Fernsehen ARD verfilmt Story um Nazi-Agentin

Wien - Die junge, schöne Frau wehrt sich, ihre Beine knicken ein, die hohen Schuhe schleifen über den Steinboden. Die beiden englischen Soldaten zerren sie weiter zu dem hölzernen Podest, über dem die Schlinge baumelt.

ARD verfilmt Story um Nazi-Agentin (Foto)
ARD verfilmt Story um Nazi-Agentin Bild: dpa

Der wartende Henker zieht der keuchenden Frau die schwarze Kapuze über den Kopf und legt ihr den Strick um den Hals. Immer wieder fährt die Kamera in einem alten Wiener Gerichtsgebäude Mitte April neben der verzweifelten Blondine entlang, bis der Regisseur zufrieden und die Szene in verschiedenen Einstellungen abgedreht ist.

Der ARD-Fernsehfilm «Die schöne Spionin» (Sendetermin 2013) erzählt die rätselhafte Geschichte der deutschen Doppelagentin Vera von Schalburg. Im Zweiten Weltkrieg flog sie in England auf - und verschwand für immer. Bis heute sind die Stationen ihrer Spionagekarriere, ihr Lavieren zwischen Liebe und Verrat und ihr Ende ungeklärt. Die Briten halten weiterhin Teile der Akten geheim. Die ARD lässt die Mischung aus Thriller, Melodram und Tragödie seit einigen Wochen in Budapest, Wien und Berlin verfilmen.

Die 37-jährige Valerie Niehaus («Der Mann mit dem Fagott», «Verbotene Liebe») spielt Vera von Schalburg. Regie führt Miguel Alexandre (44), der unter anderem auch «Die Frau vom Checkpoint Charlie» mit Veronica Ferres drehte. Für das Fernsehen halten sich die Filmemacher nur wenig an das historische Geschehen.

Bekannt ist, dass Vera von Schalburg 1912 in Russland geboren wurde. Sie gelangt früh nach Paris und arbeitet als Tänzerin und Prostituierte. In den 30er Jahren geriet sie in Geheimdienstkreise. Ein deutscher Spionage-Offizier verliebt sich in sie und holt sie nach Hamburg. Dort landet sie beim Auslandsgeheimdienst der Nazis.

Nachdem Diktator Adolf Hitler im Sommer 1940 Frankreich erobert hat, bereitet die deutsche Wehrmacht die Invasion Englands vor. Hektisch müssen die Geheimdienstler Informationen über das neue Kriegsziel heranschaffen. Zu den Mitgliedern der schnell zusammengestellten Spionagetrupps gehört auch Vera von Schalburg.

Nach einer Feier in Hamburg stirbt ihr Führungsoffizier und Geliebter bei einem Autounfall. Trotzdem wird die 28-jährige Frau Ende September 1940 zusammen mit zwei weiteren Spionen mit einem Wasserflugzeug vor der schottischen Küste abgesetzt.

Das dilettantisch und überhastet geplante Unternehmen endet desaströs. Durch nasse Kleidung, schlecht gefälschte Dokumente und auffälliges Benehmen fliegen alle drei auf, wenige Stunden nach der Landung am Strand sitzen sie in Gefängniszellen. Die Männer werden später hingerichtet. Vera von Schalburg taucht nie wieder auf.

Seitdem spekulieren Autoren, Historiker und Journalisten in Artikeln, Büchern und dem Internet über den Ausgang der Geschichte. Wurde Vera von Schalburg «umgedreht» und arbeitete für den britischen Secret Service? Kehrte sie nach Deutschland zurück? Konnte die schöne Frau ihre Ermittler bezirzen und erhielt eine neue Identität? Starb sie im Gefängnis und ließ man ihre Leiche verschwinden?

Beim Drehbuch habe man sich etwas von der historischen Geschichte entfernt, sagt Regisseur Miguel Alexandre in einer Drehpause in Wien zwischen Scheinwerfern, Nebendarstellern und Requisiten. Die Spionin im Film kann in England lange aktiv sein, bevor sie enttarnt wird. Es gehe ihm auch um die Moral, sagt Alexandre: «Wir erzählen eine Geschichte darüber, was der Krieg mit den Menschen macht und wie er ihre schlimmsten und besten Seiten hervorbringt.»

Gedreht wurde wegen der Wirtschaftsförderung hauptsächlich in Budapest - die Szenen spielen später in Paris, London und Hamburg. Das Budget des 110 Minuten langen Films beträgt vier Millionen Euro, nicht übermäßig viel für so ein großes Projekt.

Für das Ende habe man eine von vielen möglichen Wahrheiten gesucht, sagt Alexandre. «Eins kann ich verraten: Wir haben einen ungewöhnlichen und unerwarteten Abschluss für einen Fernsehfilm gewählt.»

Bis zum Sendetermin im nächsten Jahr sind möglicherweise die offenen historischen Fragen geklärt. Ein Nachrichtenmagazin soll derzeit ein größeres Rechercheteam auf den Fall angesetzt haben.

news.de/dpa

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