Lammert kritisiert Flut von Talkshows im Fernsehen

Berlin - Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die Flut von Talkshows im Fernsehen als problematisch für das politische Urteilsvermögen der Bevölkerung kritisiert.

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Lammert kritisiert Flut von Talkshows im Fernsehen Bild: dpa

«Das Format schließt aus, dass die Sachverhalte ernsthaft diskutiert werden», sagte der CDU-Politiker am Dienstag bei der Feier zum 60-jährigen Bestehen des Berliner Presse Clubs. Kritischer und analytischer Journalismus sei in Zeiten des medienpolitischen Umbruchs angesichts der wachsenden Bedeutung des Internets und der digitalen Medien «noch wichtiger geworden».

Talkshows stünden «an prominenten Zeiten im Abendprogramm - da, wo früher andere Formate sich um die sorgfältige Analyse komplexer Sachverhalte bemüht haben», bemängelte Lammert. Es sei bemerkenswert, dass im Jahr rund 28 Stunden lang Bundestagsdebatten übertragen würden. Dagegen sende allein der öffentlich-rechtliche Rundfunk pro Woche 22 Stunden lang Talkshows, im Jahr seien es 1000 Stunden.

Der ARD-Talkmaster Günther Jauch hofft dennoch, dass Lammert zu ihm in die Sendung kommt. Lammert habe ihm dies auch in Aussicht gestellt, sagte Jauch am Dienstagabend beim SWR Uni-Talk in Mainz. «Inwiefern er dann auch willens ist, sich da noch mit anderen Gästen hinzusetzen, das ist im Moment noch das, worüber wir sicherlich noch diskutieren müssen. Aber ich glaube, der Tag ist nicht fern, da sitzen wir uns auch mal entgegen.»

Lammert erklärte, die Dominanz der digitalen Medien bewirke, dass die Gesellschaft «mit einem zunehmenden Vorrang von Bildern gegenüber Texten, mit einer immer stärkeren Dominanz von Personen gegenüber Themen, mit dem immer höheren Gewicht von Überschriften gegenüber komplexen Sachverhalten, der Schlagzeile vor den Analysen» konfrontiert sei. Es gebe einen «grausamen Vorrang der Schnelligkeit vor der Gründlichkeit in der Informationsvermittlung» und einen «geradezu deprimierenden Vorrang der Unterhaltung vor der Information», sagte Lammert.

Dem 1952 gegründeten Berliner Presse Club gehören gut 100 ordentliche Mitglieder aus regional und überregional arbeitenden Medien an. Der Verein hat regelmäßig Spitzenvertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur zu Gast. Dabei werden im vertraulichen Rahmen Hintergrundgespräche geführt.

news.de/dpa

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