Fernsehen TV-Saison 2011/2012: Mehr Verlierer als Gewinner

Berlin - Er wollte die Tabellenspitze erobern, zum Schluss muss sich der Meisterschaftsaspirant in der Saison-Endabrechnung aber mit Platz drei zufriedengeben.

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TV-Saison 2011/2012: Mehr Verlierer als Gewinner Bild: dpa

Die ARD liebäugelte noch im Sommer vergangenen Jahres damit, RTL die Marktführerschaft streitig zu machen - mit Neuerwerbungen wie Jauch, Gottschalk oder Pflaume. Doch zu Beginn der programmlichen Sommerpause, die mit der Fußball-EM ab 8. Juni einsetzt, wird feststehen, dass das «Erste» trotz hohen Aufwands sein ehrgeiziges Ziel verpasst hat. RTL führt derzeit nach Marktanteilen mit 13,4 Prozent vor dem ZDF (12,3 Prozent) und der ARD (12,1 Prozent).

Denn der Marktführer ist und bleibt derzeit trotz ebenfalls nicht herausragender Leistungen - um in der Sportsprache zu bleiben - Titelverteidiger RTL. Die ARD hat vor allem mit ihren neuen Schwerpunkten keine Akzente setzen können: «Gottschalk Live» wird nach enttäuschender Quote zum 7. Juni beendet, die Krimis in der neu geschaffenen Reihe «Heiter bis tödlich» bleiben unter den Erwartungen, von Kai Pflaumes Spielchen «Drei bei Kai» ist kaum noch die Rede. Die Suche «Unser Star für Baku» muss sogar als Quotenflop verbucht werden.

Die Talks am späten Abend haben den Gesamtmarktanteil auch nicht gestärkt. Günther Jauch hat am späten Sonntagabend als Nachfolger von Anne Will, die auf den Mittwoch abwandern musste, zwar rund eine halbe Million Zuschauer mehr geholt als die Vorgängerin, doch immer noch schalten rund die Hälfte aller «Tatort»-Zuschauer ab, wenn «Günther Jauch» startet. Der größte Verlierer in der Woche ist Reinhold Beckmann, der nach seiner Verlegung auf Donnerstagabend nur auf etwas mehr als sieben Prozent Marktanteil kommt.

Auch Marktführer RTL hat seine Schwachstellen. Der Casting-Dauerbrenner «Deutschland sucht den Superstar» brachte es in den vergangenen Ausgaben nur auf vier bis fünf Millionen Zuschauer, schon «Das Supertalent» schwächelte zum Finale, auch die - allerdings auf hohem Niveau erfolgreiche - Dschungelshow «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!» konnte nicht an den Vorjahreserfolg anknüpfen. Dagegen reüssierte der Kölner Privatsender überraschend mit der Kuppelreihe «Der Bachelor».

Rückschläge prägten Sat.1: Lästermaul Harald Schmidt, eh schon durch seinen speziellen Humor auf ein bestimmtes Publikumssegment ausgerichtet, hatte noch nie so wenige Zuschauer und beendet nächste Woche sein Sat.1-Comeback nach nur acht Monaten. Linda de Mols Rückkehr ins deutsche Fernsehen darf als Desaster bezeichnet werden. In drei Ausgaben der Spielshow «The Winner is...» kam sie nur auf knapp 1,7 Millionen Zuschauer. So wenige hatte die 48-Jährige nie mit einer Show. Mit der Castingreihe «The Voice of Germany» konnte Sat.1 jedoch Punkte sammeln. Vom Bildschirm verschwunden ist mittlerweile dagegen Hugo Egon Balders Ratespielchen «Genial daneben».

Ob dem ZDF durch Thomas Gottschalks Abtritt vom Showklassiker «Wetten, dass..?» ein Schaden entsteht, wird erst der Herbst zeigen, wenn Markus Lanz die Sendung übernimmt. Acht Millionen Zuschauer wurden Lanz vom neuen Intendanten Thomas Bellut als Messlatte vorgegeben. Ersatz für «Wetten, dass..?» wird im Ernstfall kaum zu finden sein. Testballons wie Jörg Pilawas «Super Champion 2012» fliegen längst nicht so hoch wie «Wetten, dass..?». Abschied nehmen heißt es jetzt vorerst auch von Johannes B. Kerner, der mit dem Ende der Champions-League-Übertragungen bei Sat.1 nichts mehr zu tun hat. Sein wöchentliches Magazin wurde bereits im Dezember 2011 beendet.

Die Castingformate gehörten zu den großen Verlierern der Saison. Vox hatte mit dem zweiten Durchlauf der Musikshow «X Factor» kein Glück, ebenso wenig wie mit der Reihe «Das perfekte Model», ein Abklatsch von Heidi Klums ProSieben-Show «Germany's next Topmodel», deren siebte Staffel ebenfalls kein berauschender Erfolg ist. Und des einen Freud ist des anderen Leid: RTL II verbuchte mit der neuen Vorabend-Reihe «Berlin - Tag & Nacht» steigende Resonanz, ob im TV oder auf Facebook. Für den Vorgänger auf dem Programmplatz, den zehn Jahre lang laufenden Platzhirsch «Big Brother», bedeutet der Siegeszug der Improvisations-Soap über das Hauptstadtleben das fast sichere Aus.

news.de/dpa

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