Durchgehört Eine Extraportion Katy Perry

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Von news.de-Mitarbeiter Michael Kraft
Katy Perry hat mit Teenage Dream schon mächtig abgeräumt. Jetzt gibt es das Album noch einmal mit zusätzlichen Tracks. Außerdem: Lail Arad veröffentlicht ein tolles Debüt und ein legendärer DJ erstellt den Frühsommer-Soundtrack.

Man sollte meinen, dass Katy Perry mit ihrem zweiten Album Teenage Dream schon genug geleistet hat. Die Platte hat Doppelplatin bekommen, sechs Singles abgeworfen, die allesamt auf Platz eins der US-Charts landeten, und allein auf digitalem Weg mehr als 25,5 Millionen Songs verkauft. Trotzdem gibt es Teenage Dream nun noch einmal neu. Als Complete Confection, und das bedeutet: Alle zwölf Tracks der Originalversion plus drei neue Songs sowie neue Versionen von E.T. (diesmal mit Kanye West), Last Friday Night (diesmal mit Missy Elliott) und The One That Got Away (diesmal ganz akustisch). Weiteres Alleinstellungsmerkmal: Die Erstpressung kommt als limitierte Auflage mit einem Wackelbild-Cover in die Läden.

Das klingt nach großem Ausverkauf, ist aber trotzdem sehr begrüßenswert. Denn die Complete Confection zeigt noch einmal, was für ein famoses Pop-Album Teenage Dream ist: Hier wird mit Image gespielt, mit Fantasien, mit der unkaputtbaren Hoffnung, dass es irgendeinen Moment im Leben geben wird, der für all die Enttäuschungen zuvor entschädigt – und dem Wissen, dass dieser Moment vielleicht ein Popsong sein kann.

Von den neuen Liedern gefällt Part Of Me am besten. Und es ist nur konsequent, dass die Complete Confection mit einem sieben Minuten langen Megamix von Tommie Sunshine mit allen bisherigen Nummer-1-Hits endet. Denn es führt das fantastische Motto von Katy Perry in seiner Quintessenz vor Augen: Refrain, Refrain, Refrain, Hit, Hit, Hit. Oder besser noch: Pop, Pop, Pop.

Interpret: Katy Perry
Album: Teenage Dream (The Complete Confection)
Plattenfirma: Emi
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Mood Management nennen es Psychologen, wenn man versucht, mit Hilfe von Mediennutzung seine Emotionen zu beeinflussen. Jason Mraz ist ein Meister darin. Sechsfach Platin gab es in den USA für seinen größten Hit I'm Yours. Mit seinem gerade erschienenen vierten Studioalbum Love Is A Four Letter Word knüpft der Mann aus Virginia nahtlos an diese Erfolge an.

Wenn man möglichst weit weg von allen Sorgen der Welt sein will, von Globalisierung, Sozialabbau und Burn Out, dann kann man förmlich eintauchen in dieses Album. Schon der Freedom Song klingt wie eine Mischung aus Jack Johnson und den Teletubbies beim Chillen auf einer Blümchenwiese. Living For The Moment will so zuversichtlich sein, dass man beinahe geschockt ist, dass bis zum Ende des Lieds kein Kinderchor erklingt.

Die Platte ist melodisch hübsch, atmosphärisch angenehm, handwerklich makellos. Jason Mraz singt von den Facetten der Liebe, stets mit einer Stimme, die kein Wässerchen trüben könnte. In der Welt dieser Lieder gibt es keinen Konflikt, keine Disharmonie, nichts, was man nicht mit einem Gebet wieder hinbekommen würde. Das ist nett, aber auch erschreckend banal.

Interpret: Jason Mraz
Album: Love Is A Four Letter Word
Plattenfirma: Elektra
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

In Frankreich wird sie schon gefeiert, nun will Lail Arad auch Deutschland erobern. Man muss ihr dabei die Daumen drücken. Denn ihr Debütalbum Someone New ist so, wie Frauenzeitschriften (und womöglich auch ihrer Leserinnen) gerne sein wollen: voller Witz und Jugend, mitten aus dem Leben und immer mit ganz viel Stil.

Die junge Dame aus London legt eine Platte vor, die hoch sympathisch ist, extrem kurzweilig, famos musikalisch, sexy und voller Lebensfreude. Wer sich wünscht, SoKo würde ein bisschen häufiger lächeln, oder einen halbwegs adäquaten Ersatz für Lily Allen sucht, der könnte hier seine neue Lieblingssängerin gefunden haben.

Eine der größten Stärken von Lail Arad ist der Humor, der in fast allen Texten dieses Albums steckt und selbst der schlimmsten Katastrophe noch ein bisschen Erträglichkeit verleiht. Dazu kommen eine tolle Stimme und die Tatsache, dass Lail Arad zweifellos eine Überzeugungstäterin ist. Sie lebt für ihre (manchmal anscheinend sogar: in ihrer) Musik. So kann eine kleine Anekdote für ein Lied herhalten wie im rührenden Rausschmeißer The Q Song, auch die ganz grundsätzliche Lage der Welt lässt sich in ein paar Akkorde packen wie im Titelsong. Noch ein weiteres Charakteristikum prägt diese Platte: ihre fast beiläufige, niemals blasierte Internationalität. Lail Arad, die in London geboren wurde, deren Eltern aus Tel Aviv stammen, und die bei einer französischen Plattenfirma unter Vertrag steht, geht ganz selbstverständlich damit um, dass die Welt längst ein globales Dorf ist. Eine Entdeckung.

Interpret: Lail Arad
Album: Someone New
Plattenfirma: Notify
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Wer noch den passenden Soundtrack zum plötzlich hereingebrochenen Frühsommer sucht, bekommt jetzt die perfekte Lösung: die Blue Note Beach Classics Presented By José Padilla.

Der DJ aus dem legendären Café del Mar auf Ibiza hat für diese zwei CDs seine Lieblingsstücke aus dem Archiv von Blue Note zusammengestellt. Das Ergebnis ist entspannt, stilvoll und trotz eines unverrückbaren Chill-Out-Fundaments auch abwechslungsreich.

Der Sampler vereint Genre-Größen wie Chet Baker, Herbie Hancock und Miles Davis. Bläser sind besonders prominent vertreten, nur bei 6 der insgesamt 22 Stücke auf den Blue Note Beach Classics wird gesungen. Die Höhepunkte: Autumn Leaves von Stan Getz als sanfte Instrumentalversion, das leichtfüßige Hurt So Bad mit der flinken Gitarre von Grant Green, Hummin' von Cannonball Adderley, das im Remix des Large Professor beinahe HipHop wird, und die Blue Samba von Ike Quebec mit dem sexy Zusammenspiel von Tenorsaxofon und Gitarre. Alles in allem: sehr geschmackvoll. Der Sommer kann kommen.

Interpret: Diverse
Album: Blue Note Beach Classics Presented By José Padilla
Plattenfirma: Blue Note
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

ham/news.de

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