Musik Robert Glaspers Hochamt afroamerikanischer Musik

Berlin - Die Fusion von Jazz, Soul und Hiphop ist ja nicht ganz neu. Doch nun hat sich der Amerikaner Robert Glasper der Sache angenommen. Und dabei wirklich einen unerhört kreativen, neuen Vibe für sein Hochamt der afroamerikanischen Musik gefunden.Denn hier stehen alle drei Genres gleichberechtigt und mit Leichtigkeit verbunden nebeneinander.

Robert Glaspers Hochamt afroamerikanischer Musik (Foto)
Robert Glaspers Hochamt afroamerikanischer Musik Bild: dpa

Weder hat hier ein stilbewusster Hip-Hopper lediglich eine Prise Jazz beigemischt, noch wurde umgekehrt Jazz mit einigen Raps und Soul-Refrains aufgehübscht. «Black Radio» (schon der Titel verdeutlicht den umfassenden Anspruch dieses Albums vom Robert Glasper Experiment) hat für jeden Fan schwarzer Musik etwas im Köcher und ist doch nie beliebig.

Dafür sorgt schon der hohe Qualitätsstandard des begnadeten Pianisten und Bandleaders Glasper, der hier sein insgesamt fünftes Album - und sein viertes für das klassische Jazz-Label Blue Note - abliefert. Der in New York lebende Musiker hat bisher meist im Trio-Rahmen Jazz gespielt, aber auch für Hip-Hop-und R&B-Stars wie Mos Def, Q-Tip oder Maxwell gearbeitet.

Zur Band gehören neben Glasper an Piano und Fender Rhodes noch Casey Benjamin (Sax, Vocoder-Vocals), Derrick Hodge (Bass) und Chris Dave (Schlagzeug) - ein Quartett hochtalentierter Jazzer, das auf fast jedem Track punktgenau von einem glanzvollen Gast ergänzt wird. Die große Soul-Jazz-Lady Erykah Badu, ihre ebenso beeindruckenden Kolleginnen Lalah Hathaway, Ledisi oder Meshell Ndegeocello sowie männliche Vokalisten wie Bilal oder Lupe Fiasco toben sich über den eleganten Melodielinien aus.

«Auch wenn der Vibe eher Urban, Hip-Hop und Soul ist, bleibt das Rückgrat doch immer der Jazz», sagt Glasper über «Black Radio». Also unterlegen in «Why Do We Try» bestechende Piano-Improvisationen den an Stevie Wonder erinnernden Soul-Gesang von Stokley Williams, während Erykah Badu den Jazz-Klassiker «Afro Blue» als tiefenentspannte Meditation gibt. Nicht weniger spektakulär klingen auch zwei andere Cover-Versionen - Nirvanas «Smells Like Teen Spirit» und das hinlänglich bekannte, aber hier völlig neu erfundene «Fever» mit der französisch-marokkanischen Sängerin Hindi Zahra.

Unter dem Pseudonym Yasiin Bey rappt Mos Def im Titelsong, ehe zeitweise wieder inbrünstiger Soul-Gesang die Vorherrschaft übernimmt. Ganz großartig - und in dieser kompositorischen und handwerklichen Raffinesse wohl wirklich noch nie dagewesen. A Tribe Called Quest, die einst hoch erfolgreiche Jazz-Rap-Truppe Us3 («Cantaloop»), das Projekt Buckshot LeFonque von Branford Marsalis und einige mehr haben die Fusion unterschiedlichster Black-Music-Stile vorangetrieben - das Robert Glasper Experiment stellt alle in den Schatten.

Konzerte im Mai: 15.5. Wien, 16.5. München, 17.5. Köln, 18.5. Frankfurt/Main, 19.5. Berlin, 26.5. Hamburg.

Website

news.de/dpa

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