Fernsehen Oliver Stokowski: «Ich habe viele kleine Heimaten»

Hamburg - Als Kind einer Polizistenfamilie wurde Oliver Stokowski 1962 in Kassel geboren - Karriere als Fernsehschauspieler machte er als «Der Ermittler»: Für seine Serienrolle als Hauptkommissar (2001 bis 2005) wurde er mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Oliver Stokowski: «Ich habe viele kleine Heimaten» (Foto)
Oliver Stokowski: «Ich habe viele kleine Heimaten» Bild: dpa

Der Mime, kürzlich in der ARD-Verfilmung «Die Heimkehr» nach Hermann Hesse zu sehen, ist auch renommierter Film- («Das Experiment», 2001) und Bühnendarsteller - seit 2005 gehört er dem Ensemble des Schauspielhauses Zürich an. Zum aktuellen Fernsehdrama «Das Geheimnis in Siebenbürgen» (am 14. Mai um 20.15 Uhr im ZDF) sprach der Hauptdarsteller mit der Nachrichtenagentur dpa über Entdeckungen in Rumänien und seinen Begriff von Heimat.

Was wussten Sie von Siebenbürgen, bevor es mit den Dreharbeiten zu Martin Enlens Film losging?

Stokowski: «Ich habe von Siebenbürgen so gut wie gar nichts gewusst. Nur, dass es Siebenbürgen beziehungsweise Transsylvanien gibt und dass Dracula von daher kommt. Das war ja in der Realität ein Herrscher namens Vlad Draculea, der große Gräueltaten vollbracht haben soll. Auch die Siebenbürger Sachsen waren mir ein Begriff. Von Ceausescu und seinem Regime hatte ich natürlich fürchterliche Vorstellungen.»

Und wie war dann Ihr Eindruck vor Ort?

Stokowski: «Was mir dann am meisten aufgefallen ist: Wie schön es dort ist, allein von der Landschaft her. Wir haben im Mai gedreht und es war Hochsommer mit mehr als 30 Grad. Die Menschen sind wahnsinnig herzlich. Und die rumänischen Kollegen in unserem Team haben erstaunlich professionell gearbeitet. Doch insgesamt hatte man das Gefühl, eine Zeitreise von 100 Jahren zu machen. Es gibt bittere Armut, ghettoartige Zigeunerdörfer und Landleute, die mit Einspännern ihre Arbeit verrichten. Wenige Kilometer weiter stehen Villen mit Luxusschlitten davor. Von den zuletzt weggewanderten Siebenbürger Sachsen sind übrigens einige wieder zurückgekehrt und helfen beim Aufbau ihrer alten Heimat. Hermannstadt und andere kleine Städte sind wunderschön restauriert. Einige ältere Darsteller im Film sind Siebenbürger Sachsen, mit denen konnte man am Set ein bisschen quatschen. Tiefere Erfahrungen konnten wir aus Zeitgründen leider nicht machen.»

Ihre Rollenfigur ist ein gezwungenermaßen ausgewanderter Siebenbürger Sachse, in Berlin zu Wohlstand und Familie gekommen, der sich in Rumänien so überraschend wie heftig mit dem Thema Heimat konfrontiert sieht. Ist das auch für Sie persönlich etwas, womit Sie sich auseinandersetzen?

Stokowski: «Bei den Dreharbeiten ist mir aufgefallen, wie gut es mir eigentlich geht. In meiner Kindheit und Jugend musste ich so extreme Erfahrungen wie Krieg, Nachkriegszeit und totalitäre Regime nicht ertragen. Natürlich ist einem "Heimat" unter solchen Bedingungen, auch etwa nach einer Vertreibung, ein viel brisanteres Thema. Dann hat man ein ganz anderes Trauma als jemand wie ich, für den Heimat etwas selbstverständliches ist. Mit meinen Eltern bin ich aber oft umgezogen, daher habe ich viele kleine Heimaten. Bevor ich nach dem Abitur von zu Hause weggegangen bin, habe ich zehn Jahre lang auf dem Land bei Kassel gelebt. All die Stellen im Wald, an denen wir als Kinder gespielt haben, die Bauernhöfe, die typischen Gerüche wecken in mir heimatliche Gefühle, wenn ich heute meine Eltern besuche. Doch wahre Heimat empfinde ich, wenn ich in Berlin mit meinem sieben Jahre alten Sohn Emil zusammen bin.»

Das Geheimnis in Siebenbürgen

news.de/dpa

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