Musik Die Toten Hosen: Chorgesang und Melodien

Die Toten Hosen: Chorgesang und Melodien (Foto)
Die Toten Hosen: Chorgesang und Melodien Bild: dpa

Berlin - Die Erwartungen an die Düsseldorfer sind hoch. Pünktlich zum 30. Geburtstag der Toten Hosen erscheint ihre nunmehr 15. Studioplatte «Ballast der Republik».

«Dieses Album war kein einfaches für uns», erklärt Sänger Campino im dpa-Interview. Die Band habe sich - auch wegen des Jubiläums - ziemlich unter Druck gesetzt. «Man möchte etwas Besonderes abgeben. Und gleichzeitig will man sich nicht verheben, sondern sich irgendwo auch noch selber treu bleiben. Und dann geht man in den Spagat.»

Ein Spagat, der gelungen ist. Musikalisch gesehen kehren die Hosen zu früheren Zeiten zurück und setzen wieder mehr auf melodiöse Stücke. «Es gab die Phase, da wollten wir der Welt beweisen, dass wir es krachenlassen können. Dabei haben wir die Lieder ein bisschen vergessen», sagt Campino. «Im Grunde ist diese Platte eine Rückbesinnung auf unsere Liebe zu Chorgesang und Melodien.»

Unter den 15 Songs (plus Intro) finden sich politische Stücke wie der Titel-Song «Ballast der Republik» zur Lage der Krisen-Nation oder das Flüchtlingsdrama «Europa». Weitaus lebensbejahender kommt die Single «Tage wie diese» daher, die Campino gemeinsam mit der Schauspielerin Birgit Minichmayr, geschrieben hat.

Ergreifend ist «Draußen vor der Tür», in dem der Sänger, inzwischen selbst Papa eines kleinen Sohnes, das schwierige Verhältnis zu seinem Vater aufarbeitet. Dazu gibt es noch das ein oder andere Liebeslied, das aber - wie so oft bei den Hosen - negativ ausfällt. «Ich krieg' es einfach nicht hin, irgendwas Normales in dieser Richtung abzuliefern, wo es nachher ein Happy End gibt», erklärt Campino.

Die Toten Hosen, die sich 1982 aus der Düsseldorfer Punk-Bewegung formierten, zählen seit Jahren zu den erfolgreichsten Bands des Landes. Neben Campino sind auch Bassist Andi sowie die Gitarristen Kuddel und Breiti seit den Anfangstagen dabei. Schlagzeuger Vom stieß Ende der 90er Jahre zur Band. Natürlich stellt sich zu einem Jubiläum auch die Frage, wie lange es die Band noch geben wird.

Das Aus der Gruppe sei zwangsläufig näher gerückt, erklärt Campino. «Uns allen ist klar, dass wir in der Endphase unserer Zeit sind. Wenn ich es mit einem Fußballspiel vergleiche, sind wir mittlerweile in der 80. Spielminute und nicht mehr in der ersten Hälfte.» Ein Abschiedsalbum sei «Ballast der Republik» allerdings noch nicht.

So gehe es erst einmal darum, das Jubiläumsjahr zu feiern. Neben der fast legendären «Wohnzimmertour», bei der die Hosen ihre Fans zu Hause besuchen, stehen Auftritte bei Festivals wie Rock am Ring auf dem Programm. Als Jubiläums-Geschenk für die Fans haben sich die Hosen etwas Besonderes ausgedacht: So liegt den meisten «Ballast der Republik»-Alben noch die Bonus-Platte «Die Geister, die wir riefen» bei. Darauf: 15 Cover-Versionen deutschsprachiger Lieder und Gedichte.

«Wir haben uns gedacht, wir würdigen zu unserem Geburtstag einmal all die Texte, die uns beeindruckt haben. Das war schon lange überfällig», erklärt Campino. Mit dabei sind Düsseldorfer Bands wie Kraftwerk, Male und Mittagspause oder Dichter wie Hermann Hesse und Erich Kästner. Dazu Lieder von Falco und Rio Reiser sowie - und das ist wirklich eine Besonderheit - von den Ärzten.

Die alten Streitereien mit den einstigen Konkurrenten, die in diesem Jahr auch 30 Jahre alt werden, seien längst aus der Welt geschafft. «Das ist inzwischen ein sehr gutes, kollegiales Verhältnis», versichert Campino. Die Cover-Version von «Schrei nach Liebe» sei «ein aufrecht gemeinter unironischer Gruß».

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Tour-Daten

news.de/dpa

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