Kunst Beat Wismer: «El Greco war ein von der Malerei Besessener»

Düsseldorf - Kaum ein Alter Meister hat die moderne Kunst so beeinflusst wie El Greco. Die jungen Expressionisten Anfang des 20. Jahrhunderts waren begeistert von El Grecos visionären Bibelbildern.

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Beat Wismer: «El Greco war ein von der Malerei Besessener» Bild: dpa

El Greco (1541-1614) war seiner Zeit weit voraus und wurde noch bis Ende des 19. Jahrhunderts bisweilen als «Fall für den Psychiater» bezeichnet. Der Direktor des Museums Kunstpalast, Beat Wismer, hat die erste repräsentative El Greco-Ausstellung in Deutschland zusammengestellt. Im Gespräch mit dpa erklärt er, was so revolutionär an El Greco war.

War El Greco besessen, verrückt oder ein Revolutionär?

Wismer: «Verrückt war er wohl nicht, etwas anders war er bestimmt. Er war auch kein Irrsinniger, sondern ein von der Malerei Besessener. Er hat im Bereich der Malerei vielleicht einiges revolutioniert, aber das fand dann nicht unbedingt sofort seine Fortsetzung, sondern erst viele, viele Jahre später.»

Was ist an El Greco so modern?

Wismer: «Ich denke, es ist eine ganz bestimmte Psychologie, die in die Figuren und Szenen eingeht. Die Farbigkeit ist modern, die Verrückung der Perspektive, die Verschiebung und die Mehransichtigkeit. Das wirkt ja dann beim Kubismus und auf Cézanne. Was ihm absolut gelingt, ist, dass er die Geschichte nicht erzählt, sondern den Gehalt der Geschichte versucht umzusetzen, direkt in eine Intensität zu bringen. Das ganze Umfeld spielt mit bei der Dramatik der Szene - der Himmel, die Wolken, die Natur. Dass er das wirklich alles eingesetzt hat, um den Stimmungsgehalt des Bildes zu steigern, war wirklich ungewöhnlich und in dem Sinn revolutionär.»

Wie bewertet die Kunstgeschichte heute El Greco?

Wismer: «Er ist ein unbestritten großer Meister. Er hat eine ganz sichere Position in der Kunstgeschichte. Die hatte er zur damaligen Zeit noch nicht. Für uns ist die große Überraschung, dass es nie eine El-Greco-Ausstellung in Deutschland gab. 1911 wurde er in Deutschland mit einer größeren Werkgruppe gezeigt. Die zweite Überraschung ist: Auch eine Ausstellung mit dieser Verbindung zur Moderne gab es nie, obwohl das Thema seit 100 Jahren bekannt ist.»

Interview: Dorothea Hülsmeier, dpa

news.de/dpa

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