Ausstellungen Herlinde Koelbl zeigt Verwandlung durch Uniform

Dresden - Vom Arzt bis zum Zimmermädchen: Die Fotografin Herlinde Koelbl hat sich in ihrem jüngsten Projekt mit den Uniformen und ihren Auswirkungen auf die Menschen beschäftigt.

Herlinde Koelbl zeigt Verwandlung durch Uniform (Foto)
Herlinde Koelbl zeigt Verwandlung durch Uniform Bild: dpa

Innerhalb von vier Jahren nahm sie Doppelporträts von Frauen und Männern in Berufs- und Freizeitkleidung auf.

Das Ergebnis ihrer Recherchen und künstlerischen Auseinandersetzung hat unter dem Titel «Kleider machen Leute» in einer Ausstellung im Deutschen Hygiene-Museum Dresden Premiere. Zur Eröffnung am 3. Mai erscheint im Cantz Verlag Ostfildern auch der gleichnamige Fotoband.

Bis zum 29. Juli sind auf rund 800 Quadratmetern 70 Bildpaare in vier Größen vom kleinen gerahmten Foto bis zum fast lebensgroßen Abzug zu sehen. Ihre Modelle hat Koelbl nicht unter einem engen «Uniform»-Begriff ausgewählt. Neben Militärs oder Piloten sind auch Vertreter von Berufen dabei, die im Job zwar keine Uniform, aber eine bestimmte Kleidung tragen. «Mich fasziniert die Veränderung, wenn sie die Berufskleidung gegen ihre privaten Sachen tauschen», sagte die Künstlerin.

Diese Verwandlung sei ihr vor Jahren erstmals bei einer Frau aufgefallen, die in Tracht sehr beeindruckend und würdevoll, nach dem Umziehen aber ganz anders gewesen sei. «Im ärmellosen, sackartigen bunten Hängerkleid hatte sie all ihre Ausstrahlung und Würde verloren», erzählte Koelbl. Wie bei früheren Projekten beschränkte die Künstlerin ihren Kontakt mit den «Modellen» nicht auf das Fotografieren. Jeder Porträtierte kommt auch jeweils in einem Zitat zu Wort, wie und was er oder sie dank der Kleidung empfindet: Stolz, Macht, Autorität, Verantwortung.

Koelbl, die für ihren Blick auf die deutsche Gesellschaft geschätzt wird, studierte zunächst Mode und begann ihre Fotografie- Karriere als Autodidaktin Ende der 70er Jahre. Sie hat «Feine Leute» ebenso fotografiert wie nackte Männer, Kinder, Punks oder ein auf Kreuzfahrt schmusendes Rentnerpaar. Bekannt sind ihre Bilder von Joschka Fischer, Gerhard Schröder und Angela Merkel, die sie für ihr Projekt «Spuren der Macht» in acht Jahren immer wieder fotografierte. Ihre «Deutschen Wohnzimmer» von 1980 inspirieren nach wie vor Bühnenbildner und Filmschaffende.

Für «Kleider machen Leute» hat sie verschiedenste Berufsgruppen ausgewählt, das Spektrum reicht von Astronaut, Butler oder Clown über Domina, Erzpriester oder Jäger bis Schornsteinfegerin, Matrose, Sargträger oder Zimmermädchen aus Deutschland. Bei ihrer Suche nach «Modellen» ist Koelbl auch in acht anderen Ländern fündig geworden. Davon zeugen eine Geisha, ein Schweizergardist oder ein Sumo-Ringer. «Man spürt den Respekt, aber auch die Verantwortung», beschreibt ein Flugkapitän sein Verhältnis zu der mit Streifen und Schulterklappen besetzten Uniform.

Deutlich verändert zeigt sich auch die porträtierte Richterin am Bundesverfassungsgericht. In rot-glänzender Dienstrobe, mit strengem Blick, strahlt sie fast etwas Majestätisches aus. Auf dem zweiten Bild ist eine junge attraktive Frau zu sehen - barfuß, in Jeans und Kapuzenpullover. Mit ihrer vom Vorgänger «geerbten» Robe zieht sie stets auch die Last der Verantwortung an. Diese Metamorphosen machten die Arbeit für Koelbl so spannend. «Ich wusste ja nie, was die Leute als private Kleidung mitbringen.»

Ausstellung

Herlinde Koelbl

news.de/dpa

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