Musik Marilyn Manson: Zwischen Caligari und Carly Simon

Berlin - Marilyn Manson hat sich in den letzten Wochen nachhaltig in Erinnerung gebracht. Nach einem aufsehenerregenden Auftritt bei der Echo-Verleihung mit «Rrrrammstein», folgte kürzlich ein Konzert mit Hollywood-Star Johnny Depp, der in einem anderen Leben gerne Musiker geworden wäre.Der coole Deep und der düster geschminkte Manson - ein echtes Glamour-Paar.

Marilyn Manson: Zwischen Caligari und Carly Simon (Foto)
Marilyn Manson: Zwischen Caligari und Carly Simon Bild: dpa

Entzückend. Für die rechte Menge an Klatsch sorgte schließlich noch Mansons angebliche Verlobung mit der «Independent Occult»-Filmemacherin Seraphim Ward (27). Das hätte gepasst, aber alles nur ein Missverständnis, denn Manson kannte die Lady gar nicht.

Der Boden war also für sein neues Album «Born Villain» bereitet, das laut, krachend und melodisch, manchmal anrührend und manchmal brutal Marilyn Manson in einer leicht elektronisch unterfütterten Rock-Pop-Metal-Welt zeigt. Und niemand schreit so düster-schön wie Marilyn Manson. Dita von Teese hatte ihn einst verlassen, weil er zu sehr mit seinen eigenen Dämonen beschäftigt sei. Auf «Born Villain» tanzen sie wieder.

Auf dem Cover seines neuen Albums inszeniert sich der Dunkelmann als eine Art Conrad Veidt, der in dem expressionistischen Meisterwerk «Das Cabinet des Dr. Caligari» (1920) als somnambuler Bösewicht durch eine aus den Fugen geratene Welt schleicht. Die Endzeitstimmung des Berlins der 20er und 30er Jahre übte schon immer eine große Faszination auf Manson aus. Nabokovs Roman «Lolita» und Lewis Carrolls «Alice im Wunderland» mag er übrigens auch.

«Hey Cruel World» heißt passenderweise der Opener auf «Born Villain - grausam ist die Welt. Da werden zudem die verfluchten «Children Of Cain» besungen und festgestellt: «Murderers Are Getting Prettier Every Day». Keine Frage, das Universum des Marilyn Manson ist noch immer höllisch, düster und gewalttätig - die dunklen Themen ziehen ihn nach wie vor an - auch wenn er sich inzwischen offenbar erfolgreich von seiner grell geschminkten Kunstfigur lösen konnte.

«Ich musste versuchen, den Marilyn Manson abzuschütteln, den die Menschen in mir sahen, und zu dem werden, der ich sein wollte», sagte er im Interview mit dem Magazin «in». Mag sich Manson gewandelt haben, seine Kunstfigur treibt weiterhin ihr Unwesen. Theatralik für die Theaterbühne, Dunkelmann fürs Kabarett.

Das aber hat durchaus noch seinen Reiz, auch wenn beim Echo-Auftritt das Leibchen ein wenig eng war und man befürchten musste, dass Manson beim Sprung vom Podest das Gleichgewicht verlieren würde. Egal. Unter den Paradiesvögel der Musikszene hat er noch immer seinen Platz. Eine feste Größe: In Deutschland ist «Born Villain» auf Platz fünf der Album-Charts eingestiegen.

Und Berührungsängste kennt Marilyn Manson sowieso nicht. Seine Coverversion von Carly Simons Song «You're So Vain» (1972) über einen eingebildeten und aufgeblasenen Liebhaber berührt. Das liegt vielleicht auch daran, dass sein Kumpel Johnny Depp ihn an der Gitarre begleitet.

Dass Marilyn Manson auch schöne Liebeslieder singen kann, weiß man. Immer wieder hat er im Laufe der Jahre betont, dass er im Grunde seines Herzens ein feinfühliger Mensch und ein Romantiker sei. Nicht selten aber grätscht ihm der Horror der Schauerromantik dazwischen.

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Born-Villain-Seite

news.de/dpa

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