Film «21 Jump Street»: Satirischer Cop-Klamauk

Berlin - Kinoadaptionen von Fernsehserien schneiden im Rennen um Kreativpreise selten gut ab - werden doch Erfolgsrezepte oft eher lieblos für die Leinwand wiederaufgebrüht.

«21 Jump Street»: Satirischer Cop-Klamauk (Foto)
«21 Jump Street»: Satirischer Cop-Klamauk Bild: dpa

Die US-Comedy «21 Jump Street» hingegen stellt das übliche Verhältnis zwischen Original und Adaption auf den Kopf.

Der satirische Hollywoodfilm ist deutlich einfallsreicher als sein gleichnamiges Vorgängerwerk aus den 1980er Jahren mit Johnny Depp, das Teenager-Probleme didaktisch aufbereitete. Jonah Hill («Superbad») trumpft in der Kinoversion als Pfundskerl auf. Der Kassenknüller spielte bislang weltweit rund 175 Millionen Dollar (über 133 Millionen Euro) ein.

Die Story ist simpel, was in derben US-Komödien kein Nachteil sein muss: Zwei stümperhafte Jungpolizisten (Hill und Channing Tatum, «Der Adler der neunten Legion») sehnen sich nach großkalibriger, PS-starker Verbrecherjagd - und werden nach dem Abschluss ihrer Grundausbildung nur als radelnde Parkwächter eingesetzt. Als ihnen dann doch ein paar Kleinkriminelle vor die Füße fallen, verpatzen sie die Festnahme. Bei ihrem Chef unten durch, werden sie zu der Adresse «21 Jump Street» abkommandiert: Dort ist der Sitz einer Milchbubi-Spezialeinheit, deren Mitglieder undercover als Schüler ermitteln und Drogendealer an der Highschool auffliegen lassen sollen.

Die Fernsehserie «21 Jump Street - Tatort Klassenzimmer» lief in den USA in Erstausstrahlung von 1987 bis 1991, in Deutschland war sie in privaten Kanälen zu sehen und führte zudem zu der RTL-Adaption «SK-Babies». Junge Cops klären im Schüler-Outfit Teenager-Fälle von Erpressung oder Drogenhandel auf.

Die Serie «21» wäre wohl längst vergessen, wenn sie nicht der Startschuss für Johnny Depps Hollywoodkarriere gewesen wäre. Depp gab zu Beginn den biederen Jungspund mit Seitenscheitel, der Saxofon spielt und sich einfühlsam um seine Mitmenschen kümmert, rote Rosen im Gepäck inklusive. Die Botschaft der Serie: Nehmt die Probleme unserer Jugend ernst!

Wer bei solch einfacher Mattscheiben-Moral lieber weiterzappen will, ist in der Kinoauflage von «21 Jump Street» genau richtig. Denn ernstgenommen wird hier gar nichts mehr: Der Humor ist schrill, die Dick-und-Doof-Figuren grell überzeichnet, die Dialoge geschliffen. Ein Ausschnitt: «Ich mag keine fremden Menschen.» - «Aber wie willst du dann neue Freunde finden?»

Wirkten die eher dürftig inszenierten Verfolgungsjagden in der Serie noch unfreiwillig komisch, werden sie auf der Leinwand zur gewollten Farce. In wilden Schießereien halten Gastanks und Öltransporter dem Kugelhagel stand, während sich ein Tiertransporter als leicht entzündbares Gut erweist und den Highway in ein Flammenmeer verwandelt. Johnny Depp hat einen Kurzauftritt als heruntergekommener Polizist, dessen Leben traurig verlief: Schon seit einem Vierteljahrhundert muss er verdeckt ermitteln. Dann endlich darf er seine wahre Identität als Polizist zeigen - und wird prompt erschossen.

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news.de/dpa

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