Literatur Fremdenfeindlichkeit - PEN-Chef Strasser in Sorge

Rudolstadt - Vor einer wachsenden Fremdenfeindlichkeit in Europa hat der Präsident des deutschen PEN-Zentrums, Johano Strasser, gewarnt. «Überall kommen neue undemokratische und fremdenfeindliche Strömungen an die Oberfläche», sagte Strasser im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Fremdenfeindlichkeit - PEN-Chef Strasser in Sorge (Foto)
Fremdenfeindlichkeit - PEN-Chef Strasser in Sorge Bild: dpa

«Das ist etwas, was uns große Sorgen macht.» So gebe es auch in Deutschland problematische Entwicklungen. Dabei verwies er auf Versäumnisse der Polizei bei der Aufklärung der Morde der rechtsextremen Terrorzelle NSU und sprach von einem «blinden Fleck». Sorgen bereite ihm und seinen Mitstreitern zudem die Lage der Menschenrechte in der Türkei. Darüber soll auf der Jahrestagung der Schriftstellervereinigung (10.-13. Mai) im thüringischen Rudolstadt gesprochen werden.

Strasser verwies auf den Erfolg rechter Parteien in den Niederlanden, in Ungarn und Finnland. Aber auch der Umgang mit Roma in Frankreich sei inakzeptabel. Ein Grund dafür, dass solche Strömungen an Rückhalt in der Bevölkerung gewännen, sei, dass die EU den Menschen wenig Anknüpfungspunkte für ihre Suche nach Identität biete. «Hinzu kommt, dass erhebliche Schichten von der ökonomischen und kulturellen Entwicklung abgetrennt sind. Sie geraten in eine Situation der kulturellen Isolation.»

Kritisch betrachte er einen verstärkten Hang zu technokratischen Lösungen in der EU, anstatt die Bevölkerung an der Lösung von Problemen zu beteiligen, sagte Strasser. Das zeige sich daran, dass etliche Schritte im Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise als alternativlos dargestellt wurden. «Wir brauchen eine Diskussion darüber, wohin wir in Europa wollen.» Daran müsse die Bevölkerung beteiligt werden. Strasser: «Wir haben in Deutschland noch nie eine Volksbefragung zu Europa gehabt.»

Sorgen bereite ihm auch die Lage der Menschenrechte in der Türkei. «Seit die Türkei kaum noch eine Perspektive hat, in die Europäische Union zu kommen, werden dort die Zügel wieder straffer angezogen», sagte Strasser. Dabei verwies er unter anderem auf Verhaftungen von Journalisten wegen Beleidigung des Türkentums. Auch der Umgang mit den Kurden und der eigenen Geschichte hinsichtlich des Völkermordes an den Armeniern im Ersten Weltkrieg belege diesen Trend. Er selbst wolle im Herbst in der Türkei eines seiner Bücher, das ins Kurdische übersetzt wurde, vorstellen und dabei den Umgang mit dieser Geschichte thematisieren, kündigte Strasser an.

Gespräch: Andreas Hummel, dpa

PEN Deutschland

news.de/dpa

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