Fernsehen Andrea Sawatzi ist wieder Bella Jung

Berlin - Die moderne Frau weiß, wer sie ist und was sie will. Konsequent geht sie vielen Hindernissen zum Trotz beruflich und privat ihren Weg.

Andrea Sawatzi ist wieder Bella Jung (Foto)
Andrea Sawatzi ist wieder Bella Jung Bild: dpa

Dieses Ideal entspricht dem Zeitgeist, ist emanzipiert, politisch korrekt - und wird auch in vielen Fernsehfilmen und Serien so vorgemacht. Da wirkt es erfrischend normal, eine Hauptfigur zu erleben, die intelligent und sympathisch ist - und dennoch ewig keinen Schimmer hat, wo ihre wahren Ziele und Träume liegen. In der ZDF-Lifestyle-Komödie «Bella Vita» spielte Andrea Sawatzki die Hausfrau und Mutter Bella Jung, die mit 43 Jahren von ihrem Mann betrogen wird und nur weiß, was sie nicht will: länger mit Martin (Thomas Sarbacher) zusammenleben.

Den Zuschauern gefiel es: 5,47 Millionen Menschen - ein Marktanteil von 17,1 Prozent - sahen 2010 die Ausstrahlung der pfiffigen Produktion mit ernsthaften Untertönen. Sawatzki erhielt für ihre humor- und liebevolle Darstellung den Bayerischen Fernsehpreis. Nun geht es weiter mit Bellas später und holperiger, aber energiegeladener Suche nach sich selbst: «Bella Australia» heißt die Folge, die in fast gleicher hochrangiger Besetzung an diesem Donnerstag (26. April) um 20.15 Uhr gezeigt wird - weitere Fortsetzungen sind in Planung. Regie führte die angesehene Vivian Naefe («Die wilden Hühner») nach dem Buch von Melanie Brügel.

Diesmal muss sich die Filmheldin damit auseinandersetzen, dass ihr Mann die Scheidung will und die Tochter (Lotte Flack) als Au-Pair nach Australien geht. Dazu fällt Bella nichts Besseres ein, als zur Beaufsichtigung der Tochter ebenfalls nach Down Under zu streben und dort zu arbeiten. Freche Sprüche von Familie und Freunden - die allesamt ebenfalls zeitgerechte Lifestyle-Sorgen plagen, kein Visum, mangelnde Berufserfahrung, ihr öder Job im Berliner Call-Center, der attraktive Polizist Sebastian (Tobias Oertel), der bei ihr einzieht - alles Peanuts, die ihren Tatendrang auf ihrem Kreuzberger Kiez nicht bremsen können. Jedoch hängt sich Bella mit ihren Aktivitäten bloß an die Ziele anderer an.

Andrea Sawatzki ist eine der erfolgreichsten TV-Schauspielerinnen und versteht ihre Rollenfigur in all ihrer Planlosigkeit dennoch gut. «Ich sehe schon den gesellschaftlichen Druck, als Frau Berufsziele verfolgen zu müssen. Frauen, die für Mann und Kinder sorgen, sind leider nicht so angesehen wie Frauen, die Karriere machen», sagte die 49-Jährige, die seit Dezember 2011 mit ihrem Kollegen Christian Berkel (54) verheiratet ist und von ihm zwei Söhne hat, der dpa. Statt eines Zwangs zur Selbstverwirklichung wäre mehr Gelassenheit in puncto Lebensweise ihr Wunsch: «Schließlich bin ich außerhalb der Dreharbeiten selbst Hausfrau und Mutter und weiß, wie anstrengend und erfüllend das sein kann - ein Beruf für sich.»

Mit ihrer eigenen Lebensplanung hat Sawatzki gemischte Erfahrungen gemacht. Lange habe sie nur berufliche Ambitionen gehabt, sagte die Theater-, Film- und Fernsehaktrice. «Ich wollte nie eine Familie. Das wurde plötzlich Thema, als ich mit 35 Jahren Christian kennenlernte», erklärte sie. «Grund war wohl, dass ich aus einer relativ zerrütteten Familie stamme. Da gab es kein harmonisches Modell.» Und noch etwas trennt Sawatzki von ihrer Filmfigur Bella - nie käme Sawatzki auf den Gedanken, nach Australien oder in ein anderes fernes Land zu gehen: «Ich bin hier in Berlin so glücklich - ich möchte hier nicht weg.» Mit ihrer Familie hat sich die Schauspielerin gerade ein neues Haus eingerichtet.

«Bella Australia»

news.de/dpa

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