fragen, warum es diese zwölf Lieder nicht auch unter dem Moniker «Fettes Brot» hätte geben können. Schließlich arbeitet Bandkollege Doktor Renz bei zwei Liedern mit, den Fetten Broten wird im Booklet auch artig an erster Stelle gedankt. Vor allem aber hat Der König tanzt das Konzept von Fettes Brot übernommen: die Texte sind schlau, die Themen sind brandaktuell, die Stimmung ist gut.

Bei genauem Hinhören macht diese Platte dann aber doch einen bedeutenden Unterschied deutlich: Der König tanzt ist kein HipHop mehr. Die Lieder klingen durchweg, als seien sie im Bandkontext entstanden (was sie womöglich auch sind), nicht durch Studiotüftelei mit möglichst coolen Samples. Fast immer gibt hier der Bass den Ton an, nicht mehr der Beat. Und vor allem gibt es auf dieser Platte quasi keinen Rap mehr. Der König tanzt jetzt – und er singt. Dass man diesen kleinen, aber feinen Unterschied fast gar nicht wahrnimmt, ist der beste Beleg dafür, wie gut diese Platte ist. Die CD können Sie hier direkt bestellt.

Künstler: Der König tanzt
Album: Der König tanzt
Plattenfirma: Fettes Brot Schallplatten
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Jahrescharts 2011
Die Chartstürmer in Deutschland

Als Mitglied der Vivian Girls, Dum Dum Girls oder Crystal Stilts hat Frankie Rose ihre Freude am lärmenden Garagenrock ausgelebt. Mit ihrem zweiten Soloalbum Interstellar erkundet sie nun eine ganz neue Welt. «Die ganze Platte handelt davon, dass man sich an einen anderen Ort träumt», sagt die New Yorkerin.

Vieles davon lässt an den herrlich fluffigen Pop von Saint Etienne denken. Auch die Achtziger sind bei Frankie Rose neuerdings eine gerne genommene Bezugsgröße. Es gibt auf Interstellar äußerst faszinierende Gitarrenarbeit (Night Swim), Songs mit Surf-Referenzen (Moon In My Mind) und sogar Cello (The Fall). Das beste Lied ist Pair Of Wings, das bloß mit Orgel und Gesang beginnt, sehr elegant daherkommt, und dann dank Synthie-Bass und vieler zusätzlicher Gesangsspuren nicht weniger als majestätisch wird. So muss Musik klingen, die aus einer Welt unter Wasser kommt, aus Lava oder Wolken. Oder aus einem Traum. Das Album Interstellar können Sie hier bestellen.

Künstler: Frankie Rose
Album: Interstellar
Plattenfirma: Memphis Industries
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Wenn zwei echte Größen aufeinandertreffen, dann muss dabei noch lange nichts Großes herauskommen. Siehe: Thomas Gottschalk und Das Erste. In diesem Fall klappt es aber: Kritikerliebling Rufus Wainwright setzt für sein siebtes Studioalbum Out Of The Game auf die Unterstützung von Erfolgsproduzent Mark Ronson (der unter anderem Amy Winehouse groß rausgebracht hat). «Es ist das poppigste Album, das ich je gemacht habe», sagt Rufus Wainwright, während Mark Ronson vom Ergebnis der Zusammenarbeit schwärmt: «Es ist das beste Album meiner Karriere.»

In der Tat beflügeln sich beide gegenseitig. Ronson bringt Wainwright an einigen Stellen beinahe das Tanzen bei. Der Titelsong, der als erste Single zugleich mit einer George-Harrison-Gitarre und enormer Lässigkeit punktet, ist ein gutes Beispiel dafür. Trotzdem behält Out Of The Game den typischen Rufus-Wainwright-Charakter. Wie immer klingt der 38-Jährige älter als er ist, wie immer wälzt er sich genüsslich in Melancholie und wie immer ist er exaltierter als alle anderen. Es gibt natürlich auch wieder reichlich Ausflüge in den Klassik-Bereich und diverse andere Genres, die Rufus Wainwrights Musik das Etikett vom «Barock-Pop» eingebracht haben.

Dabei besticht Out Of The Game auch dadurch, dass es so vielseitig, offen und dabei doch stimmig ist. Ronson hat beträchtlichen Anteil daran, die fast verschwenderische Instrumentierung in einem gelungenen Ganzen aufgehen zu lassen. Out Of The Game wird somit definitiv zu einer Paarung, die funktioniert: ein Künstler mit unfassbarem Talent und reichlich Inspiration und ein Produzent, der die richtige Form dafür findet und die Fäden in der Hand behält. Hier können Sie das Album direkt bestellen.

Künstler: Rufus Wainwright
Album: Out Of The Game
Plattenfirma: Decca
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

ham/news.de

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